Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Millionen Menschen tun es täglich - sie küssen. Die Liebesbekundung ist wunderbar sinnlich, intimer als Sex und überraschend effektiv: Sie stärkt das Herz, macht glücklich und bringt das Immunsystem auf Trab. Doch Vorsicht: Küsse bergen auch gesundheitliche Risiken.
Mehr als 100.000 Küsse verteilen wir im Laufe unseres Lebens - ganze 76 Tage lang. Dabei bewegen wir 34 Gesichtsmuskeln. Durchschnittlich dauert ein Kuss etwa 12 Sekunden und verbrennt ganze 15 Kilokalorien. Bei einem leidenschaftlichen Zungenkuss wirken bis zu 15 Kilogramm Gewicht auf die Lippen.
Im Körper löst das Knutschen eine Kette positiver Effekte aus. Stoffwechsel und Nerven stehen unter Strom. Puls und Atemfrequenz erhöhen sich - das Herz schlägt schneller. Es klopft 110 mal pro Minute. Zum Vergleich: Ein Ruhepuls von 70 bis 80 Schlägen ist normal. Wir trainieren beim Küssen also nicht nur Mund und Zunge, sondern auch den wichtigsten Muskel im Körper. Das schnellere Atmen fördert zudem die Durchblutung und stärkt die Lunge.
250 verschiedene Bakterien wandern von Mund zu Mund
Das wir uns beim Küssen so wohl fühlen, liegt an den Glückshormonen wie SerotoninWichtiger Botenstoff des Körpers, der unter anderem in den Blutplättchen (Thrombozyten), in bestimmten Zellen des Magen-Darm-Traktes und in Nervenzellen produziert wird. , die der Körper während des innigen Zungenspiels ausschüttet. Sie heben die Stimmung und wirken dem Stresshormon Cortisol entgegen. Gleichzeitig sendet der Körper über das zentrale Nervensystem Signale an die Geschlechtsorgane und kurbelt so die Produktion von Sexualhormonen an.
Und auch das Immunsystem kommt nicht zu kurz. Durch einen intensiven Zungenkuss tauschen die Knutschenden Keime aus - durchschnittlich bis zu 250 verschiedene Bakterien. Das stimuliert die körpereigene Abwehrtruppe, denn der fremde Speichel wirkt wie eine Reiztherapie auf das Immunsystem, wenn auch nur leicht. Forscher vermuten: Wer viel küsst, lebt länger. Bis zu fünf Jahre soll sich die Lebenserwartung durch das leidenschaftliche Zungenspiel steigern lassen.
Gefährliche Küsse
Doch die Schmatzer bergen auch Risiken. Durch den Speichel können Schnupfen-, Husten- und Grippeviren übertragen werden. So kann man sich durchs Knutschen zum Beispiel mit einer fiesen Mandelentzündung anstecken. Auch Karies wird durchs Küssen übertragen. Verantwortlich dafür sind die Bakterien Streptococcus mutans. Damit diese allerdings ganze Arbeit an den Zähnen verrichten, müssen mehrere Faktoren hinzukommen - mangelnde Zahnhygiene und Plaque beispielsweise. Wer Herpes hat, sollte ebenso wenig ans Küssen denken. Die fiesen Blasen an der Lippe sind hochinfektiös.
Wahrscheinlich ebenfalls von Mund zu Mund übertragen wird der Keim Helicobacter pylori. Er ist an der Entstehung von Magengeschwüren und -krebs beteiligt. Übrigens: Auch Salmonellen können durch das Küssen übertragen werden. Vorsicht, also.
Für alle Gesunden gilt aber: weitermachen!
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som/beu/news.de