Experten: Rheuma bei Kindern oft zu spät erkannt

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Experten: Rheuma bei Kindern oft zu spät erkannt Bild: dpa

Rheuma trifft Menschen jeden Alters. Gerade bei jungen Patienten wird die Krankheit jedoch oft nicht erkannt und falsch behandelt. Und es gibt zu wenig Fachärzte, beklagen Experten.

München (dpa) - Rheuma trifft Menschen jeden Alters. Gerade bei jungen Patienten wird die Krankheit jedoch oft nicht erkannt und falsch behandelt. Und es gibt zu wenig Fachärzte, beklagen Experten.

Rheuma ist keine Krankheit, an der nur Ältere leiden? Auch viele Kinder und junge Erwachsene erkranken daran. «Ich habe Patienten, die mit 25 bis 30 Jahren zu mir kommen», berichtet Professor Hendrik Schulze-Koops, Leiter der Rheumaeinheit am Klinikum der Universität München. Häufig breche die Krankheit vor dem 40. Lebensjahr aus. Die jüngsten Patienten seines Kollegen Professor Johannes-Peter Haas, Chefarzt am Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugendrheumatologie Garmisch-Partenkirchen, sind zwei Jahre alt.

Von Mittwoch (31. August) an treffen sich in München rund 2500 Rheumatologen verschiedener Bereiche zu einem Jahreskongress. Denn Rheuma ist nicht gleich Rheuma. Rund 100 Krankheitsbilder werden darunter zusammengefasst. Dazu gehören die entzündlich rheumatischen Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis oder die Arthritis bei Schuppenflechte. In Deutschland leiden laut Schulze-Koops rund drei Prozent der Bevölkerung an entzündlich rheumatischen Erkrankungen. Bis zum 3. September tagt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie und der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie.

Gerade hat Haas einen Fünfjährigen in seiner Klinik aufgenommen. Zweimal wurde der Junge schon von anderen Ärzten am Knie operiert, weil die Schwellung als Verletzung missgedeutet wurde - überflüssige Eingriffe, die sogar geschadet haben. «Es kann sein, dass er nun sehr früh ein künstliches Gelenk braucht», sagt Haas. Mit 20 Jahren könnte der Junge bereits eine Knieprothese haben.

Rund 20 000 Kinder leiden Hochrechnungen zufolge in Deutschland an Rheuma. «Wir fürchten, dass ein Drittel nie einen Rheumatologen sieht», sagt Haas. Denn gerade bei Kindern denkt kaum jemand an Rheuma. «Nach dem Fußballspiel ein dickes Knie» - da ist für viele der Fall klar. «Wir bekommen immer wieder Kinder, die auf eine Sportverletzung behandelt wurden.» Auch immer wiederkehrendes Fieber könne Rheuma bedeuten - und werde oft nicht erkannt.

Am häufigsten ist bei Kindern Gelenkrheuma (juvenile idiopathische Arthritis). Die Gelenkinnenhäute entzünden sich, die Gelenke schwellen an. Gefürchtete Komplikationen sind die Zerstörung der Kiefergelenke und eine Augenentzündung, die sehr schwer verlaufen kann - in manchen Fällen bis zur Erblindung.

Dabei kann bei einer frühen Diagnose - bevor Knochen und Knorpel geschädigt sind - mit neuen Medikamenten gut geholfen werden. «Eine rasche Therapie ist bei Kindern noch wichtiger als bei Erwachsenen - damit die Kinder eine normale und altersgerechte Entwicklung machen können», sagt Haas. Denn Gelenke im Wachstum sind noch anfälliger.

Biologika heißt das Zauberwort - die biotechnologisch herstellten Substanzen schrauben die aus dem Ruder gelaufene Immunreaktion des Körpers zurück. Damit geht die Entzündung zurück, die das Gelenk auf die Dauer zerstört. Die Krankheit wird zwar nicht geheilt, aber die zerstörerischen Folgen ausgeschaltet. «Mit modernen Medikamenten können wir heute nicht nur jede Gelenkzerstörung vermeiden, sondern vielen Patienten auch dauerhaft Symptomfreiheit ermöglichen», sagt Schulze-Koops. Seit neuestem dürfen bestimmte Biologika schon bei Zweijährigen eingesetzt werden. Je nach Fall greifen die Ärzte auch auf die älteren Mittel wie Kortison oder Methotrexat zurück.

Die bessere Therapie führt zu weniger Operationen. Sei eine Entzündung medikamentös nicht in den Griff zu bekommen, müsse aber schnell gehandelt und das kranke Gewebe - meist minimalinvasiv - entfernt werden, sagte Stefan Schill vom Gelenkzentrum Rosenheim.

Warum Rheuma ausbricht, ist ungeklärt. Genetische Faktoren bilden die Grundlage. «Dann kommen Umweltreize dazu, die wir aber bei den Kindern noch weniger kennen als bei den Erwachsenen», sagt Haas. Zu dem Umweltreizen können Infektionen gehören, aber auch das Rauchen.

news.de/dpa

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