Ratgeber Was bei krankhaftem Schwitzen hilft

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Was bei krankhaftem Schwitzen hilft Bild: dpa

Oldenburg (dpa/tmn) - Menschen mit Hyperhidrose schwitzen ohne Anlass. Ihnen rinnt der Schweiß die Achselhöhlen, Hände und Fußsohlen entlang. Diese Krankheit tritt in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter auf. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele.

Oldenburg (dpa/tmn) - Menschen mit Hyperhidrose schwitzen ohne Anlass. Ihnen rinnt der Schweiß die Achselhöhlen, Hände und Fußsohlen entlang. Diese Krankheit tritt in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter auf. Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele.

Die Rechtsanwältin sitzt im Besprechungsraum ihrer Kanzlei, ihr gegenüber hat ein Mandant Platz genommen. Eine Klimaanlage kühlt den Raum auf Zimmertemperatur. Doch die Rechtsanwältin schwitzt plötzlich, als wäre es 40 Grad heiß. Die Schweißflecken auf ihrer weißen Bluse werden immer größer und größer. «Ich habe mich in Grund und Boden geschämt», erinnert sich die 31-Jährige an dieses Erlebnis. Sie leidet an Hyperhidrose, einem krankhaften, viel zu starken Schwitzen.

«Von Hyperhidrose sprechen wir, wenn das Schwitzen der Situation nicht angemessen ist und der Betroffene darunter leidet», definiert der Dermatologe Prof. Erhard Hölzle vom Klinikum Oldenburg. Wie stark die Hyperhidrose jemanden beeinträchtigt, hängt auch von seinem Umfeld ab. Wer zum Beispiel auf dem Bau arbeitet, stört sich wohl nicht an einer übermäßigen Schweißproduktion in den Achseln. Für eine Empfangsdame in einem Nobelhotel kann eine Hyperhidrose, die sich an den Händen äußert, jedoch zum ernsthaften Problem werden. Die Hände können sogar so nass werden, dass Tropfen von ihnen hinab perlen.

Es gibt zwei Arten des krankhaften Schwitzens. Da ist zum einen das Schwitzen als Symptom, zum Beispiel einer Infektion oder Krankheit, einer Hormonstörung oder einer Vergiftung. In diesem Fall behandeln die Ärzte die zugrundeliegende Krankheit. Bei der lokalisierten Hyperhidrose schwitzen die Betroffenen dagegen, ohne dass eine Ursache erkennbar ist. «Wir wissen nicht, woher dieses Schwitzen kommt», sagt Prof. Uwe Wollina von der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt. «Vielleicht liegt der Fehler im Kopf, vielleicht aber auch in den Nerven, die zu den Schweißdrüsen führen».

In den Industrienationen sind etwa ein bis drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung von diesen schweißtreibenden Attacken betroffen, meistens beginnt die Krankheit in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter. Die meisten schwitzen in den Achselhöhlen, auch die Fußsohlen und Handflächen sind häufig betroffen. Das kann so schlimm werden, dass die Schuhe durchweichen und sich die Menschen nicht mehr trauen, jemandem die Hand zu geben.

Obwohl die Mediziner bei der Ursachenforschung noch im Dunklen tappen, ist die Behandlung dieser lokalisierten Hyperhidrose nicht schwierig. Es gibt etwa Medikamente, die auf die Drüsen wirken. «Der Nachteil ist, dass dann alle Drüsen weniger Sekrete produzieren, also etwa auch die Tränen- und Speicheldrüsen», sagt Wollina. Mögliche Nebenwirkungen sind daher ein trockener Mund und trockene Augen.

Bei übermäßigem Schwitzen in den Achselhöhlen empfiehlt Prof. Berthold Rzany von der Charité in Berlin ein Deo, das Aluminumchlorid oder Aluminimchlorid-Hexahydrat enthält. Sie helfen bei leichten Fällen von Hyperhidrose. Wer diese Lösung nicht verträgt oder bei wem sie nicht wirkt, kann sich das Nervengift Botulinumtoxin in die Achselhöhlen spritzen lassen. Dieses lähmt die Nerven, die für die Schweißbildung zuständig sind. Es wirkt mindestens sechs Monate, danach muss die etwas schmerzhafte Prozedur wiederholt werden.

Gegen übermäßiges Schwitzen an Hand und Fuß kann auch die Iontophorese helfen. Dabei werden die betroffenen Körperstellen in zwei mit Leitungswasser gefüllte Wannen gehalten. Mit Elektroden wird ein leichter Strom durch das Wasser geleitet, um die Schweißproduktion der Drüsen zu senken. Anfangs muss diese Prozedur täglich wiederholt werden. «Die Iontophorese kann man auch zu Hause anwenden, es gibt entsprechende Geräte», sagt Wollina.

Wenn das alles nicht hilft, können die Ärzte zum Skalpell greifen, um die Schweißdrüsen zu entfernen. Für «sehr interessant» hält Wollina ein neues Verfahren, das seit etwa drei Jahren angewendet wird, allerdings noch nicht routinemäßig. Dabei werden in den Achselhöhlen die Schweißdrüsen mit einem Laser weggeschmolzen.

Streng genommen gibt es jedoch keine Heilung von der Hyperhidrose. «Fast alle Therapien sind Dauertherapien», sagt Rzany. Doch das Schwitzen kann auch unbehandelt im Laufe der Zeit weniger werden. Bis dahin kann es allerdings dauern - ohne Behandlung bessert sich die Hyperhidrose erst im Wechseljahre-Alter.

Warum der Mensch schwitzt

Die Einstellung der Körpertemperatur wird auf komplizierte Art und Weise im Gehirn geregelt. «Die Spannbreite, in der sich der Körper wohlfühlt, beträgt nur ein bis zwei Grad», erklärt Prof. Uwe Wollina. Droht eine zu hohe oder zu niedrige Temperatur, ergreift der Körper Gegenmaßnahmen. Dazu gehört die höhere Durchblutung, sichtbar zum Beispiel am roten Kopf. Damit strahlt der Körper Wärme ab. Auch das Schwitzen ist überlebensnotwendig. Dabei geben die Schweißdrüsen Wasser ab, das auf der Haut verdunstet und so den Körper kühlt.

news.de/dpa

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