Sa., 26.05.12

ARD-Doku 25.07.2011 Herzergreifender Kampf um die Pumpe

Herzoperation (Foto)
Über 20.000 Patienten bekommen pro Jahr eine neue Herzklappe eingesetzt. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Die Herzchirurgie ist die Erfolgsgeschichte der Medizin: Doch bei Herzinfarkt & Co. sind den Ärzten sind noch immer Grenzen gesetzt. Das zeigt eine Doku, die heute in der ARD gezeigt wird.

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Noch vor zehn Jahren wären Patienten wie Andreas Schulz und Uwe Trundt dem Tod geweiht gewesen. Beide haben es mit dem Herz. Während der 43-jährige Schulz bereits drei Wochen nach Erhalt einer künstlichen Herzklappe wieder mit seiner dreijährigen Tochter auf dem Spielplatz herumtollt, wird das Leben von Trundt durch Maschinen bestimmt. Sprich: ein künstliches Herz, das ihn durch Strom und Akkus am Leben hält. Jeder Stromausfall ist lebensbedrohlich. «Jeder Tag ist für solche Patienten wie mich ein geschenkter», ist Trundt dankbar.

Die Kardiologie ist die Vorzeigeabteilung der modernen Medizin. «Es ist eine Erfolgsgeschichte», freut sich Professor Christoph Bode von der Uniklinik Freiburg. Die Zahlen bestätigen es: Über 20.000 Patienten bekommen pro Jahr eine neue Herzklappe eingesetzt. Einen Herzinfarkt überleben bei einem beherzten Eingreifen der Ärzte drei von vier Patienten.

Operation bei vollem Bewusstsein

Wie eindrucksvoll dies passiert, zeigt die ARD-Doku von Claudia Ruby, die den Alltag am Herzzentrum in Freiburg beleuchtet. Hier erwartet Ärzte das fast schon Undenkbare. Etwa eine 77-Jährige, die wegen Übelkeit zu ihrem Hausarzt radelt, der aber die lebensbedrohliche Diagnose Herzinfarkt stellt. Im Uniklinikum geht es nun um jede Minute. Dass die Patientin überlebt, hat sie dem Herzkatheter zu verdanken: Bei vollem Bewusstsein, nur unter lokaler Betäubung, wird der Frau ein Kunststoffdraht ins verstopfte Gefäß geschoben und durch einen aufblasbaren Ballon die Engstelle erweitert - mehr als eindrucksvoll, wenn auf dem Röntgenbild das Blut wieder durch die Adern fließt.

Was bleibt, ist eine drei Millimeter große Narbe am Bauch, wo der Katheter eingeführt wurde. Zwei Stunden später kann die Frau schon wieder aufstehen. «Das Liegen ist das Schlimmste. Es ist wie eine Strafe», sagt die Frau zu Professor Bode. Dabei weiß sie gar nicht, wie viel Glück sie hatte. Noch vor Jahren hätte der Herzspezialist den Brustkorb öffnen und am offenen Herzen operieren müssen.

In der ARD-Dokureihe werden Bilder gezeigt, die erschrecken, aber zugleich bewegen. Denn obwohl der Fortschritt sehr weit ist, so sind auch den Spezialisten Grenzen gesetzt. Die Zahl der Herzinfarkttoten ist bei den Frauen doppelt so hoch wie bei den Männern. Zu untypisch sind die Symptome wie Schwitzen und Übelkeit, während das starke Geschlecht schnell durch die Schmerzen im Brustkorb die Diagnose bekommt. Bei insgesamt 100.000 Patienten pro Jahr kommt jede Hilfe zu spät. Zudem warten über 1000 Deutsche auf ein Spenderherz, nur 300 von ihnen kann der Wunsch nach einem neuen Leben ohne Maschinen erfüllt werden.

Die Alternative ist ein künstliches Herz, wie es in Uwe Trundt schlägt. Bei dem passionierten Jäger hat ein Rohr, das dem eines Waschbeckens gleicht, die Funktion der linken Herzhälfte übernommen. Im Inneren dreht sich eine titanbeschichtete Turbine, die pro Minute zehn Liter Blut transportiert.

Doch der Wunsch nach einem neuen Leben hat einen hohen Preis: Trundt musste sechsmal nachoperiert werden, die Hauptschlagader und die Herzklappe mussten ersetzt werden. Täglich ist er der Gefahr ausgesetzt, dass sich die Stelle, an der der Schlauch aus dem Bauch herausragt, lebensgefährlich entzündet. Jeder dritte Patient mit künstlichem Herz stirbt im ersten Jahr nach der Operation an einer solchen Infektion.

«Der Patient muss energisch sein, dass er das auch will», erklärt Professor Friedhelm Beyersdorf aus Freiburg, der seit 30 Jahren fast täglich operiert und bei Trundt den Eingriff vornahm. Dabei wird dem todkranken Patienten fast Unmenschliches abverlangt. Trundt war selbst schon so weit, dass er seine Frau gebeten hat, sie solle die Maschinen abschalten lassen.

Eingriff bei einem über 90-Jährigen vertretbar?

Bei aller Erfolgsgeschichte, die Kardiologie wird immer komplexer. Die Ärzte müssen sich täglich die Frage stellen, ob sie bereits Gott spielen. Braucht beispielsweise ein 94-jähriger Patient wie Hans Bob - der fitteste Mitneunziger, den das Deutsche Fernsehen wohl je zu Gesicht bekommen hat - eine neue Herzklappe? Eine, die den Krankenkassen Kosten von 30.000 Euro beschert? Noch zahlen sie. Doch angesichts der steigenden Nachfrage und dem zunehmendem Alter der Patienten befürchten sie eine Kostenexplosion.

«50.000 Euro pro Patient sind noch effektiv», meint Professor Bode. Während Kollege Beyersdorf entgegnet: «Die Diskussion ist irreführend. Ein Menschenleben lässt sich nicht auf Euros umrechnen. »

Bestes Zitat: «Jetzt geht es in die Höhle des Löwen.» (Hans Bob auf dem Weg in den OP. Mit 94 Jahren der älteste Patient, der je in Freiburg am Herz operiert worden ist und jetzt wieder seiner Leidenschaft, dem Fliegen, frönt.)

Titel: Die großen Volkskrankheiten. Herzversagen – Erfolgsgeschichte der Medizin
Regie: Claudia Ruby
Filmlänge: 45 Minuten
TV-Erstausstrahlung: Montag, 25. Juli 2011, 21 Uhr, Das Erste

som/zij/news.de
Leserkommentare (2) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • naja
  • Kommentar 2
  • 26.07.2011 11:12
 Antwort auf Kommentar 1

hm,...auch Vegetarier sterben...

jetzt antwortenKommentar melden
  • Antonietta
  • Kommentar 1
  • 25.07.2011 13:42
 

Vegetarier leben gesünder. Denn Fleischverzehr fördert das Risiko von Herzinfakten, Blinddarmentzündungen, Bluthochdruck, Osteoporose, Arthritis, Magengeschwüren, Nierensteinen, Diabetes und Krebs!

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