Stilldemenz Stigmatisierte Mütter

Kinder sind die Zukunft. Doch statt die Frauen sinnvoll zu unterstützen, die sich für den Nachwuchs entscheiden, müssen sie sich - dank der Hormone - ein neumodisches Stigma andichten lassen. Dabei ist Stilldemenz nichts weiter als eine nützliche Ausrede der Gesellschaft.

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News.de-Redakteurin Mandy Hannemann Bild: news.de

Macht das Kinderkriegen kopfkrank? Der Begriff «Stilldemenz» legt die Assoziation zumindest nahe. Doch vorweg: Liebe Schwangere, bitte brecht nicht in Panik aus. Und liebe frisch gebackene Mütter, ihr seid weder blöde, noch müsst ihr mit Medikamenten behandelt werden.

Auch wenn der Hormonhaushalt nach der Geburt etwas aus dem Lot gerät, Stilldemenz ist keine Krankheit. Sie ist einer dieser neumodischen pseudo-medizinischen Begriffe, der eine Situation dramatisiert, die seit ewigen Zeiten völlig normal ist. Schließlich wird niemand zum Manager eines erfolgreichen, kleinen Familienunternehmens geboren.

Mal eben seinen Tagesablauf um ein Kind herum total neu zu organisieren - zwischen Kindergeschrei, Brust- oder Flaschegeben, Kochen, Putzen, Waschen und Schlafmangel -, das schafft wohl niemand mit links. Kein Wunder, dass da gelegentlich in Vergessenheit gerät, wo man seinen Schlüssel hingelegt hat, der Mülleimer mal länger überquillt oder die Frauen einiges durcheinanderbringen.

Traurig genug, dass die Gesellschaft diesen Rund-um-die-Uhr-Dienst mit einem Begriff wie «Stilldemenz» stigmatisiert. Sich aber zum Schutz von Mutter und Kind - bis auf wenige Ausnahmen - vollkommen aus der Verantwortung zieht, regelmäßig Kontaktpflege zu betreiben. Allenfalls kommen doch nur Familien- und der engste Freundeskreis zu Besuch. Doch die geistige Herausforderung, die die grauen Zellen dank Job sprichwörtlich am Routieren hält, geht verloren.

Die Großfamilie hat die Gesellschaft so gut wie abgeschafft, Jobs für Mütter, die in Teilzeit jobben wollen, sind selten. Und Kindertagesbetreuung ist nicht nur teuer, sondern auch Mangelware. So gelingt es wieder einmal, ein gesellschaftliches Defizit hinter einer nützlichen Ausrede zu verstecken - und manche Mütter steigen da auch noch drauf ein.

kas/sca/news.de

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