Reisemedizin Diese Tücken lauern im Urlaub

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Griechenland, Italien, Türkei - die Deutschen reisen gern. Doch ihre Vorbereitung auf Reisen ist mangelhaft. News.de verrät, welche Krankheiten Sie sich in den liebsten Urlaubsländern der Deutschen holen können.

An Personalausweis, Kreditkarte und Handy-Ladegerät denkt jeder. Doch was ist mit Impfpass oder Auslandskrankenversicherung? Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation bereiten sich 40 Prozent aller Urlauber nicht auf ihre Reise vor. Dabei kann Vorbeugen den Urlaub retten. Unbedingt ins Reisegepäck gehören Medikamente gegen Durchfall, Reisekrankheit, Fieber, Schmerzen sowie Wunddesinfektionsmittel, Insekten- und Sonnenschutzmittel, Salbe gegen Insektenstiche oder andere Hautreizungen, Fieberthermometer und Verbandsmaterial.
 

Wichtig ist, sich über das aktuelle Infektionsrisiko am Urlaubsziel zu informieren und zu reagieren. Als Basisschutz dienen die Empfehlungen des deutschen Impfkalenders. Darüber hinaus sollten sich Männer und Frauen über 60 Jahre gegen PneumokokkenPneumokokken sind Erreger, die eine Lungenentzündung auslösen können. immunisieren lassen.

Für den Notfall
Die Ersthelfer im Urlaubsparadies

Damit alle Impfungen während der Reise wirken, sollte der schützende Pieks vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt erfolgen. Informationen über Krankenheiten im Urlaubsland finden sich im Internet zahlreich, darunter beim ADAC und dem Centrum für Reisemedizin (CRM).

Mit welchen Gesundheitsrisiken Sie in Italien, Ägypten, Spanien, Frankreich, den USA und Kanada, Thailand, Österreich, Griechenland und der Türkei rechnen müssen, lesen Sie auf folgenden Seiten.

Italien und Ägypten

Für Italien besteht derzeit keine Impfpflicht bei der Einreise. Empfohlen wird aber, die Standardimpfungen gemäß des deutschen Impfkalenders zu haben. Vor allem die gegen TetanusWundstarrkrampf und Diphtherielebensgefährliche, hochansteckende Erkrankung der oberen Atemwege sollten nicht fehlen. Wer mit dem Rucksack durch das Land zieht und in einfachen Unterkünften übernachtet, sollte sich zudem gegen Hepatitis ADiese Virusinfektion der Leber ist weltweit verbreitet. Die Erkrankung beginnt mit Grippegefühl, Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. und BOft beginnt die Krankheit mit Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Nach einigen Tagen wird der Urin dunkel, der Stuhl hell, es kommt zur Gelbfärbung der Haut. Dann kann eine Zersetzung der Leber folgen. immunisieren lassen. Denn die Erkrankungen sind in Italien auf dem Vormarsch. Hepatitis-A-Viren finden sich häufig in Fisch und Meeresfrüchten, während die B-Viren über Speichel und Blut übertragen werden können. Wer nicht geimpft ist, sollte keinen rohen Fisch essen.
 

Vorsicht ist in Südtirols Landeshauptstadt Bozen geboten: Dem CRM sind derzeit 600 Fälle von MasernMasern werden durch Viren hervorgerufen. Es kommt zu rötlichem, großfleckigen Ausschlag. Weitere Symptome sind hohes Fieber, Bronchitis, Abgeschlagenheit und Lichtempfindlichkeit. bekannt. Landesweit wurden rund 1500 Erkrankungen gemeldet. Daher gilt: Impfschutz überprüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen. In Süditalien sollten Sie Vorsicht bei herumstreunenden Katzen walten lassen. Diese übertragen einen Pilz, der unbehandelt zu Haarausfall beim Menschen führt.

Ägypten ist gesundheitlich am problematischsten. Aufgrund mangelnder Hygiene gibt es für das gesamte Land eine Warnung vor Darminfektionen - einschließlich RuhrDie Einzeller können in die Darmwand eindringen und zu schmerzhaften, blutigen (himbeer-geleeartigen) Durchfällen führen. Diese können sehr lange anhalten und verursachen unbehandelt Entzündungen und Geschwüren des Dickdarms. und Typhus. Reisende sollten sich vorab dagegen impfen lassen. Bester Schutz neben einer Impfung ist es, niemals Leitungswasser zu trinken. Auch beim Zähneputzen sollten Urlauber auf Mineralwasser zurückgreifen. Das ist zwar teurer, aber gesünder für die Magen-Darm-Flora. Empfehlenswert sind zudem Impfungen gegen PolioKinderlähmung: Es kommt zu Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsstörungen, da sich das Virus zunächst im Darm vermehrt. Gelangt es in das zentrale Nervensystem, treten Lähmungen auf. , Hepatitis, MeningitisHirnhautentzündung und TollwutKommt es zur Infektion, spürt der Betroffene Schmerzen und Kribbeln im Bereich der Bissstelle. Dann folgen Krämpfe und Lähmungen, die auch zum Tod führen. , da herrenlose und herumstreunende Hunde in Ägypten an der Tagesordnung sind.

Die Einreise wird in Bezug auf GelbfieberEine Virusinfektion, die durch Stechmücken übertragen wird. Zuerst folgt Fieber, das leicht abklingt. Es kann jedoch nach einer Woche zu einer dramatischen Verschlechterung mit Gelbsucht und Blutungen kommen, gefolgt von Herz-, Kreislauf-, Leber- und Nierenversagen. interessant, das von Stechmücken übertragen wird und zu Fieber und Leberschäden führen kann: Wer direkt aus dem Flieger aus Europa aussteigt, muss seinen Impfschutz nicht offenlegen. Anders sieht es aus, wenn es zuvor Zwischenlandungen und Aufenthalte in anderen afrikanischen oder süd- sowie zentralamerikanischen LändernAngola, Äquatorialguinea, Argentinien, Äthiopien, Belize, Benin, Bolivien, Brasilien, Burkina Faso, Burundi, Costa Rica, Ecuador, Elfenbeinküste, Französisch Guayana, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Guyana, Kamerun, Kenia, Kolumbien, Demokratische Republik und Republik Kongo, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Panama, Paraguay, Peru, Ruanda, Sao Tomé & Principe, Senegal, Sierra Leone, Somalia, Sudan, Suriname, Tanzania, Togo, Trinidad & Tobago, Tschad, Uganda, Venezuela, Zentralafrikanische Republik. gab. Wer von dort einreist, muss eine Gelbfieberimpfung nachweisen. Kinder bis zum Alter von einem Jahr benötigen keinen Impfschutz.
 

Ägypten ist zudem Risikoland für Vogelgrippe. Seit deren Erstauftritt im Februar 2006 sind der Viruserkrankung landesweit mehr als 34 Millionen Tiere zum Opfer gefallen. Von den Ausbrüchen betroffen waren neun Provinzen, meist im dichter besiedelten Norden. Insgesamt wurden 150 menschliche Erkrankungen (davon 31 aus 2011) mit 52 Todesfällen bestätigt. Urlauber sollten den Kontakt zu lebendem und frisch geschlachtetem Geflügel absolut meiden.

Spanien, Frankreich, USA und Kanada, Thailand

Wie in Italien gilt in Spanien: Vorsicht vor Hepatitis A und B sowie im Raum Sevilla vor Masern, wo in diesem Jahr bereits mehr als 1000 Fälle gemeldet wurden. Auch auf der Iberischen Halbinsel kursiert der Pilz Microsporum Carnis, der von herumstreunenden Katzen übertragen wird.

In Frankreich sind Masern derzeit stark verbreitet: Landesweit wurden seit Jahresbeginn mehr als 12.600 Erkrankungen gemeldet. Die meisten Betroffenen waren nicht oder nicht ausreichend geimpft. Wer durchs Landesinnere zieht, sollte ebenso gegen Hepatitis A und B geimpft sein. Für das Elsass ist eine Immunisierung gegen FSMEEine durch Zeckenbisse übertragbare Virusinfektion, die zu einer Hirnhautentzündung führen kann. sinnvoll, da die Region die höchste Zeckendichte aufweist. Vorsicht ist beim sexuellen Kontakt mit Einheimischen angebracht: Frankreich weist im europäischen Vergleich die meisten Aids-Fälle auf. Deshalb gehört das Kondom nicht nur in die Reiseapotheke.
 

Wer in die USA oder nach Kanada reist, sollte gegen Hepatitis B und Tollwut geimpft sein. Die Vereinigten Staaten sind zwar ein malariafreies Gebiet, doch aufgrund der Nähe Floridas zu den Karibischen Staaten können Stechmücken das Dengue-Fieber übertragen. Besonders vorsichtig sollten Urlauber vor tagaktiven Stechmücken sein. Bester Schutz: leichte, helle Kleidung, die Handgelenke und Knöchel bedeckt. Bleiben Körperpartien unbedeckt, müssen diese mit einem Mückenschutzmittel eingerieben werden.

Deutlich stärker verbreitet ist das Dengue-Fieber in Thailand. Nach CRM-Angaben wurden bis Mitte Mai dieses Jahres 9418 Erkrankte und 7 Todesfälle gemeldet. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 16.110 mit 20 Todesfällen. Die meisten Erkrankungen gab es im Zentrum des Landes, gefolgt vom Süden.
 

Zudem ist Thailand Malariagebiet - jedoch mit geringem Risiko. Die Touristenzentren Bangkok und Koh Samui gelten als frei von den fiesen Stechmücken. Zum Standardschutz gehören Impfungen gegen Hepatitis B, Cholera, Tollwut und Typhus. Außerdem kann das einheimische Trinkwasser Darmerkrankungen auslösen. Hoch ist zudem das Aids-Risiko.

Österreich, Griechenland, Skandinavien und Türkei

Österreich ist von allen Lieblingsurlaubsländern der Deutschen das unbedenklichste. Ausnahme: Zecken. Genau wie im Süden Deutschlands ist das Risiko, vom Gemeinen Holzbock gestochen zu werden, am höchsten. Tipps zum Schutz vor Zeckenbissen finden Sie hier.

Wer nach Griechenland einreist, muss keine Impfbestimmungen beachten. Zum Standardschutz sollten aber die Immunisierung gegen Hepatitis A und B gehören.

Wen es in die Türkei zieht, der sollte gegen Hepatitis B, Typhus und Tollwut geimpft sein. Landesweit ist das Risiko hoch, von einem herumstreunenden Hund gebissen zu werden. Nach einer Attacke sollten Betroffene trotz Impfung zum Arzt gehen, um die Bisswunde desinfizieren zu lassen.

MalariaDie Fieber-Krankheit wird hauptsächlich in den Tropen und Subtropen durch den Stich einer weiblichen Stechmücke (Moskito) übertragen. Die Symptome der Malaria sind hohes, wiederkehrendes bis periodisches Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden des Magen-Darm-Trakts und Krämpfe. Besonders bei Kindern kann die Krankheit rasch zu Koma und Tod führen. ist in Südostanatolien am verbreitetsten, besonders in der Reisezeit zwischen Mai und Oktober. Außerdem besteht eine Warnung vor Darminfektion - insbesondere Typhus.

Für die skandinavischen Staaten Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland gelten keine Reisewarnungen. Vorsichtshalber sollten sich Urlauber gegen FSME und Hepatitis B immunisieren lassen.

ham/sis/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • loddel
  • Kommentar 2
  • 01.08.2011 10:50
Antwort auf Kommentar 1

Das war aber mutig, vor 30 Jahren nach Ex-Jugoslawien. Hut ab vor soviel Pioniergeist. Inzwischen gibts da sogar Apotheken.

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  • PIT
  • Kommentar 1
  • 29.07.2011 17:48

Wir, ein Ehepaar, haben immer alle Medikamente dabei, vorallem in Südeuropa. Vor ca. 3o Jahren hatten wir im ehm. Jugoslawien kaum Medikamente dabei und es gab keine Apotheke vor Ort, wir mussten 1 Woche unsere Durchfallerkrankung mit Schwarztee behandeln. Seitdem ist immer alles dabei und das würden wir jedem raten, der in die südlichen Länder reist.

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