Sa., 26.05.12

Schaufensterkrankheit 24.08.2011 Ladenschluss für die Gefäße

Schaufensterkrankheit (Foto)
Vor dem Schaufenster stehen bleiben. Die deutschlandweit rund 4,5 Millionen Patienten würden gerne weitergehen.  Bild: istockphoto

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Nein, die Schaufensterkrankheit hat nichts mit Frauen zu tun, die Shopping als Hobby betreiben. Dass die rund 4,5 Millionen Betroffenen trotzdem vor den Läden stehen bleiben, hat mit den Schmerzen zu tun, die von verschlossenen Gefäßen herrühren. 

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Auch wenn es neckisch klingt, hinter der Schaufensterkrankheit verbirgt sich eine nicht zu heilende Erkrankung: die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Das heißt, die Arterien sind verengt oder sogar verstopft. Der Blutfluss in die Glieder - vorwiegend sind die Beine betroffen - wird massiv gestört und verursacht höllische Schmerzen. Die Folge: Patienten müssen beispielsweise bei einem Spaziergang durch die Stadt wirklich vor jedem Schaufenster stehen bleiben, weil die Schmerzen unerträglich sind.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin teilen rund 4,5 Millionen Deutsche das Schicksal. Schätzungen zufolge wissen bis zu zwei Drittel der Betroffenen aber nichts von ihrer Krankheit. Denn: «Problematisch an dieser Erkrankung ist, dass sie langsam und symptomlos verläuft. Oft dauert es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, bis sich in der Arterie eine Ablagerung gebildet hat», erklärt Dr. Rüdiger Feik, Chefarzt am Ortenau Klinikum in Achern (Baden-Württemberg).

Risikofaktoren? Die üblichen Verdächtigen

«Kritisch wird es spätestens dann, wenn es zu den ersten belastungsabhängigen Schmerzen kommt und sich der Spaziergang schmerzbedingt nach und nach einschränkt», erklärt Feik, der jährlich rund 2000 Patienten aufgrund verengter Gefäße stationär sowie ambulant am Gefäßzentrum therapiert. Grund Nummer eins für die Gefäßverengung sei dem Experten zufolge eine Arterienverkalkung, die sogenannte Arteriosklerose. «Bei dieser kommt es zu Einlagerungen von Fett, Kalk und Teilen des Bindegewebes in den Gefäßen, wodurch der Blutkreislauf gestört wird», schildert Feik.

Ob jemand zu Arteriosklerose neigt, hat jeder selbst in der Hand. Als Risikofaktoren gelten etwa Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes. «Kalorien- und cholesterinreiche Ernährung, wenig Bewegung, Stress und Rauchen, alle diese Dinge begünstigen Gefäßerkrankungen», warnt Feik. Insbesondere Nikotin, das schon ab geringen Mengen gefäßverengend wirkt, schädigt das Gefäßsystem.

Das sind die Warnsignale

Doch wie erkennt der Patient die Arteriosklerose, bevor es zu spät ist und die Schmerzen sich dauerhaft einstellen? Die Durchblutungsstörungen äußern sich in unterschiedlichsten Symptomen, die gerade im Anfangsstadium der Krankheit schnell wieder verschwinden: Schmerzen oder Druck in der Brust sowie Atemnot. «Viele Patienten zögern deshalb den Besuch beim Haus- oder Facharzt unnötig lange hinaus», klagt Feik. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko, denn schmerzende Beine können auch das kleinere Übel sein. PAVK-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen.

Auch wenn eine Arteriosklerose nicht vollständig zu heilen ist: Patienten sind umso mehr gefordert, Risikofaktoren wie Stress, Rauchen und einseitige Ernährung abzustellen, die vor allem das gefäßschädigende LDL-Cholesterin beinhaltet. Zudem kann mit auf den Patienten zugeschnittenen Medikamenten die Krankheit verhindert oder zumindest deutlich verlangsamt werden. Ärzte wie Feik verschreiben hierfür Blutverdünner oder Tabletten gegen Störungen im Fettstoffwechsel.

Haben sich einzelne Gefäße bereits kritisch verengt oder verschlossen, greift der Gefäßspezialist zum Skalpell. Mit Hilfe eines Katheters werden die Gefäßwände gedehnt. Die Engstelle ist weg, das Blut fließt wieder einwandfrei. In schweren Fällen setzt der Spezialist eine Art «Baugerüst» ins Gefäß ein, den so genannten Stent.

Damit es gar nicht so weit kommt, empfiehlt der Chefarzt, sich ab dem 35. Lebensjahr mindestens einmal vom Arzt durchchecken zu lassen. Anhand der Blutwerte kann festgestellt werden, wie es um den Patienten bestellt ist. Aber auch bei einer körperlichen Untersuchung kann der Arzt feststellen, ob die Schaufensterkrankheit schon vorliegt. 

ham/brc/news.de
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