Sa., 26.05.12

Horrordroge 19.07.2011 So gefährlich ist Badesalz

Legal High (Foto)
Legal high zu werden, das verspricht die Substanz «Badesalz». Die Folgen aber sind fatal. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Wahnvorstellungen, Selbstverstümmelungen, Nierenversagen: Die Auswirkungen der neuen Horrordroge «Legal High», die sich derzeit massiv ausbreitet, schockieren die Polizei. Das Hauptproblem: Die Substanzen ändern sich ständig.

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«Badesalz», «Lufterfrischer», «Kräutermischungen»: So harmlos diese sogenannten Legal-High-Drogen klingen, so fatal ist ihre Wirkung. «Sie werden als legale Alternative zu herkömmlichen illegalen Drogen angeboten. Dabei ist der Name irreführend und täuscht die Konsumenten gezielt über die Gefährlichkeit der Produkte hinweg», erklärt Marianne Falasch, Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) auf news.de-Anfrage. Allein beim Preis von bis zu 50 Euro für ein farbenfrohes Tütchen werde schnell klar, dass der pulverige Inhalt nichts mit normalem Badesalz und einer legalen Droge gemein hat.

Dem Bundeskriminalamt wurden bereits 2008 erste Fälle gemeldet. Anders als bei Kokain werden die Tüten nicht in der In-Szene vertickt. «Legal Highs werden hauptsächlich über das Internet in sogenannten Head- oder Smartshops verkauft», erklärt Falasch. Das Pulver wird dann sowohl geschnupft als auch gelutscht. Die Shops waren bisher als Anlaufstelle Nummer eins für Marihuana- und Haschischkonsumenten bekannt.

Das Problem, das das kristalline Rauschmittel so gefährlich macht: «Die chemischen Wirkstoffe werden in der Regel nicht auf der Verpackung angegeben. So weiß der Konsument nicht, was er gerade zu sich nimmt», sagt die BKA-Sprecherin. Noch schlimmer: Die Substanzen ändern sich ständig. Das heißt, dass «einem konkreten Produkt kein konkreter Wirkstoff zugeordnet werden kann», warnt Falasch.

Wie massiv sich die Droge ausbreitet, ist derzeit in den USA zu beobachten. Allein im ersten Halbjahr gingen in den Giftnotrufzentralen 3470 Anrufe im Zusammenhang mit Legal Highs ein. Mehr als zehnmal so viele wie im gleichen Zeitraum 2010, wie die New York Times erfahren hat.

Erst Kehle durchschnitten, dann erschossen

Die Wirkung stellt dabei alles in den Schatten, was Mediziner und die Polizei bis dato zu sehen bekamen. Sie sei vergleichbar mit der von Kokain, LSD und Exstacy - allerdings alles zusammen. Legal Highs sorgen vor allem für Wahnvorstellung beim Drogensüchtigen.

Was das Rauschmittel anrichtet, beschreiben die jüngsten Beispiele: Im US-Staat Indiana ist ein Mann auf einen Fahnenmast geklettert und anschließend in den Straßenverkehr gesprungen. In West Virginia hat sich eine Frau mit dem Messer aufgeschnitten. In ihrer Wahnvorstellung hatte sie das Gefühl, etwas sei unter ihrer Haut. Zudem gibt es Berichte über einen Mann, der sich im Drogenrausch selbst die Kehle durchschnitt und dann noch die Kraft fand, sich zu erschießen.

Die Psychosen, die über Monate anhalten, sind das eine - die Auswirkungen auf den Körper das andere. «Die meist jugendlichen Konsumenten mussten mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu Nierenversagen im Krankenhaus behandelt werden», heißt es aus Berichten der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans.

Der Polizei bleibt durch die ständig wechselnden Substanzen vorerst nur das Nachsehen. «Grundsätzlich wird die Entwicklung dieses relativ jungen Phänomens von der Polizei genau beobachtet. Informationen zu neuen psychoaktiv wirksamen Substanzen werden gesammelt, ausgewertet und eine Aufnahme neuer Wirkstoffe in die Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes gegenüber den politischen Ansprechpartnern empfohlen», sagt BKA-Sprecherin Falasch.

Juristische Lücken auch nach einem Verbot

Auch in den USA gestaltet sich der Kampf gegen die Horrordroge schwierig. Immer mehr Bundesstaaten verbieten zwar Legal High, aber es gibt eine juristische Lücke: Da die vermeintlichen Badesalze als «nicht für den menschlichen Verzehr» deklariert sind, fallen sie nicht unter den Analog Act - ein Gesetz, das jede Substanz, die einer verbotenen Droge «substantiell ähnlich» ist, verbietet. Die Verbote könnten auch umgangen werden: Ändern Chemiker nur ein Molekül in den illegalen Salzen, seien sie wieder legal.

som/news.de
Leserkommentare (7) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Dr. Michael Erbdorfer
  • Kommentar 7
  • 05.04.2012 23:30
 

so ein blödsinn habe ich noch nie gehört was in dem beitrag steht. ich bin chemiker und was da drinnen ist ist KUNSTDÜNER den wir sowieso in den lebensmitteln enthalten ist, das sind N verbindungen also bitte leute esst nix mehr seit doch froh, somit wird der kokain handel verhindert, das ich als grüßeres problem sehe, da benzole zum lösen enthalten sind und die mafia kein geld mehr für ihre verbrechen hat...... denkt einfach mal nach bevor ihr so einen schei.... schreibt

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  • Klimber
  • Kommentar 6
  • 20.11.2011 19:40
 

Also ich bin der Meinung, unser Staat unterstützt das alles schon länger, das sind alles Steuergelder,dass die Regierung damit verdient und womit verdient man den mehr als mit Süchtigen Menschen?! Ansonsten hätten sie schon lange ein Gesetz gegen alle Rcs rausgebracht.

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  • FrauEnte
  • Kommentar 5
  • 19.07.2011 22:13
 Antwort auf Kommentar 3

Na ja, diese Horrordrogen mit Nikotin zu vergleichen ist wohl mehr als daneben. Da könnte man dann ja auch für die Hungersnot in Afrika unsere vollgefressenen Faastfood Kinder und Jugendlichen verantwortlich machen. Ich bin selbst Nichtraucher aber für was die Raucher neuerdings so alles verantwortlich gemacht werden, spottet jeder Beschreibung. Wenn einem dann so gar nichts mehr einfällt, dann sind es die Raucher und ich bin sicher, dass in diesem Sommer der ganze Tabakqualm in Form von Regen auf Deutschland fällt; die Raucher tragen die Schuld an diesem verregnetem Sommer - wer sonst!

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  • Grünes Ungeheuer
  • Kommentar 4
  • 19.07.2011 21:28
 

Werte Frau Keller, wie kommen Sie denn auf die Zahl 100.000? Eine Erklärung währe hilfreich:

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  • Jana Keller
  • Kommentar 3
  • 19.07.2011 15:04
 

Gut dass unsere Bundesdrogenbeauftragte wieder einen neuen Nebenkriegsschauplatz hat, damit sie sich nicht um über 100.000 Tabaktote kümmern muss, die Deutschland jährlich zu beklagen hat.

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  • Ritchi
  • Kommentar 2
  • 19.07.2011 12:39
 

Na ja, manche trifft halt die darwinsche Auslese.

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  • Dear Dori
  • Kommentar 1
  • 19.07.2011 12:26
 

Warnungen sind ja schön und gut, aber muss denn durch die Berichterstattung unbedingt jeder darauf aufmerksam gemacht werden, dass man diese Droge und andere erstens legal erwerben und zweitens bequem übers Internet bestellen kann? Die Warnungen anhand von Gruselbeispielen und die Beschreibungen, dass die Droge wie Heroin, Kokain uns LSD zusammen wirkt, führt nicht unbedingt bei jedem und vor allem nicht in allen Altersklassen zur Abschreckung - das Gegenteil kann der Fall sein.

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