Sa., 26.05.12

Organspende 09.06.2011 Eine Unterschrift fürs Leben

Organspendeausweis (Foto)
Wer in Deutschland ein Spenderorgan benötigt, befindet sich in einer dramatischen Situation. Im Durchschnitt muss sechs Jahre auf das Organ gewartet werden. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Die Zahl der Organspenden ist im ersten Quartal 2011 dramatisch gesunken. Während die Politik über eine Gesetzesänderung diskutiert, gehen die Apotheker in die Offensive. Und starten heute die bisher größte Aufklärungskampagne.

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Es ist ein Auf und Ab: Während 2010 die Zahl der Organspenden in Deutschland mit 4326 Transplantationen so hoch wie noch nie war, macht sich in der ersten Hälfte des Jahres wieder Ernüchterung breit. Denn die Spendebereitschaft ist extrem gesunken.

Bestes Beispiel dafür ist Hessen: Konnten die Patienten auf der Warteliste im Jahr 2010 noch Hoffnung schöpfen, da in dem Bundesland mit 15,7 Spendern pro eine Million Einwohner so viele Organspender wie noch nie gezählt wurden, so ist die Spenderzahl im ersten Quartal 2011 um beinahe 20 Prozent zurückgegangen. «Dieser Trend ist auch bundesweit auszumachen», wie die Deutsche Stiftung für Organspende (DSO) auf ihrer Internetseite hinweist.

Tag der Organspende
Wir brauchen mehr Spanien
Video: Unitec

Das sind schlechte Nachrichten für alle Patienten, die dringend auf ein lebensrettendes Organ angewiesen sind. Schon jetzt stehen 12.000 Deutsche auf der Transplantationsliste - allein 8000 davon warten auf eine neue Niere. Im Durchschnitt stirbt alle acht Stunden ein Patient. Die durchschnittliche Wartezeit auf ein Organ beträgt sechs Jahre. Im vergangenen Jahr wurden 1296 Menschen nach dem Tod Organe zur Spende entnommen. Bis zu sechs Patienten kann ein Spender ein neues Leben schenken, wie die DSO mitteilt. Gespendet werden können das Herz, die Leber, der Dünndarm, die Bauchspeicheldrüse, die Nieren und die Lunge.

Gut informiert sieht anders aus

Die Spendenbereitschaft in Deutschland ist durchaus vorhanden, doch es herrscht große Verunsicherung und immer noch Aufklärungsbedarf. Einer Umfrage im Auftrag der DSO zufolge sind zwei Drittel aller Bundesbürger bereit, nach dem Tod die eigenen Organe zu spenden, doch nur jeder Vierte dokumentiert seinen Willen in einem Organspendeausweis. Das Problem: Mehr als die Hälfte aller Befragten fühlt sich zu wenig aufgeklärt. Unter anderem verwundert es viele, dass man explizit auf dem Organspendeausweis vermerken kann, dass man nach dem Tod keine Organe spenden will.

Um dem entgegenzuwirken, startet heute die bisher größte Aufklärungskampagne für Organspende, die es in Deutschland je gab: Am Tag der Apotheke beginnen 10.000 Pharmazeuten damit, mehr als sieben Millionen Organspendeausweise und weiteres Informationsmaterial im Rahmen der Kampagne «In jedem steckt ein Lebensretter» an ihre Patienten und Kunden weiterzugeben. Jede Apotheke hat dafür ein Startpaket mit 500 Organspendeausweisen erhalten.

Sind sie vergriffen, kann auf der Homepage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) weiteres Material ausgedruckt werden. «Jeder von uns kann ein Lebensretter sein. Wir werden dafür sorgen, dass Informationen zur Organspende und Ausweise flächendeckend in ganz Deutschland bei den Menschen ankommen», verkündet ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf. Zur Kampagne gehören außerdem umfangreiche Plakate und Anzeigen in ganz Deutschland und in diversen Zeitschriften.

Angehörige werden überfordert

Die Verantwortlichen erhoffen sich wichtige Impulse, der geringen Zahl an Transplantationen entgegenzuwirken. «Trotz einer intensiven Aufklärungsarbeit ändert sich hieran seit Jahren nichts wesentlich», wird Hessens Sozialminister Stefan Grüttner anlässlich des Tages der Organspende auf der DSO-Homepage zitiert. Die derzeitige Lage bedeute, dass bei 75 Prozent der Verstorbenen, die als Organspender infrage kommen, die Angehörigen entscheiden müssen, ob transplantiert werde oder nicht. «Man kann von den Angehörigen nicht verlangen, dass sie gleichzeitig die Todesnachricht verarbeiten und eine Entscheidung zur Organspende im Sinne des Verstorbenen treffen», erklärt Grüttner. Denn dies führt in den meisten Fällen dazu, dass die Angehörigen eine Organspende ablehnen.

Der Sozialminister geht noch weiter und reiht sich ein in die Liste der Politiker, die eine Gesetzesänderung fordern: «Wir müssen zu einer erweiterten Widerspruchslösung kommen.» Mit dieser käme grundsätzlich jeder am Hirntod Verstorbene als Organspender in Betracht - es sei denn, einer Organentnahme wurde ausdrücklich durch die jeweilige Person oder deren Angehörige widersprochen. «Diese Maßnahme würde den zahlreichen betroffenen Patienten auf der Warteliste neue Hoffnung geben», so Grüttner. Deutschland würde sich mit der Gesetzesänderung an Staaten wie Frankreich, Belgien, Luxemburg, Österreich, Norwegen, Schweden, Italien und Spanien angleichen.

som/sgo/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • hector
  • Kommentar 1
  • 12.06.2011 22:29
 

Organspende wäre sicher eine sinnvolle Angelegenheit, aber von Toten wollen die gar keine Organe, sondern nur von Lebenden. Bei der Organentnahme muss Herz und Puls noch noch schlagen. Das schreckte mich ziemlich ab, als ich die Hinweise beim Organspendeausweis las. Die haben wirklich kein Interesse an den Organen von Verstorbenen, selbst wenn diese noch jung waren. Nur von Lebenden, die z.B. einen Unfall hatten, werden die Organe herausgeschnitten und danach wird die Maschine erst abgestellt. Ich meine die Maschine sollte mindestens einige Stunden vor der Organentnahme abgestellt werden. Erst wenn so der Tod festgestellt wird, sollte eine Entnahme möglich sein.

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