EHEC-Infektion Forscher warnen vor Salat, Gurken und Tomaten

Wisschenschaftler des Robert-Koch-Instituts sind der EHEC-Infektionsquelle näher gekommen: Sie gehen davon aus, dass Gemüse aus Norddeutschland der Überträger des tödlichen Bakteriums ist.

EHEC-Erreger auf Gemüse  (Foto)
Forscher des RKI vermuten Gemüse als Infektionsquelle des aggressiven Bakteriums. Bild: dpa

Das Robert Koch-Institut (RKI) warnt davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen. Die Forscher haben in einer Studie herausgefunden, dass diese Gemüse deutlich häufiger von Infizierten gegessen wurden als von gesunden Vergleichspersonen.

Die Zahl der schwer verlaufenden EHEC-Erkrankungen in Deutschland ist auf 138 gestiegen. Das berichtete RKI-Präsident, Reinhard Burger, dem Gesundheitsausschuss des Bundestags. Am Dienstag war noch von mehr als 80 Fällen die Rede. Bei den 138 Patienten ist das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) diagnostiziert worden, wie die Ausschussvorsitzende Carola Reimann (SPD) der Nachrichtenagentur dapd auf Anfrage mitteilte. Die Suche nach den Lebensmitteln, die mit den Durchfallbakterien verseucht waren, hat noch keinen Erfolg gebracht.

Lebensmittelskandale : Der arme Verbraucher

Nach ihren Angaben gilt es als wenig wahrscheinlich, dass die Erreger der schweren Durchfallerkrankungen von rohem Fleisch oder Rohmilch stammen. Diesen Schluss ziehen die Experten aus der laufenden «Fallkontrollstudie». Dabei werden die Infizierten nach einem detaillierten Fragebogen dazu befragt, was sie gegessen und getrunken haben. Demnach gibt es bisher «keinen offensichtlichen Verursacher», sagte Reimann.

Mehr als die Hälfte der Infizierten sind Frauen

«Was aufhorchen lässt, ist die hohe Zahl der infizierten Frauen», sagte die Bundestagsabgeordnete. 69 Prozent der Erkrankten seien Frauen. Eine Erklärung könnte sein, dass sie sich bei der Zubereitung des Essens angesteckt hätten, sagte Reimann.

EHEC-Infektion: Blutiger Durchfall mit Todesfolge
Video: dapd

Auch die hohe Zahl schwerer Erkrankungen ist nach Angaben Reimanns ungewöhnlich. Normalerweise werden demnach 60 HUS-Fälle im Jahr bei etwa 1000 EHEC-Infektionen gemeldet.

Unter den Infizierten ist nach Angaben Reimanns auch eine schwedische Reisegruppe, die Hamburg besucht hatte. Zehn Mitglieder wurden angesteckt, ein Patient ist schwer erkrankt, wie die SPD-Politikerin sagte. Die Gesamtzahl der EHEC-Infizierten ist nach ihren Angaben nicht genau zu bestimmen, weil die Bundesländer alle, auch von anderen Erregern ausgelöste Durchfallerkrankungen melden. Reimann, selbst Biotechnologin, forderte: «Die Länder sollten sich auf einen Meldestandard einigen.»

Die Gesundheitsexperten sind dabei, den Stamm der für die Infektionen verantwortlichen Darmbakterien zu typisieren. Das ist nach den Worten Reimanns relativ kompliziert.

Keine Zeit verlieren

Bei blutigem Durchfall dürfen Infizierte keine Zeit verlieren: Wenn die Erkrankung von aggressiven EHEC-Darmbakterien ausgelöst wurde, besteht das Risiko eines schweren, unter Umständen sogar tödlichen Verlaufs. Dabei tritt das HUS auf: Darunter versteht man das gemeinsame Auftreten von Nierenversagen, Anämie und Mangel an Blutplättchen.

Von den Bakterien (Enterohämorrhagische Escherichia coli) freigesetzte Giftstoffe (Verotoxin) zerstören das Blut und können zu Nierenversagen führen. Wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie erklärt, entstehen zu Beginn des HUS aufgrund der Gefäß- und Zellschäden kleinste Blutgerinnsel, sogenannte Mikrothromben, in kleinsten Blutgefäßen auch in den Nieren. Die Blutplättchen und die roten Blutkörperchen werden zerstört (Hämolyse) oder sammeln sich in kleinsten Blutgerinnseln.

EHEC-Infektion: Durchfall auf dem Vormarsch
Video: dapd

Nierenversagen möglich

Bei einem äußerst schweren Krankheitsverlauf können die Nieren versagen. Trotz intensiver Therapie liegt die Sterblichkeit nach Angaben der Fachärzte bei etwa fünf Prozent. Außerdem besteht die Gefahr eines bleibenden Nierenschadens.

Durch das HUS können auch andere Organe geschädigt werden: So erleiden die Betroffenen oft eine gefährliche Schwellung des Gehirns, wie die Gesellschaft für Nephrologie erklärt. Das HUS ist nach deren Angaben normalerweise eine Krankheit im Kindes- und Jugendalter.

sis/rzf/sca/news.de/dapd

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Tina2011
  • Kommentar 1
  • 25.05.2011 19:57

Geht das denn Schlagartig mit starkem Durchfall los oder fängt das 1-2 Tage vorher mit Grummeln und leichtem Durchfall an? Symptome werden hier immer nur mit blutigem Durchfall usw. beschrieben, aber kommt das so schlag auf schlag??? Ich hab schon Panik wenn es im Bauch etwas grummelt und das obwohl ich weder Gurken noch Tomaten noch Salat gegessen hab... ?!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig