Elf gute Gründe So wichtig ist Ihr Körperfett

Körperfett (Foto)
Nicht nur die Anzahl der Fettzellen ist entscheidend für Übergewicht, auch ihre Größe. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Körperfett hat einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, denn Fett ist überlebenswichtig und kann sogar Krebs bekämpfen. Was es mit den Polsterzellen auf sich hat und wieso wir sie nicht verteufeln sollten, erfahren Sie hier.

Wer an Fettzellen denkt, hat Bilder von runden Bierbäuchen, Schwabbelhintern und Schwimmringen im Kopf. Doch die Energiedepots sind mehr als nur Körpermasse, die uns aus allen Nähten platzen lässt. Die Fettdepots haben auch viele gute Seiten:

1. Jeder Mensch hat zwischen 40 und 120 Milliarden Fettzellen - je nach Körperumfang. Ein normalgewichtiger Mensch Anfang 20 hat einen Körperfettanteil von etwa 18 (Männer) bis 25 Prozent (Frauen).  In jeder einzelnen Zelle befinden sich Öltropfen, die als Energiespeicher dienen. In den Depots wird aber nicht nur Fett eingelagert, sondern auch abgebaut. Benötigt der Körper Energie, geben sie Fett ab.

2. Fettzellen steuern wichtige Stoffwechselvorgänge: Sie beeinflussen die Funktion des Gehirns, der Leber, der Bauchspeicheldrüse und haben Einfluss auf das Immunsystem.

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3. Fett verbrennt Kalorien. Forscher haben gutes Fett im Körper entdeckt. Sie fanden heraus, dass das sogenannte braune Fettspezielle Form des Fettgewebes, dessen Zellen in der Lage sind, Wärme zu produzieren - im Gegensatz zu weißem Fett - zwischen 100 und 500 Kilokalorien pro Tag verbrennt. Zum Vergleich: Eine Stunde schnelles Joggen verbrennt ebenfalls 500 Kilokalorien. Scheinbar haben adipöse Menschen vom braunen Fett weniger als schlanke. Die Experten sind jedoch sicher: Es bremst die Gewichtszunahme. Das lege den Verdacht nahe, dass ein Mangel an dem Kalorienverbrenner eine Rolle bei der Entstehung von Übergewicht spielt. 

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Die Wissenschaftler haben zudem ausgerechnet, dass sich so pro Jahr zwischen acht und 20 Kilo Gewicht durch das braune Fett abbauen ließen. Die durchschnittlichen 50 Gramm, die ein normalgewichtiger Erwachsener besitzt, reichten dafür aus. Forscher arbeiten bereits daran, die Produktion und Funktion dieser Minikraftwerke anzuregen. Ihr Ziel: Fett mit Fett bekämpfen. In Laborversuchen ist dies US-Forschern schon gelungen. Sie schafften es, dass Mäusen braunes Fett wuchs.

4. Das Fettgewebe hat eine wichtige Rolle als Hormonproduzent. So stellen Fettzellen Leptin her - ein Hormon, das dem Körper signalisiert, dass man satt ist. Per se heißt das aber nicht, dass man abnimmt oder schlank bleibt. Dass Menschen trotz dieser Funktion der Fettzellen übergewichtig sind, hat mit weiteren Stoffwechselvorgängen zu tun, an denen andere Hormone wie das Hungerhormon Ghrelin beteiligt sein können.

5. Körperfett liefert Stammzellen und kann therapeutisch wirken. Vor allem die Fettpolster an Bauch und inneren Oberschenkeln liefern reichlich davon. Stammzellen dienen in der Schönheitschirurgie zur Faltenunterspritzung, Handmodellage oder Brustvergößerung. Sie können auch bei der Formung von Po, Hüften, Oberschenkeln oder Waden eingesetzt werden. Dafür werden die Zellen in einem speziellen Fettabsaugverfahren (Liposuktion) entnommen, aufbereitet und injiziert. Die Vorteile: Der Chirurg schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe, indem er Fett absaugt, dabei die Beine oder den Bauch in Form bringt und zusätzlich das entnommene Fett für andere ästhetische Eingriffe am selben Patienten verwendet. Eine so vergrößerte Brust etwa wirkt viel natürlicher und fühlt sich echter an, als eine mit Silikonimplantaten.

6. Fettzellen sind Krebskiller: Forscher fanden unter Laborbedingungen heraus, dass spezielle im Fettgewebe enthaltene Stammzellen Krebsgeschwüre aufspüren können. Sie tauschen entartetes Gewebe durch neue Zellen aus und sind in der Lage, selbst kleinste Metastasen zu bekämpfen. Auf dem Gebiet der Krebsforschung ist das ein weiterer Meilenstein für neue Therapieansätze.

7. Fettgewebe fängt Stöße auf. Deshalb sitzt es an Stellen wie dem Po, den Handflächen oder den Fußsohlen.

8. Fettzellen sind schlechte Wärmeleiter und können als thermische Isolierung den Körper vor dem Erfrieren schützen.

9. Fettgewebe füllt Lücken zwischen den Geweben, wie etwa Muskelgewebe, im Körper aus. Es ist daran beteiligt, Organe in ihrer Lage zu halten.

10. Fettzellen forsten den Haarschopf wieder auf. Forscher fanden heraus, dass sie eine bisher unbekannte wichtige Rolle für das Haarwachstum spielen. So setzen unreife Fettzellen einen Wachstumsfaktor frei, der das Haarwachstum anregt. 

11. Po- und Hüftfett ist gesund. Einer Studie zufolge kann es vor Diabetes und Herzkreislauferkrankungen schützen. Es fängt schädliche Fettsäuren ein und verhindert Entzündungsreaktionen im Körper, die zu Krankheiten führen. Demnach ist für die Gesundheit nicht nur entscheidend, wie dick jemand ist, sondern vor allem, an welchen Körperstellen sich das Fett befindet.

som/sca/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • brainthink
  • Kommentar 1
  • 19.09.2011 15:06

Na dann spricht ja im Prinzip nichts mehr gegen Adipositas. Juchu, lasst uns alle auf dem Sofa sitzen, Chips essen und ab sofort keinen Sport mehr treiben. Zur Sache: 1. + 2. kein Argument f. Fett. 3. Nur Arg. f. br. Fett. 4. Kein Arg. für viel Fett. 5. Nur interessant für Leute mit viel Fett UND Schönheitsproblemen UND dickem Geldbeutel. 6. Mag sein. FettGEWEBE ist jedoch sehr böse: http://tinyurl.com/6dds35n 7. Ach! 8. Besser Wärmeproduktion (=Muskeln), als Isolator (=Fett). 9. Seufz. 10. Wers braucht. 11. Bedingt richtig. FAZIT: Natürlich brauchen wir Fett, aber bitte nicht mehr als nötig.

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