Sa., 26.05.12

Alzheimer-Doku 18.07.2011 Gehirnzellen am Abgrund

Alzheimer (Foto)
Die Diagnose Alzheimer ist für Betroffene ein Schock: Nach und nach sterben große Mengen von Nervenzellen ab. Bild: WDR

Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki

Wissen Sie, was Sie gestern getan haben, welcher Tag heute ist und wer Sie sind? Ja? Dann dürfen Sie sich glücklich schätzen. Etwa 1,2 Millionen Deutsche haben dieses Glück nicht. Sie leiden an Alzheimer - ihre Gehirnzellen sterben ab. Die Doku Alzheimer - Hoffnung im Kampf gegen das Vergessen klärt auf.

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Stellen Sie sich vor, Sie stehen mitten im Leben. Sie sind glücklich verheiratet, haben ein Kind und einen tollen Job. Dann schlägt das Schicksal zu, hart und unerbittlich auf besonders niederträchtige Art. Es lässt nicht mit sich verhandeln, macht keine Kompromisse - wie bei Yvonne J.. Immer häufiger vergaß sie Passwörter, wichtige Überweisungen, den Einkauf. Ihr geistiger Abbau traf die Familie völlig unvorbereitet. Yvonnes Mann und ihr Sohn waren ratlos, konnten sich ihre geistigen Ausfälle nicht erklären und brachten sie in die Klinik.

Vor einem Jahr wurde bei Yvonne Alzheimer diagnostiziert. Nach und nach sterben große Mengen der Nervenzellen ihres Gehirns ab, bis sie irgendwann nicht mehr weiß, wer sie ist - und stirbt. Besonders zynisch: Bevor sie anfängt zu vergessen, wird sie mit dem Wissen um ihre Krankheit leben müssen. Sie wird schlaflose Nächte haben. Angst und Hoffnung werden ihre ständigen Begleiter sein - vor allem, weil sie möglicherweise an einer seltenen Form von Alzheimer leidet, die erblich ist. Bestätigt dies der Gentest, wird auch ihr zwölfjähriger Sohn mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken.

So hart dieser Schicksalsschlag trifft, so entschlossen kämpft die 42-Jährige gegen die Krankheit, nicht nur für sich, auch für Millionen von Alzheimerpatienten. Yvonne J. nimmt an einer Studie teil, die nach den Ursprüngen der Krankheit sucht.

Auch Jürgen H. ist zum Opfer geworden. Er leidet an einer besonders schweren Form von Alzheimer. Als feststand, dass sich der geistige Verfall mit keinem Medikament stoppen lässt, machten ihm die Ärzte ein Angebot: Der Bäckermeister testet einen neuen Impfstoff, auf dem die Hoffnung der Forscher und Patienten ruht.

Alzheimerforschung lief in die falsche Richtung

Wie die Chancen für Alzheimerpatienten stehen und wo sich die Forschung momentan befindet, dokumentiert die zweite Folge der ARD-Filmreihe Die großen Volkskrankheiten. Sie wirft ein neues Licht auf deren Entstehung, dringt ein in eine Welt des Vergessens und Sterbens. Sehr eindringlich erzählt der Film die bewegende Geschichte zweier Menschen und ihrer Familien. Er lässt den Zuschauer mitleiden und hoffen.

Und Hoffnung gibt es tatsächlich: So erfährt der Zuschauer zwar, dass die Alzheimerforschung der großen Pharmakonzerne in den letzten Jahren in eine völlig falsche Richtung lief, aber auch, dass sich eine Kehrtwende ankündig. Das Forscherehepaar Eva und Eckhard Mandelkow haben möglicherweise den Verursacher von Alzheimer gefunden: Das Eiweiß Tau verklumpt und verstopft die Nerven in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung.

Ziel der Forscher ist es, nun einen Wirkstoff zu finden, der diese Blockaden auflöst, Alzheimer stoppt beziehungsweise heilt. Und die Chancen stehen sehr gut, diesen Lohn für 20 Jahre Forschungsarbeit einzufahren. Das Filmteam begleitet die Mandelkows bei einem Mäusetest, der zeigt, dass der geistige Verfall nicht nur gestoppt, sondern auch geheilt werden kann.

Um aber ein Medikament zu entwickeln, brauchen die Forscher die Hilfe der Pharmafirmen. Doch die wollen nur zu ihren eigenen Konditionen helfen - jene, die reichlich Profit verprechen. Mit dem Forscherehepaar ist dies nicht zu vereinbaren. Schätzungsweise können deshalb noch zehn Jahre vergehen, bis es ein wirksames Medikament geben wird. Findet sich keine Firma, die das Forscherpaar unterstützt, dauert es noch länger.

Fazit: Eine sehr informative Dokumentation, die Alzheimer zurück in das Gedächtnis der Öffentlichkeit holt.

Titel: Die großen Volkskrankheiten. Alzheimer - Hoffnung im Kampf gegen das Vergessen
Regie: Thomas Liesen und Volker Stollorz
Filmlänge: 45 Minuten
TV-Erstausstrahlung: Montag, 18. Juli 2011, 21 Uhr, ARD

som/sca/news.de
Leserkommentare (5) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Karin Hager
  • Kommentar 5
  • 07.08.2011 23:44
 

Wie lautet der Amtseid, den unsere Bundeskanzlerin leistete? Tja, Frau Merkel: Es stünde Ihnen besonders gut an, auch Ihrem Gesundheitsminister, zum Wohle des deutschen Volkes hier mal energisch auf den Tisch zu hauen und die Pharmaindustrie zu verdonnern, endlich ein wirksames Medikament zu entwickeln. Gesundheit von Millionen sollte wohl vor der Raffgier der Lobbyisten stehen. Haben Sie eine Vorstellung, was es heißt, rund um die Uhr,tagein - tagaus, mit einem an Alzheimer - Stufe 3 - erkrankten Menschen, den man einst innigst geliebt hat, in grauenvoller Umnachtung dahin siechen zu sehen?

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  • Hans Christian Berchtold
  • Kommentar 4
  • 23.07.2011 18:06
 

um seine Arbeitskraft zu erhalten. Krank werden? unerwünscht! Statt an den Volkskrankheiten zu forschen, auch für weniger Geld, das kommt angesichts der Vorkommenshäufigkeit bei Alzheimer ja eh wieder rein, nein - da werden Bedingungen geknüpft. Ich muss hier enden, weil mir speiübel wird, wenn ich weiter an dieses System denken muss, was hier herrscht.

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  • Hans Christian Berchtold
  • Kommentar 3
  • 23.07.2011 18:01
 

Ich bin entrüstet und gleichzeitig erzürnt über das deutsche Verhalten derjenigen, die uns schützen sollen/müssen. Das ist einmal der Staat, zum anderen die Pharmaindustrie. Die moralische Verhaltungsweise ist mehr als beschämend. Aber bei Geld hört auch in DEutschland alles- wirklich alles auf. Wir leben z Zt. in einer Zeit, da zählt nur das Geld. Nicht mehr der Mensch. Dieser ist nur dazu da, sein Geld, das stets weniger wird, den Industrien und dem Staat in den Rachen zu werfen.Ideal wäre, arbeiten bis in den Tod für gerade mal so viel, das er essen und trinken kann, siehe Teil 2

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  • Volker Blaschke
  • Kommentar 2
  • 18.07.2011 20:19
 

Es zeigt sich immer wieder, daß Private nicht länger fähig sind, die Probleme zu lösen. Nicht nur Energie, Bahn und Post gehören nicht in die Hände Privater, die Pharmafirmen gehören auch dazu. Sonst wird in Zukunft nurnoch Menschen geholfen, die genügend Geld haben um die Gier dieser Leute zu befriedigen.

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  • Siebenblattrose
  • Kommentar 1
  • 18.07.2011 14:23
 

Es gibt vielfältige Formen des Vergessens, u. viele sind noch völlig unerforscht. Das kann auch schon junge Menschen treffen - halt durch Vererbung. Yvonne ist kein Einzelfall! Auch in unserer Familie gibt es so eine Form.- Wünschenswert wäre es, wenn jemand mit Geld - denn es gibt noch solche Personen in unserer Republik - dieses sinnvoll dem Forscherehepaar zukommen lassen könnte. Denn das Vergessen ist eines der schlimmsten Krankheiten unserer Zivilisation!!

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