Sa., 26.05.12

Gefährliche Keime 23.05.2011 Acht Fakten zum tückischen Durchfall

Mehr Durchfallerkrankungen in Deutschland (Foto)
Rund 80 Patienten sind bereits betroffen. Doch woher das Darmbakterium kommt, das Durchfall verursacht, ist bislang unklar. Bild: iStockphoto

Mehr als 80 Menschen haben sich in Deutschland mit den EHEC-Darmkeimen infiziert. Weder Fleisch noch Fisch sollen Auslöser für den verbreitet auftretenden Durchfall sein. Behörden vermuten Gemüse als Überträger. Was Verbraucher wissen müssen - die wichtigsten Fakten.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Vor allem in Norddeutschland wurden viele Fälle gemeldet. In Schleswig-Holstein stieg mittlerweile die Zahl auf rund 90 EHEC-Erkranungen oder Verdachtsfälle, teilte das Kieler Sozialministerium mit. 13 Patienten leiden an der schwersten Form der Krankheit, am hämolytisch-urämischen Syndrom, das zu Nierenversagen führen kann.

In Niedersachsen wurden landesweit 67 EHEC-Erkrankungen oder Verdachtsfälle registriert, wie Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) in Hannover sagte. Zehn Patienten litten an der schwersten Form der Krankheit. Einige von ihnen schwebten in akuter Lebensgefahr.

Vier Fälle von EHEC-Erkrankungen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Das hessische Sozialministerium meldet 25 Fälle und sagte news.de gegenüber, dass alle Erkrankungen das Rhein-Main-Gebiet betreffen. Zudem würde es keine Folgerkrankungen geben. Von einer Verbreitung von EHEC sei dem Ministerium zufolge daher in Hessen nicht auszugehen.

Viele Patienten liegen bereits auf der Intensivstation oder in Isolierzimmern, damit die Ansteckungsgefahr verringert wird. Besonders häufig sind offenbar Frauen betroffen.

Was ist EHEC?

EHEC sind Escherichia (E.) coli-BakterienDer bekannteste Vertreter ist E. coli O157:H7 , die Toxine bilden. Diese Zellgifte rufen beim Menschen schwere Erkrankungen hervor. EHEC finden sich häufig im Kot von Nutztieren - insbesondere von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen. Aber auch Rehe können EHEC übertragen.

Welche Symptome treten auf?

Als mögliche Anzeichen für eine Infektion gelten wässriger oder blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Begleitend kann Fieber auftreten. Als Komplikation kann es zu Nierenversagen kommen, was auch zum Tod führen kann. Die Inkubationszeit beträgt laut Robert-Koch-Institut zwei bis zehn Tage. Danach kann eine Magen-Darm-Grippe (Gastronteritis) auftreten.

Wie wird der Erreger übertragen?

Die Infektion kann beim Kontakt mit Tieren oder beim Verzehr belasteter Lebensmittel entstehen. Als weitere Übertragungswege gelten rohes, ungewaschenes Gemüse sowie die Weitergabe von Mensch zu Mensch - etwa in Kindertagesstätten, Altenheimen und Krankenhäusern. Außerdem kann der Erreger über fäkalienverseuchtes Trink- und Badewasser aufgenommen werden.

Bislang gibt es keine Hinweise, dass Fleisch oder Rohmilchprodukte die Infektionsquelle sind. Deshalb steht Gemüse bei den Experten unter Verdacht.

Warum ist die Sorge so groß?

EHEC-Keime (Enterohämorrhagische Escherichia coli) treten in Deutschland immer wieder auf. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert, die oft einen leichteren Verlauf nahmen. 2010 gab es in Deutschland 918 Erkrankungen, wie das RKI news.de gegenüber sagte.

Im aktuellen Fall gibt es ungewöhnlich viele schwere Verläufe in kurzer Zeit. Besonders auffällig für die Experten: Diesmal erkranken vor allem Erwachsene schwer, normalerweise haben eher Kinder starke Symptome.

Besonders Frauen sind betroffen. Warum?

Die Frauen würden häufiger Lebensmittel zubereiten. Daher könnten sie sich bei der Reinigung von Gemüse oder anderen Lebensmitteln infiziert haben, vermutet RKI-Epidemiologe Gérard Krause.

Wie gehen die Behörden nun vor?

Der Ursprungsherd ist bisher nicht bekannt. Die Ermittlungen erweisen sich als aufwändig, da die Erkrankten zunächst zu ihrem Essverhalten der vergangenen Tage befragt werden müssen. Dies ist schwierig, da viele Patienten aufgrund ihres Erkrankungszustands derzeit nicht in der Lage sind, die Fragen zu beantworten.

Worauf sollten Sie achten?

Speisen sollten bei mindestens 70 Grad durchgegart werden.

Reinigen sie Küchengeräte besonders gründlich. Das gilt nicht nur für Besteck - insbesondere Messer - sondern auch für Schneidebretter. Waschen Sie alles in heißem Wasser und mit Spülmittel ab. Anschließend sollten die Utensilien gut abgetrocknet werden. Schmeißen Sie alten Lappen und Schwämme weg, benutzen Sie nur saubere Küchenhandtücher.

Waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife - nach jedem Toilettengang und wenn Sie Flächen berührt haben, die auch andere Menschen angefasst haben.

Zeigen sich bei Ihnen Symptome, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Dr. Ute Helke Dobermann, Leiterin der Klinikhygiene am Universitätsklinikum Jena, warnt davor, bei Durchfall Antiobiotika einzunehmen. «Das stimuliert die Coli-Bakterien, Toxin zu produzieren und ruft die schlimmen Symptome hervor», sagt die Ärztin.

Dobermann rät, viel Wasser zu trinken und sich auszuruhen. Auch Elektrolytlösungenin Apotheken erhältlich seien sinnvoll. «Wem nicht übel ist, der sollte essen, damit es nicht zum Kreislaufkollaps kommt», sagt Dobermann. Allerdings sollte die Nahrungsaufnahme langsam erfolgen, wie bei jedem Durchfall, da durch die Bakterien die Darmzellen zerstört werden. «Die Schleimhaut muss sich erst langsam wieder aufbauen, um wieder richtig arbeiten zu können», erklärt die Ärztin.

Weitere Tipps, wie Sie sich vor den Bakterien schützen können, finden Sie hier.

ham/rzf/sis/news.de/dpa
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Günter Wendt
  • Kommentar 3
  • 26.05.2011 11:56
 Antwort auf Kommentar 1

Och nö. Nicht immer "diese Ausländer".

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  • Günter Wendt
  • Kommentar 2
  • 26.05.2011 11:54
 

Heute auf Deutschlandfunk gehört: Da das Gemüse, das aus Deutschland stammt, meist aus Treibhäusern stammt, ist hier eine versehentliche Kontamination mit Gülle auszuschließen.

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  • SonyaFan
  • Kommentar 1
  • 24.05.2011 15:09
 

Für mich ist diese Krankheit nicht dürch Obst oder Gemüse ausgelöst worden sondern kurz und bündig eingeschleppt worden von ungemeldeten Flüchtlingen.Es ist schon komisch dass gerade jetzt solch eine Krankheit auftritt.Aber die Behörden halten die Bürger mal wieder für dumm.

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