Die Frage nach der richtigen Verhütung ist nicht pauschal zu beantworten. Denn die Wahl richtet sich nach der individuellen Lebenssituation. Unsere Experten am Lesertelefon helfen dabei, die wichtigsten Eckpunkte abzustecken.
Die meisten Frauen wünschen sich eine fachliche und individuelle Beratung vom Frauenarzt. Im Vordergrund stehen dabei die Vor- und Nachteile der einzelnen Verhütungsmethoden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen.
Wie unterscheiden sich Hormon- und Kupferspirale in ihrer Wirkweise?
Dr. Karla Junghanns: Die empfängnisverhütende Wirkung der Hormonspirale beruht auf der lokalen Freisetzung des Gelbkörperhormons Levonorgestrel in der Gebärmutter. Es bewirkt, dass sich der Schleimpfropf im Gebärmutterhals verdickt, so dass die Spermien nicht mehr in die Gebärmutter vordringen können. Daneben kommt es zu einem verminderten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, so dass sich ein eventuell doch befruchtetes Ei gar nicht einnisten könnte. Bei der Kupferspirale hemmen die Kupferionen die Spermien in ihrer Beweglichkeit, was in der Regel eine Befruchtung verhindert. Zusätzlich wird der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut gestört, was auch hier die Einnistung einer Eizelle verhütet.
Werden die Blutungen bei der Hormonspirale stärker und schmerzhafter?
Dr. Gabor Straub: Nein, das kann bei der Kupferspirale der Fall sein - aber nicht bei der Hormonspirale. Hier werden die Blutungen schwächer und weniger schmerzhaft, fast jede Frau ist nach etwa einem halben Jahr sogar blutungsfrei.
Ich habe gelesen, dass Migränepatientinnen nicht die Pille nehmen sollten. Stimmt das?
Straub: Eine Migräne mit Aura zählt neben Rauchen, starkem Übergewicht und Gefäßschäden zu den medizinischen Gründen, die gegen die Einnahme der Pille sprechen. Denn wir wissen, dass sich bei diesen Frauen das Thrombose-Risiko durch die Pille erhöht. Sie sollten das Thema auf jeden Fall mit Ihrem Frauenarzt besprechen, er wird Ihnen eine geeignete Verhütungsmethode nennen. Bei Frauen, die an einer zyklischen Migräne ohne Aura leiden, kommen östrogenfreie Pillen in Frage, die über 28 Tage eingenommen werden. Durch die fehlende Pillenpause wird die Migräne nicht getriggert und verschwindet in der Regel.
Kann ich meiner 17-jährigen Tochter guten Gewissens zur Pille raten?
Junghanns: Wenn bei Ihrer Tochter keine Risikofaktoren vorliegen, kann die Pille eine sehr sichere und geeignete Verhütungsmethode sein. Zwei Aspekte sind allerdings wichtig: Ihre Tochter sollte die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt wahrnehmen und sich mit Kondomen vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. In diesem Zusammenhang weise ich auch immer darauf hin, dass junge Mädchen sich vor dem ersten Geschlechtsverkehr gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen sollten.
Für wen eignen sich natürliche Methoden zur Empfängnisverhütung?
Junghanns: Natürliche Methoden zur Empfängnisverhütung kommen vor allem für Paare in Frage, die nicht mehr allzu lange mit dem Nachwuchs warten wollen. Frauen, die sich dafür entscheiden, sollten einen regelmäßigen Zyklus und Lebensrhythmus und Interesse an einer intensiven Wahrnehmung des eigenen Körpergeschehens haben. Der Einsatz eines Verhütungscomputers, ist dabei sicherer als das alleinige Messen der Temperatur. Wichtig zu wissen ist auch: Während eines relativ großen Teils des Zyklus müssen Sie Barrieremethoden anwenden oder aber enthaltsam sein.
Ich habe gehört, dass bei der Pille der Trend zur Langzyklusanwendung geht. Was genau ist damit gemeint?
Dr. Thomas Schrix: Bislang war es üblich, eine Einphasenpille 21 Tage lang einzunehmen und danach eine siebentägige Pause einzulegen, während der eine Hormonentzugsblutung eintritt. Seit einigen Jahren setzt sich ein anderes Einnahmeschema immer mehr durch: Beim Langzyklus wird auf die Einnahmepause verzichtet, es kommt zu keinem Hormonabfall und die Blutung bleibt aus. Die Einnahmedauer können Frauen in Absprache mit ihrem Frauenarzt individuell festlegen. Der Langzyklus eignet sich insbesondere für Frauen, die während ihrer Blutung unter starken Beschwerden leiden.
Ich bin Mitte 30 und nehme seit Jahren die Pille – welche Alternativen gibt es?
Straub: Wenn Sie weiter hormonell verhüten wollen, können Sie eine andere Darreichungsform wählen. So können die Hormone beispielweise auch über ein Pflaster oder einen Ring in der Scheide abgegeben werden. Der Vorteil: Sie werden nicht über die Leber verstoffwechselt und können daher niedriger dosiert werden. Außerdem kommt es nicht zum Wirkverlust bei Durchfallerkrankungen und Frauen im Schichtdienst haben keine Probleme wegen einer unregelmäßigen Einnahme. Sie können auch darüber nachdenken, sich eine der beiden Spiralen legen zu lassen. Damit haben Sie eine sehr sichere und verträgliche Verhütung über einen langen Zeitraum.
Muss ich auch während der Stillzeit verhüten – und wenn ja, wie?
Straub: Bei stillenden Frauen hemmt das Hormon Prolaktin zwar die Eierstockaktivität, eine Empfängnis wird jedoch nicht zuverlässig verhütet – insbesondere wenn das Intervall zwischen zwei Stillmahlzeiten etwas länger ist oder Sie zufüttern. Sie sollten daher auch in dieser Phase verhüten. Wichtig ist die Wahl einer Methode, die sich nicht nachteilig auf den Säugling auswirkt. Barrieremethoden wie Kondome kommen jetzt in Frage oder eine reine Gestagenpille – Pillen mit Östrogenen sind dagegen tabu, da dieses Hormon in die Muttermilch übergeht. Sehr gut geeignet sind auch die beiden Spiralen, die eingesetzt werden können, sobald sich die Gebärmutter vollständig zurückgebildet hat – das ist etwa drei bis sechs Monate nach der Geburt der Fall.
Ich bin 42 und leide seit einiger Zeit an verstärkten Blutungen mit starken Schmerzen. Kann das schon der Beginn der Wechseljahre sein – und kann man dagegen etwas tun?
Schrix: Viele Frauen, die in die Wechseljahre kommen, leiden unter verstärkten Blutungen. Eine neue Untersuchung hat ergeben, dass sich sowohl die Blutungen als auch die Schmerzen mit Einsetzen der Hormonspirale bei den betroffenen Frauen deutlich besserten. Sie kann sogar eine Alternative zur Gebärmutterentfernung sein – ein Schritt zu dem vielen Frauen mit starken Beschwerden geraten wird, wenn Behandlungsversuche mit der Pille oder weiteren Methoden nicht erfolgreich waren. Sie sollten auf jeden Fall Ihren Frauenarzt aufsuchen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.
Ich bin 54 Jahre alt und habe immer noch einen regelmäßigen Zyklus. Muss ich noch verhüten – und wenn ja, wie?
Junghanns: Solange Sie einen regelmäßigen Zyklus haben, würde ich Ihnen raten, zu verhüten. Sie sollten allerdings eine hormonfreie Methode wählen: Kondome kommen hier in Frage oder Sie lassen sich für einige Jahre die Kupferspirale legen.
Weiterführender Link:
Eine Checkliste, die bei der richtigen Wahl der Verhütungsmethode helfen soll, sowie eine detaillierte Beschreibung der Lebensphasen gibt es unter www.familienplanung.de.
Die Experten am Telefon: Dr. Karla Junghanns, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Düsseldorf; Dr. Thomas Schrix, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Neukirchen-Vluyn; Dr. Gábor Straub, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Köln.
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