Sa., 26.05.12

Gegen unnötige OPs 27.08.2011 Die Robin Hoods unter den Ärzten

Gegen unnötige OPs (Foto)
Inflationär landen Patienten wegen Hüft- und Knieleiden unterm Messer. Ein Dutzend Seniochirurgen geht dagegen vor.  Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Die Zahl der Operationen an Hüft- und Kniegelenken ist in Deutschland immens gestiegen. Einer Gruppe von Ärzten geht das zu weit, sie hält einen großen Teil der Eingriffe für überflüssig. Im Internet machen die Chirurgen Meinung gegen unnütze OPs.

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Professor Hans Pässler, Chirurg aus Heidelberg, hat lange genug hingesehen. Jetzt will er mit einem guten Dutzend Mitstreiter die Flut an Hüft- und Knieoperationen in Deutschland eindämmen, die für die behandelnden Ärzte ausgesprochen lukrativ sind.

Pässler und seine Mitstreiter gehen offensiv an die Öffentlichkeit. Hinter ihrem Internetportal Vorsicht! Operation stecken Experten für Schulter-, Hüft-, Knie, Hand- und Bandscheibenoperationen, die aber aus Altersgründen nicht mehr als Chefärzte arbeiten dürfen. «Diese Leute haben ein Maximum an Erfahrung, sie haben Zeit. Und sie sind nicht mehr gebunden an eine Klinik und damit unabhängig», sagte Pässler kürzlich in einem Interview mit dem Spiegel. Diese geballte Kompetenz konnte der Heidelberger Chirurg sofort für sich und seine Idee begeistern, mit einer Zweitmeinung eine geplante Operation noch einmal zu durchleuchten.

Hüftoperationen
Weniger ist mehr
Video: sca/news.de/

Dass man der hohen Zahl an Eingriffen Einhalt gebieten muss, liegt Pässler zufolge auf der Hand. Wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat, stieg die Zahl der Operationen an Hüft- und Kniegelenken in den vergangenen Jahren massiv an. Während im Jahr 2003 bei 214.000 Patienten eine Hüft-OP durchgeführt wurde, waren es 2009 bereits über 250.000. Ähnlich bei Operationen an den Kniegelenken: 2003 erhielten 140.000 Patienten ein neues Gelenk, 2009 waren es schon über 213.000.

Gut für den Arzt, unnötig für den Patienten

Die finanziellen Folgen für das Gesundheitssystem sind beträchtlich: 2003 haben die Eingriffe Kosten in Höhe von 2,7 Milliarden Euro verursacht, 2009 stiegen die Ausgaben auf über 2,9 Milliarden Euro an. Das Problem sehen Pässler und Kollegen darin, dass viele niedergelassene Ärzte in nahe gelegenen Operationszentren OP-Säle mieten. Das kostet Geld, das erst einmal erwirtschaftet werden muss. Dieses geschehe auf dem Rücken der Patienten, die viel zu schnell unterm Messer landeten. Denn die Experten sind sich einig: Bis zu 45 Prozent aller Fälle könnten auch konservativ behandelt werden - etwa durch Dehnübungen oder Schuheinlagen.

Doch wie soll die Kontrollarbeit der Seniorchirurgen funktionieren? Wer vor einer Operation steht, kann sich über das Internetportal Vorsicht! Operation bei den Experten melden. Der Betroffene füllt einen Fragenbogen aus, der darin detailliert seine Beschwerden beschreibt. Zudem kann der Patient auf dem Portal Schmerzpunkte einzeichnen. Das ermöglicht dem Experten genau zu sehen, wo die Beschwerden des Users liegen. Digital kann dieser zusätzlich Daten wie Röntgenbilder oder Aufnahmen aus dem KernspinMit der Kernspintomographie kann man Schnittbilder des Körpers erzeugen, die eine Beurteilung der Organe und vieler krankhafter Organveränderungen erlauben. einsenden. Das sollte in den meisten Fällen für eine Diagnose reichen. Wenn nicht, meldet sich der Spezialist selbst.

Das Ziel der Portalbetreiber ist es, innerhalb von zwei Wochen ein Gutachten zu erstellen, das einen geplanten Eingriff befürwortet oder davon abrät. Das wird aber nicht ganz billig. Je nach Aufwand müssen zwischen 200 und 600 Euro für die Einschätzung des Spezialisten hingeblättert werden. Es gibt jedoch Hoffnung, dass der Betroffene die Kosten nicht übernehmen muss. Das sollen in Zukunft die Krankenkassen leisten, die sich Pässler zufolge intensiv für die Zweitmeinung interessieren – können sie bei einer nicht empfohlenen Eingriff doch viel Geld einsparen. 

cvd/news.de
Leserkommentare (14) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Scarlotta
  • Kommentar 14
  • 01.09.2011 08:05
 

Meine Knie- OP ist gut verlaufen .Das Op- Team war eben gut und bewies das Können .Entsezt war ich ,als in der REHA die Ärztin mir einen Sozialvertrag am 1. Tag unterjubeln wollte . Lehnte es ab.Zum Schluß der Reha ging es um die Spritzen noch ,na dies obliegt der Human-medzin ,der Pflege ich bezahle Pflegegeld . Spritzen kann ich mich alleine .Bekam dann anstandlos die Spritzen . Sozial vertrag wollte Sie deshalb machen ,da ich alleine wohne .Aber im Krankenblatt gab ich eine Person an ,die sich um meine Belange kümmert . Eigenartig von der Ärztin .

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  • Ralf
  • Kommentar 13
  • 28.08.2011 11:48
 Antwort auf Kommentar 3

Sie untergraben ja die Diagnosen eines Facharztes . Ein Orthopäde stellt doch eine Diagnose und wenn er dem Patienten zu einer OP rät ,glaube ich nicht ,daß dies verkehrt ist . Er untersucht den Patienten gründlich und wird auch geröngt.Nach meiner Meinung kann ein Facharzt was ,er hat Wissen .Ein Arzt ,der eine andere Fachrichtung hat ,der geht auch zum Ortopäden .Kein Mensch legt sich zum Vergnügen auf den OP- Tisch .Für meine Person ist die Diagnose eines Facharztes maßgebend und für einen Arzt auch . Die neuen Hüften und Knies sind für alle Menschen da. eusibia

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  • 11085
  • Kommentar 12
  • 27.08.2011 18:28
 

Wenn man garnicht mehr richtig laufen kann ,da weiß ein normaler Mensch doch ,daß da was gemacht werden muß . Wer sehnt sich nach einen OP- Tisch ? Glaube keiner ,aber bei jeder Op ist ein Risiko dabei .Bei jedem noch so kleinen Eingriff kann was passieren .Eine Garantie ist nie vorhanden . Hat man aber sehr darunter zu leiden ,dann nimmt man die Chance war das eventuell Abhilfe der starken Schmerzen und nicht laufen können eine OP in kauf .Jeder Patient wird ja aufgeklärt vorher,Hat man einen Unfall dann ist man froh ,daß geholfen wird . Einen Rolstuhl ziehe ich nicht vor.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 11
  • 27.08.2011 16:55
 Antwort auf Kommentar 6

Und die schweren Fehler von Ärzten können sich meist nicht mehr beschweren. Da sie im Fall des "größtmöglichen" Erfolges dann schon auf den nächstliegenden Friedhof umgezogen sind. So einfach kann das sein...

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  • uzo kempe
  • Kommentar 10
  • 27.08.2011 16:45
 

Fast jede Knie- oder Hüftgelenks Op ist nicht nötig. DENN es gibt zwei homöopathische Medikamente gegen die Schmerzen und den Verschleiß: Articulatio Coxae für die Hüfte und Articulatio Genus für das Knie. Beide Medikamente sind von der Firma Wala und sind Organpräparate, die fast jede Degeneration wieder gesunden können! Klingt verrückt! Ist aber so! 10 Spitzen kosten ca. 18€. Je nachdem, wie schwer die Erkrankung ist braucht man max. 3 Schachteln. Uzo Kempe, Orpheus-Beratung Berlin!

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  • marty
  • Kommentar 9
  • 27.08.2011 16:20
 

Die Indikation zur OP stellt bei diesen Operationen der Patient! Dieser entscheidet sich aufgrund seiner Schmerzen fuer oder gegen eine Operation. Und das haeufig nach langjaehrigen Versuchen die Schmerzen mit Medikamenten oder Spritzenkuren in den Griff zu kriegen. Dass die Krankenkassen daran interessiert sind diese Operationen zu verhindern zeigt wie kurzsichtig sie sind. Die konservative Behandlung ueber Jahre kostet minbdestens ebensoviel wie eine Operation. Die Schmerzen fuehren zudem zu Bewegungsmangel, Fettleibigkeit, Hochdruck, Diabetes etc. Alles Kosten fuer die Krankenkassen.

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  • marty
  • Kommentar 8
  • 27.08.2011 16:05
 

Na super~! Dann war ich ja voellig umsonst im Krankenhaus und in der Reha! Merkwuerdig nur dass mein Knie jetzt beim Treppensteigen nicht mehr weh tut, ich viel besser laufen kann uund 9 Kilo abgenommen habe. Diese Opas die nicht mehr operieren koennen sollen doch selbst rumhumpeln und sich ansonsten aus der Arbeit ihrer Kollegen raushalten.

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  • Holl Otto
  • Kommentar 7
  • 27.08.2011 15:46
 

Das mag ja gut, recht und billig sein. Nur wer zahlt, wenn die Patienten, die nicht operiert werden dürfen und nicht durch konservative Maßnahmen gebessert werden können, das Schmerzensgeld? Wo ist die objektive Grenze? Wer kann dieses setzen? Hier muss der Gutachter wohl die Konsequenz ziehen, dass er bei Ablehnung der Operation für ev. geklagte Schmerzen finanziell aufkommen muss. Super für die Versicherungen, die wiederum die Versicherungsprämie für die Gutachter in die Höhe schrauben werden.

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  • les art
  • Kommentar 6
  • 27.08.2011 15:02
 

Das ist kein neues Problem, wurde bisher halt nur nicht veröffentlicht. Wir kommen aus dieser medizinischen Ebene und können bestätigen, wir haben einmal Buch geführt und für jeden Tag eines Jahres ein Ärzteskandal notiert. Und hunderte von OPs verhindert. Dann wurden wir Platt gemacht. Seit dem arbeiten wir nur noch Privat. Siehe auch das Buch von Herrn Colemann und anderen Medizinern zum Thema oder in www.internet-magazin-les-art.eu, die deratige Themen schon bearbeitet haben. Der Feind eines Arztes ist mehrheitlich ein gesunder Patient. Es geht um Abrechnungsstellen, sonst nichts!

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  • steinmetz
  • Kommentar 5
  • 27.08.2011 13:49
 Antwort auf Kommentar 4

Ich finde es wirklich skandalös, wie da auf dem Rücken leidender Patienten Profit gemacht wird. Bin selbst seit 30 Jahren als Heilpraktikerin tätig und spezialisiert auf Arthrose und Rheuma. Mein Fazit: es könnte unglaublich Summen und unnötiges Leiden erspart werden, wenn die naturheilkundlichen Therapiemöglichkeiten mit einbezogen würden. www.hp-steinmetz.de

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  • hpklimbim
  • Kommentar 4
  • 27.08.2011 13:18
 Antwort auf Kommentar 3

Hm, vielleicht handelt es sich dabei um eine andere Art von vorsorgender Schönheits-OP nur für den Fall der Fälle, selbstverständlich von den Kassen bezahlt... . Damit können die Herren Doktoren nach der OP dann beim Abkassieren wieder schneller laufen!

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  • eusebia
  • Kommentar 3
  • 27.08.2011 12:48
 Antwort auf Kommentar 1

das sind dann ja wohl ärzte,welche schon allein aufgrund ihres fachwissens in der lage sind,zu entscheiden,ob sie wirklich eine operation benötigen oder nicht.wer legt sich schon freiwillig und gerne unters messer?!

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  • hpklimbim
  • Kommentar 2
  • 27.08.2011 12:46
 

Um die hier genannten Einzelfälle richtig beurteilen zu können, fehlt es mir ganz bestimmt an jeglicher beruflicher Erfahrung. Ich habe aber bei meiner letzten Freundin fest gestellt, dass der Hang zum Abkassieren ohne jegliche Erfolgsergebnisse in dieser Branche ganz enorm ist. Da wurde jahrelang behandelt ohne jegliches Ergebnis, aber wohlgemeinter Rat und Beistand von Involvierten konsequent abgelehnt (Therapie). Man hat statt dessen lieber nicht vorhandene Krankheiten gepflegt. Eines ist sicher - den Ärger der Abkassierer werden die Kritiker ganz gewaltig zu spüren bekommen.

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  • Ralf
  • Kommentar 1
  • 27.08.2011 11:07
 

Komisch ,daß Doktoren auch eine neue Hüfte b.w. ein neues Knie sich machen lassen .

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