Sa., 26.05.12

Kassen warnen 19.06.2011 Zahnarzt wird deutlich teurer

Kassen warnen: Kronen werden 74 Euro teurer (Foto)
Krankenkassen: Die Novellierung der zahnärztlichen Gebührenordnung verteuert Kronen und Füllungen für Kassenpatienten. Bild: dpa

Wer keine Zusatzversicherung hat, muss künftig tiefer in die Tache greifen: Eine Krone soll bis zu 74 Euro mehr kosten - fordert Gesundheitsminister Bahr. Der Grund für die geplante Anhebung: Zahnärzte wollen mehr Geld.

«Das dürfen wir doch im Interesse unserer gesetzlich Versicherten nicht einfach so hinnehmen», sagte der Vizechef des Verbands der gesetzlichen Krankenkassen, Johann-Magnus von Stackelberg. Für die Zahnärzte gehen die dafür verantwortlichen Regierungspläne nicht weit genug. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles warf Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) «Klientelpolitik» zugunsten der Zahnärzte vor.

Das Bundesgesundheitsministerium will die zahnärztliche Gebührenordnung ändern. «Die Vollkrone würde künftig rund 74 Euro mehr kosten», sagt von Stackelberg. So eine Krone mache bisher in der Regel 256 Euro aus, künftig würden 330 Euro fällig. Bei einer Teleskop- oder Konuskrone drohe der Preis von bisher 276 sogar auf 513 Euro zu steigen - Mehrkosten für Patienten: 237 Euro.

«Gerade die geplante Punktzahlerhöhung für Leistungen, die von GKV-Versicherten oft nachgefragt werden, muss deutlich niedriger ausfallen», sagt Stackelberg. Diese unterschiedlichen Punktzahlen werden den einzelnen Zahnarzt-Behandlungen zugeordnet, aufwändigere Leistungen haben höhere Punktzahlen. Die Zahl der Punkte wird mit dem Punktwert multipliziert - so ergibt sich der einfache Gebührensatz. Dieser wird aber nochmals mit einem Steigerungssatz multipliziert - dadurch erhöht sich der tatsächlich fällige Preis je nach Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand.

Zahnärzte fordern noch höhere Honorare

«Der Zahnarzt kann selbst entscheiden, welchen Steigerungssatz er für einzelne Leistungen benutzt», erläuterte Stackelberg. «Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass viele das obere Spektrum ausreizen.» Deshalb kritisiert der Kassenfunktionär die Annahme der Regierung als «optimistisch knapp geschätzt», dass die Honorare durch die Reform insgesamt nur um sechs Prozent ansteigen würden. Der Verband der privaten Krankenversicherung hatte bereits kritisiert, das Honorarplus betrage mindestens 14 Prozent.

Die Bundeszahnärztekammer und die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung fordern dagegen Nachbesserungen in ihrem Sinne. So sieht der Referentenentwurf aus dem Bundesgesundheitsministerium vor, dass der Punktwert nicht angehoben werden soll. Auch bei einem sechsprozentigen Honoraranstieg kann den Zahnärzten zufolge keine Rede davon sein, dass «eine angemessene Teilhabe (...) an der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung auch nur annähernd sichergestellt wird». Es gebe sogar Behandlungen, die gar nicht besser bezahlt würden, kritisieren die Mediziner in einer Stellungnahme.

Letzte Honorarerhöhung vor 23 Jahren

SPD-Generalsekretärin Nahles kritisierte, die Neuordnung der Honorare solle den Zahnärzten ein sattes Einkommens-Plus auf Kosten der gesetzlich Versicherten bescheren. «Endlich ist klar, was die FDP unter ‹mitfühlendem Liberalismus› versteht: Daniel Bahr entdeckt sein Herz für notleidende Zahnärzte.»

Die neue Gebührenordnung soll Anfang nächsten Jahres in Kraft treten, muss aber vorher noch von Regierung und Bundesrat beschlossen werden. Die Regeln für Deutschlands rund 66.000 Zahnärzte sollen erneuert werden, weil sie an vielen Stellen nach 23 Jahren nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Geregelt wird in der Verordnung die Bezahlung der Zahnärzte durch Privatpatienten - aber auch durch Kassenpatienten bei jenen Behandlungen, die über Standardleistungen hinausgehen.

Laut AOK werden rund 60 Prozent des Zahnersatzes für gesetzlich Versicherte nach der privaten Gebührenordnung abgerechnet. Schon ein Aufschlag von sechs Prozent belaste die gesetzlich Versicherten jährlich zusätzlich mit 280 Millionen Euro. Die gesetzlichen Kassen gaben für zahnärztliche Behandlung 2009 noch insgesamt rund 11,6 Milliarden Euro aus, 2010 waren es bereits ohne Gebührenreform 11,9 Milliarden.

jag/cvd/news.de/dpa
Leserkommentare (4) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Diether Wagner
  • Kommentar 4
  • 22.06.2011 18:28
 

Wieso Preiserhöhung? Man lässt doch alles in China und in Polsen ferdigen. Wenn man mehrmals in der Woche mit Gewürznelken Sud, die Zähne spült und Putzt, haben sie keine Zahnschmerzen keine Fisteln, kein Zahnfleisch entzündet. Sud: 10 Gewürznelken in ein Trinkglas und mit heisen Wasser halb vol schütten un d solange ziehen lassen bis es braun wird und dan Mundspülungen machen. Solange wie jeer will.

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  • Helmuth
  • Kommentar 3
  • 20.06.2011 18:05
 

Da sich bald eh nur noch wenige Menschen eine Zahnbehandlung in Deutschland leisten können, sollten die Kosten um 500% angehoben werden. Ansonsten gibts zuviele Arbeitslose und "gering verdienende" Zahnklemptner die uns auf der Tasche liegen. Ansonsten kann ich die armen Kerle verstehen, der Trend geht halt stark zum "Zweit-Porsche".

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  • Bernd K
  • Kommentar 2
  • 20.06.2011 16:12
 

Die SPD redet von Klientelpolitk. Die grösste Klientelpartei Deutschlands übernimmt vorbehaltlos die Interessen von Gewerkschaften etc. und hat mit der Abwrackprämie mal eben 5 Mrd Euro an die Automobilindustrie verschenkt und wirft gleichzeitig anderen Klientielismus vor. Einfach nur lächerlich. Aber was soll man von einer Partei auch anderes erwarten, die einen geistigen Tiefflieger wie Sigmnar Gabriel zum Vorsitzenden hat.

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  • Kommentator
  • Kommentar 1
  • 19.06.2011 19:02
 

Reine Abzocke und Vater Staat spielt mit da es nur wieder die kleineren Einkommen trifft.. Sch...... Regierung

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