Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Es ist alarmierend: Die Zahl der fettleibigen Kinder in Deutschland hat sich seit Beginn der 1990er Jahre verdoppelt. Neun Prozent haben Übergewicht, sechs Prozent sind fettleibig. Auch deshalb leiden viele Kinder an Diabetes. Eine Magen-OP soll helfen.
«Noch vor Jahren war Diabetes bei Kindern kein Thema», sagt Professor Holger Till. Die Zeiten sind vorbei. «Das Bindeglied ist die AdipositasFettleibigkeit, Fettsucht, sehr hohes Übergewicht », erklärt der Chirurg und Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche der Universität Leipzig. Pro Jahr erkranken rund 200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 19 Jahren an Diabetes mellitus Typ 2.
Das ist ein großes Problem. Wer schon als Kind oder Teenager mit der Zuckerkrankheit kämpft, kann bereits im jungen Erwachsenenalter schwere Folgeerkrankungen haben. Denn der hohe Zuckeranteil schädigt sowohl die kleinen und großen Blutgefäße als auch die Nerven. Diabetiker müssen mit Herz-Kreislauf- sowie Augen-, Nerven- und Nierenerkrankungen rechnen.
Magenverkleinerung hilft fettleibigen Diabetikern
Nach Ansicht des Mediziners werden zur Behandlung fettleibiger Jugendlicher mit Diabetes vom Typ 2 künftig chirurgische Maßnahmen zur Gewichtsverringerung eine immer wichtigere Rolle spielen. Denn: «Aus der Erwachsenchirurgie wissen wir, dass der Insulinbedarf innerhalb weniger Tage nach der OP sinkt.» Die Zusammenhänge verstehen selbst Mediziner noch nicht in Gänze. Sicher ist laut Till jedoch, dass nach der Magenverkleinerung eine geringere Menge des Hormons Grehlin ausgeschüttet wird. Das Appetithormon wird unter anderem für Heißhungerattacken verantwortlich gemacht. Nach dem Eingriff verspüre der Patient weniger Hunger, sei schneller satt - und nimmt leichter ab.
An der Uniklinik Leipzig wurden im vergangenen Jahr sieben Kinder operiert. Durch die Eingriffe geht es den kleinen Patienten besser, sie wiegen nicht nur weniger, sie haben zum Beispiel auch bessere Blutfettwerte. Holger Till betont aber, dass es primär nicht darum ginge, die Figur der Kinder zu verbessern, sondern darum, ihnen das Leben - vor allem mit Diabetes - erträglicher zu machen. «Allein durch die Gewichtsabnahme steigt die Lebensqualität. Die Patienten bewegen sich wieder mehr, machen Ausflüge und treffen sich eher mit Freunden.»
Das Verfahren
Das operative Verfahren, das Till in Leipzig eingeführt hat, ist die Schlauchmagenresektion. Dabei entfernen die Chirurgen über kleine Schnitte in der Haut den großen, gewölbten Teil des Magens. Das habe den Vorteil, dass während der OP der Magen-Darm-Trakt nicht so massiv verändert wird wie bei einem Magenbypass. «Zudem ist diese Technik relativ unkompliziert. Außerdem wissen wir nicht, wie ein Patient in 50 oder 60 Jahren mit einem Magenbypass lebt», erklärt der Professor. Nach so langer Zeit könne es zu Krebsgeschwüren kommen, mutmaßt der Experte.
Nach der OP habe der Magen ein Volumen von nur noch 100 bis 150 Milliliter. Laut Holger Till bleibt der Magen nicht so klein. Mit der Zeit könne er sich weiten - sogar noch größer werden, wenn wieder zu viel gegessen wird.
Wann wird operiert?
Konventionelle Methoden zur Therapie von Übergewicht wie die Förderung von Sport oder Schulungen zu Lebensstiländerungen seien immer die erste Wahl. Nur wenn ein Kind schwerst übergewichtig ist und konventionelle Therapien versagt haben, sei eine Operation denkbar. Das Uniklinikum Leipzig hat dafür strenge Leitlinien entwickelt. Zu diesem Zweck wurden in den vergangenen Jahren Patienten sorgfältig charakterisiert und entsprechende Kriterien abgeleitet.
«Eine solche Operation darf immer nur letztes Mittel sein und auch nur an spezialisierten Kliniken vorgenommen werden», sagt Experte Till. Der Eingriff sei auch ethisch eine schwierige Frage. Alle sieben Fälle in Leipzig seien deshalb zuvor der klinikinternen Ethikkommission vorgelegt worden. Denn: «Der Eingriff ist schwerwiegend und nicht rückgängig zu machen.» Zudem müsse die medizinische Behandlung stets gemeinsam mit einer professionellen Ernährungstherapie und einer psychotherapeuthischen Beratung erfolgen.
Das Ergebnis sei immer nur so gut wie die Nachsorge, sagt der Experte. Sie dauert bis zu drei Jahre. In dieser Zeit werden verschiedene Untersuchungen gemacht. Haben die Jugendlichen am Ende so viel abgenommen, dass Hautlappen übrig bleiben, sind weitere chirurgische Eingriffe nötig.
Was kostet eine OP und was zahlen die Kassen?
Eine Magenverkleinerung, wie sie die Leipziger Mediziner durchführen, kostet etwa 4500 Euro. Zusätzlich fallen weitere Kosten für die Nachbehandlung an. Allerdings kommen die gesetzlichen Krankenkassen dafür nur selten auf - vor allem dann nicht, wenn die Kriterien nicht alle erfüllt sind. Der Experte gibt zu bedenken: «Auch wenn wir eine Empfehlung aussprechen, heißt das noch lange nicht, dass die Krankenkasse einer Operation auch zustimmt.»
Weitere spannende Themen finden Sie in unserem Überblick zur «news.de-Woche des Übergewichts».
zij/sis/news.de
Nachsatz: Vorab auch noch der Hinweis, wir haben in der Gegenwart die Arbeitsteilung. Dh für mich auch, dass ich nicht alles wissen kann. Ich bin kein Lebensmittelwissenschaftler, kein Autodesigner, kein Pharmazeut ... Ich muss schon darauf vertrauen können, das man meine Gesundheit nicht unnötig schadet. Zucker in diesen Mengen und Werbung mit Zusatz 0,1% Fett ist Betrug und für mich der Vorsatz zu Körperverletzung. Wohlgemerkt auch an Kindern, die sich nicht wehren können
jetzt antwortenKommentar meldenmich ärgert auch schon seit langem, was die Lebensmittelindustrie alles so darf. Wenn man sich die Mengen an Zucker überlegt die hier oftmals unnötig hinzugefügt werden, ist das in meinen Augen bereits Körpermisshandlung. Diese Massen an ungesunden Zusätzen sollten unbedingt gesetzlich geregelt werden. Rattengift ist in kleinen Mengen auch verboten, obwohl es da noch nicht tötet. Man kann eine Menge an Leid und OP sparen.
jetzt antwortenKommentar meldenSolange nahrhafte, gesunde Lebensmittel in ausreichendem Masse nicht erworben werden können, weil alle anderen Lebensunterhaltungskosten zu hoch sind, und dass Hungergefühl mit chemisch veränderten, dickmachenden "Lebensmittelplagiaten" besänftigt werden muss, wird es Fettleibigkeit immer geben. Vor allem in den einkommensschwachen Schichten der Bevölkerung. Da hilft auch eine Magenverkleinerung wenig und führt eher zu neuen Symptomen und Beschwerden.
jetzt antwortenKommentar melden