Genom entziffert EHEC befällt Europa

 EHEC Kontrolle  (Foto)
Eine Fachärztin untersucht im Landesuntersuchungsamt in Koblenz ein Fertignährboden auf EHEC-Erreger. Bild: dapd

Die Zahl der EHEC-Infizierten steigt weiter. Neben Schweden und Deutschland gibt es nun auch Fälle in Großbritanien. Fast alle Infizierten hätten kürzlich Deutschland besucht, teilten die Behörden mit. Indes haben Forscher das Genom des Erregers entziffert.

Die britische Gesundheitsbehörde bestätigte sieben EHEC-Infektionen. Sie betonten jedoch, es gebe keine Hinweise, dass die Menschen sich in Großbritannien angesteckt hätten. Die Lebensmittelbehörde teilte mit, es seien keine kontaminierten Lebensmittel importiert worden.

Die Zahl der EHEC-Fälle steigt in Deutschland derweil rapide. Bundesweit starben 17 Menschen. Sollte sich der Todesfall einer 55-Jährigen aus Baden-Württemberg am Mittwochabend als Folge einer EHEC-Infektion erweisen, wäre sie das 18. Opfer des Darmkeims. Sie wurde in der Uniklinik Heidelberg wegen des Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS) behandelt. Politiker bezeichneten die Situation als besorgniserregend.

EHEC
Erreger ist auf dem Vormarsch
Forscher wollen EHEC-Erregerstamm bis Ende der Woche entschluesseln (Foto) Zur Fotostrecke

«Bei uns ist die Lage nach wie vor angespannt», sagte Professor Jörg Debatin, Vorstandschef des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), rund drei Wochen nach dem Auftreten der ersten EHEC-Fälle. Zur Zeit würden in der Klinik 102 Patienten mit HUS behandelt. In Deutschland liegt die Zahl der gemeldeten EHEC-Infektionen und Verdachtsfälle derzeit bei rund 2000. An HUS sind fast 500 Personen erkrankt.

Dem Erreger dicht auf der Spur

Wissenschaftler aus Hamburg und China haben die Erbsubstanz des  EHEC-Bakteriums gelesen. Mit dem Abschluss dieser Arbeit sei ein weiterer Schritt zur Identifikation des aggressiven Darmkeims gelungen. «Es handelt sich um einen besonderen Typ eines EHEC-Erregers», sagte Bakteriologe Holger Rohde vom UKE.

Die Forscher hätten in dem Erbgut des Keims Anteile zweier ganz unterschiedlicher Bakterienstämmen gefunden. «Dieser Stamm ist nur ein ganz entfernter Verwandter der üblichen EHEC-Bakterien», ergänzte Rohde. In dem untersuchten Genom seien Teile des klassischen Erregers sowie von einem weiter entfernten Erreger gefunden worden.

Diese genetische Neukombination begünstige zum Beispiel das Anheften der Bakterien an die Darmzellen. Damit bleiben die Keime länger im Darm - und können dort auch länger Schaden anrichten. Der Keim weise zudem ein ganz besonderes Resistenzprofil auf. Die Arbeit gelang gemeinsam mit Kollegen des chinesischen Beijing Genomic Institute.

Auch am federführenden HUS-Labor in Münster wird weiter mit Hochdruck daran gearbeitet, das Erbgut des Erregers zu sequenzieren und zu deuten. Mit Ergebnissen sei in Kürze zu rechnen, sagte ein Sprecher. Bereits zu Beginn der Woche hatten die Experten darauf hingewiesen, dass es sich bei dem in Deutschland grassierenden Stamm um ein Hybrid handelt. Dieser vereint Eigenschaften mehrerer Erreger in sich.

Bakterien können untereinander genetisches Material austauschen - über eine Art primitiven Sex. Damit gehen Eigenschaften eines Keimes auf andere über - es kommt zu Mischformen. Diese wurden in Münster auch als Chimären bezeichnet.

Unterdessen hat Spanien seine Forderung nach Schadenersatz für die Millionenverluste bekräftigt, die seinen Landwirten infolge der EHEC-Krise entstanden sind. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero übte zudem scharfe Kritik am Krisenmanagement der deutschen Behörden und der Europäischen Union. Spanien werde die Forderungen bei den zuständigen Gerichten geltend machen.

Als «unverhältnismäßig» kritisierte die EU-Kommission das russische Einfuhrverbot für Gemüse aus der EU. Russland hatte wegen des Darmkeims EHEC das Importverbot für frisches Gemüse auf alle 27 EU-Länder ausgeweitet.

Antikörpertherapie soll Erkrankten helfen

Zur Zeit wird eine schwer an EHEC erkrankte Schwangere im Klinikum Fulda mit Antikörpern behandelt. Die Behandlung wurde am späten Mittwochabend durchgeführt, wie der Infektiologe Daniel Jaspersen sagte. Beim neurologischen Befund seien leichte Verbesserungen festzustellen.

Bei der im fünften Monat befindlichen Frau war den Angaben zufolge am vergangenen Samstag das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) aufgetreten. Es sei zu neurologischen Störungen und einem epileptischen Anfall gekommen.

Die Patientin werde auf einer Intensivstation behandelt, sagte Jaspers. Sie werde wegen Nierenversagens dialysiert. Zudem werde die Antikörpertherapie in den kommenden Tagen wiederholt. Jaspers sagte, dass bei der Behandlung das Wohl der Mutter im Vordergrund stehe.

Die Antikörperbehandlung ist zwar für EHEC nicht zugelassen, hat aber dem Mediziner zufolge bei zwei Kindern schon Erfolge gezeigt. Die Frau und ihr Mann hätten der Behandlung zugestimmt. Auch in Hamburg würden Patienten so behandelt. Bei einer Schwangeren gebe es allerdings noch keine Erfahrungswerte.

Die Frau kam den Angaben zufolge Mitte Mai mit blutigem Durchfall in die Klinik. Am Mittwoch zeigte sie neurologische Störungen. Sie habe sich aller Wahrscheinlichkeit nach in Hamburg infiziert, hieß es.

rzf/cvd/zij/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • ANDREA
  • Kommentar 6
  • 02.06.2011 19:42

IN ANDALUSIEN BEHAUPTEN BOESE ZUNGEN DIE ZIEGEN WAEREN SCHON LANGE KRANK, HAB ICH SELBST GELESEN, DER KOT DER ZIEGEN LANDET ABER AN DEM GEMUESE UND DER KAESE ECT...... LG AUS ANDALUSIEN

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  • Schiffe und Hafen
  • Kommentar 5
  • 02.06.2011 19:24

Die Schiffe und den Hafen kontrollieren und VOR ALLEM DIE MITARBEITER!! Womöglich handlt es sich hier sogar um einen Terroranschlag. Bakterien sind auch eine Waffe!!! A B C - Waffen sind schließlich Jedem ein Begriff.

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  • hector
  • Kommentar 4
  • 02.06.2011 19:03

Wenn ich in Supermärkten einkaufe, sträuben sich mir oft die Haare zu Berge, wenn ich sehe wie manche Leute unverpacktes Gemüse (Gurke, Tomate, Paprika etc.) einfach unverpackt in den Einkaufswagen legen, dann auf meist sehr verkeimte Förderbänder legen. Wenn ich Gemüse nehme, dann immer in eine Tüte, alles separat. Alles Gemüse sorgfältig waschen, Gurken kann man auch schälen, anderes kochen. Ich achte schon immer sehr auf die Hygiene bei Gemüse, besonders wenn es roh verzehrt wird. Dass gefährliche Dinge schon ab Anbau darauf sind vermute ich weniger, als dass sie später bei Fracht, Lagerung und eben Handel bis Einkauf darauf kommen.

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