Landwirtschaft nach EHEC Was für eine Gülle

Landwirtschaft (Foto)
News.de-Redakteur Andreas Schloder Bild: news.de

Von news.de-Redakteur
Was muss das für ein Gefühl für Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sein: Mit den EHEC-Keimen auf spanischem Gemüse einmal ein Lebensmittelskandal, der nicht von seinen Bauern ausgeht. Bei der weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft ist das aber nur noch eine Frage der Zeit.

Was musste der oberste Chef aller deutschen Landwirte schon alles aushalten. Sei es der Dioxinskandal, in dem das Futtermittel für Hühner mit Resten von Biodiesel verseucht war. Oder als vergammeltes Fleisch noch weiter verkauft wurde und als Hackfleisch an den Endverbraucher ging.

Doch jetzt hat sich der Spieß umgedreht. Sonnleitner sitzt nicht mehr auf der Anklagebank, er wird zum Kläger. Der Bauernpräsident will angesichts der mit EHEC verseuchten Gurken aus Spanien schärfere Regeln für Importgemüse. «Bei uns herrschen sehr strenge Regeln und über die gesamte Kette wird kontrolliert, was wir akzeptieren und für richtig halten. Importe werden leider wesentlich lascher geprüft», wird der Bayer zitiert. Wie gut die Kontrollen im eigenen Land bisher in einigen Landwirtschaftsbereichen waren, davon konnte man sich im Dioxinskandal eindrucksvoll überzeugen.

Lebensmittelskandale
Der arme Verbraucher
EHEC-Erreger auf Salatgurken aus Spanien  (Foto) Zur Fotostrecke

Aber Sonnleitner wäre nicht Sonnleitner, wenn er nicht noch einen draufsetzt: Die Leidtragenden sind die einheimischen Bauern, meint der Chef. Weil es eine generelle Zurückhaltung der Verbraucher gebe. Ist das verwunderlich? Kennen Sie irgendjemanden im Bekanntenkreis, der nach der stetig zunehmenden Ausbreitung des Erregers über ganz Europa kein flaues Gefühl hat, Gemüse zu verputzen?

Mit seiner Forderung nach verschärften Kontrollen von Importware hat der Bauernpräsident natürlich recht: Doch das eigene System als gegenwärtigen Maßstab zu nehmen, ist mehr als problematisch. Die Checks müssen noch schärfer werden. Das kostet zwar etliche Milliarden mehr. Doch gibt es eine Alternative, um dem Verbraucher zu gewährleisten, sicher und ohne Gefahr für Lebensmittel zu konsumieren? Nein. Hier müssen bei missachteten Vorschriften im Falle eines weiteren Skandals so drastische Strafen verhängt werden, dass es nur noch so kracht.

Doch auch der Verbraucher muss endlich umdenken. Wenn die Deutschen wie kein zweites Volk in Europa so wenig Geld für qualitative Lebensmittel ausgeben, ist die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft nicht mehr aufzuhalten – und damit der nächste Lebensmittelskandal vorprogrammiert.

kas/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig