18.07.2011, 06.33 Uhr

Rüttelplatten: Mit Vibrationen gegen fiese Fettpolster

Wer sich zweimal in der Woche für zehn Minuten auf eine Vibrationsplatte stellt, soll figurtechnisch schnell zum Erfolg kommen. Knackig, kräftig und durchtrainiert - das versprechen die Händler. Experten streiten sich.

Mit Rüttelplatten zur schlanken Linie? Bild: dpa

Sie heißen Power Plate, Galileo und Fitvibe: Vibrationsplatten stehen mittlerweile in vielen Fitnessstudios und manchmal im heimischen Wohnzimmer. Das allerdings ist teuer. Ein neues Gerät für daheim kostet ab 3000 Euro aufwärts, schätzt Heinz Kleinöder vom Institut für Trainingswissenschaften und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Das Training im Sportstudio ist ebenfalls kostenintensiv. Und der Erfolg ist zumindest zweifelhaft, sagt Professor Dietmar Schmidtbleicher von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. «Liegestütz oder Kniebeugen - der Trainingseffekt ist gleich, ob mit oder ohne Power Plate», sagt der Lehrstuhlinhaber im Bereich Trainings- und Bewegungswissenschaften. Das liege daran, dass der Körper sich an den zusätzlichen Reiz des Vibrierens schnell gewöhne und ihn dann einfach ignoriere.

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Das sieht Medizinerkollege Heinz Kleinöder anders. Das Training sei effektiver, da sich beim Üben auf der Platte zwei Trainingseffekte überlagern. Zunächst arbeiteten die Muskeln wie beim klassischen Krafttraining gegen das eigene Körpergewicht. Zum anderen übertragen sich die Vibrationen der Platte auf den Körper und bringen die Muskeln dazu, sich automatisch anzuspannen. Das Training werde dadurch für die Muskeln intensiver. Deshalb müsse man nur für kürzere Zeit trainieren.

Vibrationsplatten - vom Weltraum in die Fitnessstudios

Die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelten Platten werden erst seit Anfang der 1990er Jahre im Sportbereich eingesetzt - zunächst im Profisportbereich. Später schwappte die Trendwelle in den Fitnessbereich über. Die Funktionsweise der Geräte ist unterschiedlich, erklärt Dietmar Schmidtbleicher. Die Platten arbeiten ein-, zwei- oder sogar dreidimensional - es gebe Geräte mit Wippe oder einer Metallplatte. Die Platten schwingen im hochfrequenten Bereich zwischen 30 bis 60 Hertz - die dabei entstehenden Vibrationen übertragen sich auf den Körper.

Heinz Kleinöder rät, dass untrainierte oder übergewichtige Menschen zunächst nur auf dem Brett stehen und sich durchrütteln lassen sollten. Alle anderen könnten mit normalen Übungen aus dem Stabilisationstraining auf der Platte trainieren - zum Beispiel Kniebeugen. Die Geräte haben verschiedene Stufen und können so auch zur Entspannung und Massage genutzt werden.

Das Training auf den komplexen Maschinen ist allerdings nicht ungefährlich und bedarf einer professionellen Einweisung. Diese fehle besonders häufig bei Billiganbietern mit Geräten für den Heimgebrauch, warnt Heinz Kleinöder. Er rät zum Training in einem gut ausgestatteten Studio unter professioneller Anleitung.

Ein paar allgemeine Hinweise nennt der Experte noch: Das Training sollte nicht zu lang ausgedehnt und die Vibrationen unbedingt vom Kopf ferngehalten werden. Letzteres erreicht der Trainierende, indem er locker in den Knien bleibt und nicht den kompletten Fuß, sondern nur den Vorderfuß aufsetzt. Niemals sollte der Körper komplett gestreckt werden! Das könne zu neuronalen Störungen führen.

som/sca/ham/news.de/dpa

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