Arztsuche Wie gut ist Ihr Doktor wirklich?

Die Suche nach einem Arzt, mit dem man auch zufrieden ist, gleicht oft einer Odyssee und kostet Zeit. Was macht einen guten Mediziner aus und wie erkennen Sie ihn? News.de weiß es.

Arztgespräch (Foto)
Das Arzt-Patienten-Gespräch ist für Patienten entscheidend, einen Mediziner für gut oder shclecht zu bewerten. Bild: DAK/ van den Berg

Sie sind unzufrieden mit Ihrem Hausarzt, sauer, weil Ihr Zahnarzt mehr Geld für eine Leistung berechnet hat, ohne mit Ihnen darüber zu sprechen? Oder der Umzug in eine andere Stadt erfordert einen neuen Gynäkologen? Unsere Tipps werden Ihnen dabei helfen, einen guten Arzt zu erkennen.

Die Terminvergabe

Beurteilen Sie den Arzt nicht danach, wie schnell Sie einen Termin bekommen. Lange Wartezeiten vermitteln oft den Eindruck, ein Arzt sei aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten oder seiner guten Empfehlungen ausgebucht. «Das sagt jedoch noch lange nichts über die Qualität des Arztes aus», betont Kai Kolpatzik, Arzt und Projektleiter für den Arztnavigator beim AOK-Bundesverband.

Besuch beim Doktor: Das macht einen guten Arzt aus

Legen Sie Wert darauf, dass die medizinische Versorgung im Vordergrund steht. Das heißt: Fragt Sie die Arzthelferin als erstes, ob sie privat versichert sind, deutet dies mitunter auf ökonomische Interessen hin. Das könne einen negativen Eindruck hinterlassen, sagt Kolpatzik - besonders da schnell der Eindruck entstünde, dass privat versicherte Patienten bevorzugt behandelt würden.

Praxis und Personal

Der erste Eindruck zählt. Schon beim Betreten der Praxis können Sie feststellen, ob Sie hier richtig aufgehoben sind oder nicht. Achten Sie darauf, wie der Zugang zur Praxis - beispielsweise behindertengerecht - gestaltet ist und ob es gute Verkehrsanbindungen gibt. Wichtig ist auch, dass die Intimsphäre gewahrt bleibt. «Das fängt schon beim Empfang an: Akten dürfen nicht offen herumliegen. Die Behandlungszimmer sollten nicht einzusehen sein», sagt Kolpatzik.

Ebenso wichtig ist die Ausstattung der Praxis. Befragungen haben ergeben, dass viele Patienten großen Wert darauf legen, ob sich die Behandlungsräume auf dem technisch neuesten Stand befinden oder nicht.

Schauen Sie sich die Räumlichkeiten an. «Eine saubere und ordentliche Praxis ist ein wesentlicher Punkt, ob Patienten sich wohl fühlen und wiederkommen», sagt der AOK-Experte. Ebenso wichtig ist die Raumgestaltung des Wartebereichs. Stehen die Stühle zu eng, fühlt man sich schnell beengt. Besonders beim Hausarzt ist dann das Risiko einer Ansteckung beim Sitznachbarn erhöht.

Die Wartezeiten

Eine gut organisierte Praxis erkennen Sie an der Wartezeit. Haben Sie einen Termin, dann sollten Sie nicht länger als 30 bis 45 Minuten warten müssen. «In einem solchen Rahmen empfinden die meisten Patienten die Wartezeit noch als angemessen», sagt Kolpatzik. Im Grunde aber entscheidet das jeder Patient für sich selbst. Sollte es wider Erwarten dennoch länger dauern, könnte es einen triftigen Grund wie einen Notfall geben. In diesem Fall sollte Sie die Arzthelferin am Empfang bereits informiert haben. Bei Fachärzten sollten Sie sich allerdings generell auf etwas längere Wartezeiten einstellen und das nicht als K.o.-Kriterium für den Arzt werten.

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Das Patientengespräch

Am wichtigsten ist das Arzt-Patienten-Gespräch. «Wir haben im Rahmen der Entwicklung unseres neuen Arztnavigators AOK-Mitglieder quer durch alle Schichten und Altersgruppen befragt. Die Art der Kommunikation ist ein wesentliches Kriterium, ob Patienten einen Arzt für gut befinden oder nicht», sagt der Experte.

Stimmt der Arzt mit Ihnen seine Entscheidungen und Empfehlungen ab, spricht das für ihn. Wichtig ist auch die Frage, ob er ausführlich und verständlich das Problem schildert, denn Fachchinesisch versteht niemand. Sollten Sie dennoch Erklärungsbedarf haben, dann fragen Sie nach.

Einen guten Arzt erkennen Sie auch daran, ob er Sie hinreichend über Chancen und Risiken von Therapien und diagnostischen Mitteln informiert und daran, ob er über Alternativen zur empfohlenen Therapie informiert.

Sie sollten zudem genau über die Einnahme von Medikamenten Bescheid wissen, die Sie verabreicht bekommen. «Dazu gehört nicht nur, dass der Arzt sagt, wie oft die Arznei sondern auch wie lange sie eingenommen werden muss», sagt Kolpatzik gegenüber news.de. Ebenfalls für ihn spricht, wenn er über Nebenwirkungen eines Medikamentes und seine Verträglichkeit mit anderen Arzneien informiert. Dass es hier große Unterschiede zwischen den Ärzten gibt, zeigen erste Ergebnisse im Arztnavigator der AOK.

Kümmert sich Ihr Arzt auch nach dem Praxisbesuch und außerhalb der Sprechzeiten um Sie - etwa weil Sie Medikamente einnehmen müssen? Für viele Patienten ist es wichtig, ob der Arzt sie während eines Behandlungszeitraumes weiterhin betreut.

Auch ein gewisses Einfühlungsvermögen ist wichtig. «Dazu gehört, wie der Arzt auf die Probleme seiner Patienten eingeht, wie er sich einbringt», erklärt der AOK-Experte.

Haben Sie keine falschen Erwartungen: Ob Sie lange oder kurz beim Arzt vorstellig sind, ist kein Qualitätskriterium. Entscheidend ist, dass alle wichtigen Dinge besprochen wurden. Durchschnittlich verbringen Patienten etwa sieben bis acht Minuten beim Arzt. Der Experte meint: «In dieser Zeit ist eine gute AnamneseSystematische Befragung des Patienten, die meist eine genaue Diagnosestellung zulässt. möglich.» Wichtig ist, dass der Patient entsprechend vorbereitet in das Sprechzimmer des Arztes geht und seine Fragen stellt. «Es gibt auch Patienten, die keine langen Gespräche mit dem Arzt wünschen, sondern schnell behandelt werden wollen.»

Ein K.o.-Kriterium sind Kosten infolge von unnötigen Zusatzleistungen. An sogenannten IGeL-LeistungenIndividuelle Gesundheitsleistungen, die vom Patienten gezahlt werden müssen. verdient der Arzt. Kolpatzik wirft ein: «Bei kostenpflichtigen IGeL-Leistungen sollte der Patient vorab über Nutzen, Kosten und Risiken genau informiert werden.»

Haben Sie ein Auge auf eventuell ausgelegte Werbeflyer. Oft kooperieren Ärzte mit Pharmakonzernen oder anderen Firmen. Wenn der Patient das als Verkaufsdruck wahrnimmt, wird die Praxis und damit der Arzt schlecht bewertet. Allerdings muss das nicht unbedingt für einen schlechten Arzt sprechen, insbesondere dann nicht, wenn der Patient für seine Gesundheit einen Nutzen darin sieht.

Informieren Sie sich schon im Vorfeld über Ärzte. Freunde und Bekannte machen gerne Mundpropaganda für einen guten Arzt. Als Alternative bietet das Internet zahlreiche Informationsdienste, wie den Arztnavigator der AOK. Hier werden Ärzte von Patienten bewertet.

sca/beu/news.de

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Leserkommentare (12) Jetzt Artikel kommentieren
  • cat
  • Kommentar 12
  • 19.05.2011 10:18

nur wirtschaftlich denkende Ärzte sind auch gute Ärzte und die bvorzugen mit Recht Privatpatienten,da nur bei diesen die optimale Diagnostik und Therapie bezahlt wird.Für AOK Minipauschalen und Regressforderungen und Verordnungsbeschränkungen gibt es keine optimale Therapie.

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  • NORGAT CALSIN BORDA
  • Kommentar 11
  • 17.05.2011 18:00

Die Zeiten, in denen man medizinische oder sonstige Fremdwörter "gebildeter" Bürger als Fachchinesisch bezeichnen sollte, sind vorbei. Heutzutage sind die Menschen allgemein schon so gebildet, dass bekannt ist, dass die Fremdwörter aus dem Lateinischen,Griechischen stammen. Appendizitis, Hypotonie oder Läsion, zum Beispiel: kein Vertändnisproblem. Seltenere Wörter: google statt "Pschyrembel", klinisches Wörterbuch. Ein weißer Kittel, der Doktor-Titel oder sonstiger Krimskram machen nicht kompetent, sondern absolut realistisches Wahrnehmen von Angelegenheiten und keine "Verstandardisierung".

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  • Marebe58
  • Kommentar 10
  • 17.05.2011 13:08

Zu Kommentar Nr.9: Anstatt jahrelang zu jammern und sich mit dem Medikament zufrieden stellen zu lassen, hätte ich mich zunächst an einen Orthopäden überweisen lassen und anschließend hätte ich Sport speziell für den Rücken gemacht. Auch wenn man kein Geld für ein Sportstudio hat, so gibt es Sportvereine, die auch Rückensport anbieten. Ich habe auch Probleme mit dem Rücken, doch seitdem ich Rückentraining betreibe, ist est deutlich besser geworden. Man muss auch selber etwas tun, damit es einem besser geht. Selbst Ärzte sind keine Götter!

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