Sa., 26.05.12

EHEC 30.05.2011 Auf der Spur des tödlichen Erregers

EHEC-Gurke (Foto)
Woher kommt nur der gefährliche EHEC-Keim? Eine erste Spur führt zu spanischen Gurken. Bild: dpa

Von Basil Wagner

Woher nur? Wissenschaftler suchen fieberhaft nach der Ursache der EHEC-Welle. Zehn Menschen sind bereits gestorben, 18 liegen auf der Intensivstation. Und das Schlimmste soll noch vor uns liegen. Heute beraten Bund und Länder, was zu tun ist.

Von einer Kontrolle der EHEC-Infektionswelle kann bisher keine Rede sein. Täglich mehr Kranke und langsam, aber kontinuierlich steigende Totenzahlen lassen Ängste wachsen. Zehn Menschen sind durch den Erreger gestorben, 1200 infiziert oder unter Verdacht. Von den rund 80 Schwerkranken am Hamburger Uniklinikum Eppendorf haben etwa 30 keine Nierenfunktion mehr, vier Kinder und 14 Erwachsene liegen auf der Intensivstation. Der Ernstfall ist da - und es zeigt sich, wie schwer es ist, EHEC unter Kontrolle zu halten.

Bislang konzentriert sich das Virus auf Norddeutschland. Wer eine schwere Infektion überlebt, müsse auch mit bleibenden neurologischen Störungen und Nierenschäden rechnen, sagte Professor Jörg Debatin, Chef des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf.

Anders als bei vielen anderen Erregern reichen wenige EHEC-Keime für eine Infektion. Doch woher die Erreger jetzt zu ihren Opfern kommen, ist weiter unklar. «Die Quelle des Ausbruchs ist noch nicht gesichert», stellt die EU-Seuchenkontrollbehörde ECDC fest. Mit Blick auf die EU insgesamt schreiben die obersten Seuchenwächter: «Das genaue Ausmaß des Ausbruchs wird wahrscheinlich in den kommenden Wochen deutlich.»

Unter Verdacht: Spanien - doch dort gibt es noch keinen EHEC-Fall

Die Mosaiksteine wollen sich nicht zu einem erhellenden Bild zusammenfügen. Nach den in Hamburg gefundenen kontaminierten Gurken könnten auch drei in Mecklenburg-Vorpommern sichergestellte Gurken EHEC an sich haben - bewiesen ist das aber noch nicht. Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) betont, die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse hätten Bestand. Gurken aus einer EHEC-verseuchten Charge kamen jetzt auch in Tschechien in den Handel. Dort wurden sie aber - wie auch in Österreich - bereits wieder aus dem Handel genommen. Auch Tomaten und Auberginen wurden zurückgerufen.

EU-Sprecher Frederic Vincent sagte, dass der Betrieb zweier als Ursprungsort der betroffenen Gurken ausfindig gemachter Gewächshäuser in Spanien eingestellt worden sei. Das Wasser und die Erde würden nun analysiert, um herauszufinden, ob die Kontamination dort oder woanders erfolgte. Die Ergebnisse der Untersuchung würden für Dienstag oder Mittwoch erwartet, sagte er. 

Die spanische Regierung teilte mit, dass zwei Gurkenproduzenten aus dem Süden Andalusiens untersucht würden. Gesundheitsministerin Leire Pajín sagte am Freitag, die Regionalregierung Andalusiens habe in Zusammenarbeit mit den nationalen, den deutschen und den EU-Behörden strenge Maßnahmen ergriffen, die das Verbrauchervertrauen wiederherstellen sollen. «Wir müssen ganz klar machen, dass es in Spanien noch keine einzige Person gibt, die bislang mit dem Erreger infiziert wurde», sagte sie.

EHEC sollte nicht zu Fehlernährung führen

Die Bundesbürger reagieren auf den EHEC-Ausbruch. 58 Prozent verzichten laut einer Umfrage im Auftrag von Bild am Sonntag auf rohe Tomaten, Gurken und Salat. Eine andere Umfrage im Auftrag des Kölner Stadt-Anzeigers kommt hingegen zu dem Ergebnis, 58 Prozent hätten nichts an ihrer Ernährung umgestellt. Die meisten meinen, sie kämen mit dem Erreger nicht in Berührung.

Statistisch gesehen dürfte das stimmen. Der Göttinger Ernährungspsychologe Thomas Ellrott mahnt: «Das größte Risiko beziehungsweise der größte Schutz für die Gesundheit ist das persönliche Ernährungsverhalten, also die durchschnittliche eigene Auswahl über längere Zeiträume.» Viel Fett und Kohlenhydrate und wenig Rohkost - dazu sollte EHEC dauerhaft auf keinen Fall führen.

Heute ist am Sitz des RKI erstmal ein Spitzentreffen mit Aigner, Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), Ländern und Behörden angesetzt. Krisentreffen? Nein, heißt es in der Bundesregierung. «Die beiden Minister lassen sich informieren.»

beu/cvd/news.de/dpa/dapd
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