Sa., 26.05.12

EHEC 28.05.2011 Seuche fordert immer mehr Todesopfer

Ehec-Virus (Foto)
Eine Laborantin sucht in einer Probe nach dem Ehec-Virus. Bild: dapd

Von André Klohn und Patricia Czarkowski

Mittlerweile hat der Darmerreger zehn Menschen getötet, mehr als 500 sind infiziert. Und die Spurensuche geht weiter: Woher kommt der gefährliche Keim? Mehr als die Hälfte der Deutschen verzichtet zurzeit auf Gemüse. Die Verunsicherung ist groß.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem gefährlichen Darmerreger EHEC hat sich in Deutschland auf zehn erhöht. Vier weitere Menschen erlagen im Norden der Infektion. Die Lage einer an der schweren Form erkrankten Frau in Rheinland-Pfalz hingegen stabilisierte sich. Aus Angst vor dem Erreger meidet unterdessen die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge Gemüse wie ungekochte Tomaten, rohe Gurken und Salat.

Unterdessen setzen die Ärzte auf ein neues Medikament. Schwerstkranke mit Störungen des zentralen Nervensystems erhalten einen Antikörper. «Erst in einigen Wochen werden wir wissen, wie erfolgreich diese Therapie sein wird», sagte der ärztliche Leiter, Rolf Stahl. Das Medikament soll neurologischen Veränderungen und Nierenschäden entgegenwirken. Der Antikörper war zuvor in einer Studie bereits erfolgreich bei drei Kleinkindern zum Einsatz gekommen.

Landwirte sollen Gemüse mit Abwasser gesprengt haben

Mögliche neue Erkenntnisse zum Erreger hat nach einem Medienbericht eine Spanierin geliefert, die als Feldarbeiterin in der Nähe der südspanischen Stadt Murcia gearbeitet hatte. Wie der Focus berichtete, war die Frau gerade in der Schweiz, als sie Durchfall bekam. Als brisant werteten die Beamten, was die Spanierin über die Anbaumethoden ihrer Arbeitgeber berichtete: Sie habe zwei Firmen genannt, die Abwässer für die Bewässerung ihrer Plantagen benutzt hätten.

Die Firmen exportierten Obst, Tomaten, Gurken und Auberginen. Experten halten dem Bericht zufolge diesen Verseuchungsweg für plausibel. «In trockenen Zeiten greifen Landwirte manchmal auf eigene Wasserreservoirs zurück, die kontaminiert sein können», sagte der Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin in Aachen, Wolfgang Dott.

Aus Angst vor EHEC achtet die Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge derzeit besonders auf ihre Gemüseauswahl. 58 Prozent der Deutschen folgen dem Rat des Robert-Koch-Instituts (RKI) und verzichten auf den Verzehr von rohen Gurken, ungekochten Tomaten und Salat, wie eine Emnid-Umfrage ergab. 41 Prozent folgen dem Expertenrat nicht.

Die Zahl der Infektionen steigt immer weiter

Besonders vorsichtig sind Senioren. Während in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen nur 44 Prozent angaben, derzeit kein rohes Gemüse mehr zu essen, verzichten 71 Prozent der befragten Senioren ab 60 Jahren darauf. Nur 27 Prozent wollen trotz des Erregers auch weiterhin rohes Gemüse essen, wie aus der Befragung der 500 Menschen ab 14 Jahre hervorgeht.

Unterdessen steigt die Zahl der an einer schweren Darminfektion erkrankten Menschen im Norden der Republik immer weiter an. Allein in Schleswig-Holstein gab es bis Freitagabend 73 bestätigte HUS-Fälle, wie ein Sprecher des Kieler Gesundheitsministeriums sagte. In Niedersachsen leiden mittlerweile 42 Menschen daran. In Hamburg wurden alleine 467 Erkrankungen beziehungsweise Verdachtsfälle registriert.

beu/cvd/news.de/dapd
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