Masern, Röteln, Polio - Kinderkrankheiten können für Erwachsene ohne Impfschutz tückisch sein. Experten beantworteten in der news.de-Telefonaktion die brennendsten Fragen rund um das Thema Impfung.
Vielen Erwachsenen fehlen Impfungen. In manchen Fällen wurden wichtige Impfungen in der Kindheit versäumt oder die Auffrischung des Impfschutzes über Jahre vernachlässigt. Doch Tetanus, Keuchhusten oder Masern können Menschen jeden Alters treffen. Worauf es beim Thema Impfschutz für Erwachsene ankommt, wussten die Experten an unserem Lesertelefon. An dieser Stelle die häufigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:
Welche Impfungen sollten im Erwachsenenalter regelmäßig aufgefrischt werden?
Dr. Alexander Lorscheidt: Die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie sollten alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt, bei der nächsten fälligen Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie auch einmalig gegen Keuchhusten zu impfen und den Impfschutz gegen Polio prüfen zu lassen. Eine Polio-Impfung sollte erfolgen, wenn der Impfschutz nicht vollständig ist. Liegt die letzte Impfung länger als zehn Jahre zurück, sollte sie auch vor Reisen in Gebiete mit Infektionsgefahr aufgefrischt werden. Die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio können mit einem Kombinationsimpfstoff mit nur einer Spritze verabreicht werden.
Ich habe meinen Impfpass verloren und weiß nicht, wie es um meinen Impfschutz steht.
Dr. Michael Albrecht: Ihr Hausarzt kann Ihnen einen neuen Impfausweis ausstellen und anhand der Patientenakte erfolgte Impfungen nachvollziehen und eintragen. Liegen diese Informationen nur teilweise oder nicht vor, können fehlende Impfungen nachgeholt oder ergänzt werden.
Ich hatte als Kind Keuchhusten, bin ich jetzt mein Leben lang immun?
Dr. Ralph Köllges: Nein, auch nach einer durchgemachten Keuchhusten-Erkrankung besteht keine lebenslange Immunität. Liegt die Erkrankung einige Jahre zurück, können Sie erneut erkranken. Alle Erwachsene sollten bei der nächsten fälligen Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie deshalb auch gegen Keuchhusten geimpft werden - auch wenn sie die Krankheit als Kind bereits durchgemacht haben.
Ist Keuchhusten für Erwachsene denn so gefährlich?
Dr. Alexander Lorscheidt: Keuchhusten ist auch im Erwachsenenalter eine ernste Erkrankung. Betroffene Erwachsene leiden oft über Wochen bis Monate an Husten. Durch nächtliche Hustenattacken kommt es häufig zu Schlafstörungen und dadurch am Tag zu einer verminderten Leistungsfähigkeit. Je nach körperlicher Verfassung ist mit Komplikationen zu rechnen, wie beispielsweise Gewichtsverlust und Kreislaufproblemen, aber auch Krampfanfällen, Mittelohr- und Lungenentzündungen. Darüber hinaus können Betroffene Säuglinge anstecken, für die eine Keuchhustenerkrankung lebensbedrohlich sein kann. Besonders Frauen im gebärfähigen Alter, Familienangehörige von Neugeborenen und alle, die engen Kontakt zu Säuglingen haben, sollten darauf achten, dass eine Keuchhusten-Impfung nicht länger als zehn Jahre zurückliegt.
Ich habe gehört, dass auch Erwachsene sich jetzt gegen Masern impfen lassen sollten. Warum das?
Dr. Ralph Köllges: Impflücken bei Masern bestehen hauptsächlich bei jungen Erwachsenen, wodurch sich die Erkrankung in den letzten Jahren in höhere Altersgruppen verlagert hat. Deshalb hat die STIKO die Impfempfehlung gegen Masern auf alle nach 1970 geborenen Erwachsenen ausgeweitet: Wer in der Kindheit gar nicht oder nur ein Mal geimpft wurde oder wessen Impfstatus unklar ist, sollte eine Masernimpfung erhalten - vorzugsweise mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln. Die Impfungen sollen künftige Masernausbrüche in der Bevölkerung verhindern und so auch Menschen schützen, die nicht geimpft werden können.
Welche Impfungen sind für Frauen besonders wichtig?
Dr. Michael Albrecht: Insbesondere junge Frauen sollten einen ausreichenden Impfschutz gegen Keuchhusten, Röteln und Windpocken haben. Das bedeutet: Die Keuchhusten-Impfung sollte bei Frauen im gebärfähigen Alter alle zehn Jahre durchgeführt werden. Frauen sollten in der Kindheit gegen Röteln geimpft worden sein, fehlende Impfungen nachgeholt werden. Frauen mit Kinderwunsch sollten auch prüfen, ob sie die Windpocken hatten oder über einen entsprechenden Impfschutz verfügen. Die Impfung gegen Windpocken ist sinnvoll, um schweren Folgen für sich selbst und das Kind während einer Schwangerschaft vorzubeugen.
Muss ich die Impfungen bezahlen?
Dr. Alexander Lorscheidt: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die meisten Impfungen. In diesem Fall entfällt auch die Praxisgebühr von zehn Euro.
Die Experten: Dr. Alexander Lorscheidt, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Akademische Lehrpraxis der Universität Köln; Dr. Michael Albrecht, Facharzt für Allgemeinmedizin, Köln; Dr. Ralph Köllges, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologe und Umweltmediziner, Mönchengladbach.
rzf/som/news.de