Ein trockenes Auge kann unbehandelt die Hornhaut schädigen und die Sehkraft beeinträchtigen. Wie man die Benetzungsstörung erkennt und wie sie behandelt wird, das wussten die Experten in der news.de-Telefonaktion.
Was ist das Trockene Auge genau – und wie macht es sich bemerkbar?
Professor Gerd Geerling: Das Trockene Auge ist eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche, bei der entweder die Menge oder die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit nicht mehr stimmt. Dies kann zu einer erhöhten Verdunstung der Tränenflüssigkeit führen.
Ist der Tränenfilm über längere Zeit gestört, sind die Schutzmechanismen des Auges beeinträchtigt. Die Hornhaut wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Bakterien, Viren und Pilze können sich leichter ansiedeln und durch die Reibung des Augenlids drohen Schädigungen der Hornhaut. Ein Fremdkörpergefühl, gereizte, brennende oder müde Augen, Lidschwellungen, Lichtempfindlichkeit oder paradoxerweise auch tränende Augen sind Symptome des Trockenen Auges.
Ich verbringe den Großteil des Tages in klimatisierten Räumen vor dem Bildschirm. Ist es da nicht unvermeidlich, dass meine Augen brennen und müde sind?
Dr. Philipp Franko-Zeitz: Umweltfaktoren, wie der Luftzug von Klimaanlagen oder die Bildschirmarbeit, zählen zu den häufigsten Ursachen für das Trockene Auge. Sie sollten Ihre Beschwerden ernst nehmen und vom Augenarzt abklären lassen. Denn um Schädigungen am Auge zu verhindern, ist eine Behandlung unverzichtbar.
Was sind andere mögliche Ursachen für das Trockene Auge?
Geerling: Die möglichen zugrundeliegenden Ursachen sind vielfältig: zunehmendes Alter, die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren oder die Einnahme der Pille können zum Trockenen Auge führen. Es können aber auch Kontaktlinsen, bestimmte Medikamente oder chronische Erkrankungen wie Diabetes, Allergien, Schilddrüsenerkrankungen oder Rheuma mit dem Trockene-Augen-Syndrom einhergehen. Deshalb ist eine gründliche ärztliche Abklärung so wichtig!
Wie wird ein Trockenes Auge behandelt?
Franko-Zeitz: Den meisten Betroffenen kann mit Tränenersatzmitteln geholfen werden. Diese werden als dünn- oder zähflüssige Produkte angeboten. Dünnflüssige Präparate bilden an der Augenoberfläche einen Feuchtigkeitsfilm, der das Auge meist nur kurzfristig benetzt und schützt. Dickflüssigere Tränenersatzmittel haften zwar etwas länger, schränken aber die Sicht ein. Sehr gute Erfahrungen machen wir in der Praxis mit sogenannten osmoprotektiven Augentropfen, wie zum Beispiel Optive. Die spezielle Technologie in diesen Augentropfen sorgt dafür, dass der künstliche Tränenfilm trotz geringer Zähflüssigkeit länger an der Augenoberfläche wirkt. Das sorgt nach dem Eintropfen für klare Sicht. Und die natürlichen Substanzen in diesen Augentropfen können tief in die empfindlichen Zellen der Augenoberfläche eindringen und diese von innen heraus regenerieren.
Ich habe schon alle Tropfen ausprobiert, aber meine Beschwerden haben sich nicht wirklich verbessert …
Franko-Zeitz: Das höre ich oft von meinen Patienten! Es ist aber so, dass nahezu allen Betroffenen, die am Trockenen Auge leiden, mit Tränenersatzmitteln geholfen werden kann. Es kommt allerdings auf die Feineinstellung an: also ein Produkt der richtigen Wirkgruppe in der richtigen Tropfmenge einzusetzen. Wenn Sie schlechte Erfahrungen mit Tropfen einer Wirkgruppe gemacht haben, nützt es erfahrungsgemäß wenig, wenn Sie alle anderen Produkte aus dieser Wirkgruppe ausprobieren. Sie sollten stattdessen testen, ob Tropfen einer anderen Wirkgruppe besser helfen. Wichtig ist bei dauerhaften Beschwerden auch regelmäßig zu tropfen und nicht nur, wenn die Beschwerden besonders stark sind. Sie sollten das weitere Vorgehen in jedem Fall mit Ihrem Augenarzt besprechen.
Ich habe Trockene Augen, muss ich bei meiner Kosmetik auf bestimmte Dinge achten?
Franko-Zeitz: Viele Kosmetikprodukte, wie Cremes, Mascara oder Kajal, können wegen ihres Lipidanteils die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit entscheidend verändern. Sie sollten darauf achten, dass möglichst wenig der Kosmetik in Ihre Augen gelangt: beim Eincremen also immer etwa einen Finger breit Abstand zum Auge lassen und Mascara und Kajal nicht übersättigend auftragen. Es kann aber auch sein, dass Ihre Schminkgewohnheiten keinen maßgeblichen Einfluss auf Ihre Beschwerden haben. Beobachten Sie einige Zeit, ob sich die Symptome in Abhängigkeit von Ihrem Verhalten verändern.
Ich bin Pollenallergiker und habe im Frühjahr immer mit juckenden, brennenden Augen zu kämpfen. Sollte ich neben den Allergie-Medikamenten meine Augen gezielt mit Tropfen behandeln?
Franko-Zeitz: In der Bindehaut des Auges befinden sich viele Zellen, die an der Immunabwehr beteiligt sind. Daher reagiert das Auge häufig besonders heftig auf Allergene, wie beispielsweise Pollen. Juckende und gerötete Augen, geschwollenen Lider, Tränenfluss und ein Trockenheitsgefühl der Augen sind typische Beschwerden dieser allergischen Bindehautentzündung. Die Einnahme von Antihistaminika kann zusätzlich eine Austrocknung des Auges bedingen. Sie sollten Ihren Augenarzt nach geeigneten Tropfen fragen, die Ihre Beschwerden wirkungsvoll lindern können.
Seit meiner Lasik-Operation habe ich Probleme mit trockenen Augen. Kann da ein Zusammenhang bestehen?
Geerling: Ja, Trockene Augen treten nach einer Lasik-Operation häufiger auf. Der Grund liegt in der Durchtrennung von Hornhautnerven, die im Prozess der Tränenfilmbildung eine wichtige Rolle spielen. Bei den meisten Patienten wachsen die Nervenfasern nach einigen Monaten nach und die Beschwerden bessern sich. Verschiedene Studien kamen aber zu dem Ergebnis, dass bei einem Teil der Betroffenen die Störungen dauerhaft sind. Sie sollten in jedem Fall einen Augenarzt aufsuchen.
Ich leide schon länger an einer Lidrandentzündung und damit einhergehend am Trockenen Auge. Mein Augenarzt hat gesagt, die Entzündung sei nicht therapierbar. Stimmt das?
Geerling: Die Möglichkeiten der Behandlung werden häufig unterschätzt und erfordern die aktive Mitarbeit der Patienten. Bewährt hat sich eine konsequente und regelmäßige Lidrandhygiene über einen längeren Zeitraum – mindestens drei Monate! Dazu sollten Sie nach Möglichkeit jeden Morgen und Abend Ihre Augen fünf bis zehn Minuten mit feucht-warmen Kompressen einweichen. Danach müssen Sie die Augenlider zum Auge hin ausmassieren: das obere Lid also von oben nach unten und das untere Lid von unten nach oben. So befreien Sie die Talgdrüsen im Lid, so dass wieder Talg ans Auge abgegeben werden kann, was für die richtige Zusammensetzung des Tränenfilms wichtig ist.
Haben Sie Tipps für den Alltag mit Trockenen Augen?
Franko-Zeitz: Neben der Behandlung mit geeigneten Augentropfen können einfache Verhaltensregeln die Beschwerden verbessern: Verzichten Sie wenn möglich auf die Klimaanlage und richten Sie bei Autofahrten das Gebläse nicht ins Gesicht. Außerdem sollten Sie Ihre Augen vor starker Sonneneinstrahlung schützen und beim Baden eine Schwimmbrille benutzen. Achten Sie darauf, genug zu trinken und stellen Sie gegebenenfalls einen Luftbefeuchter auf. Denn trockene Raumluft kann Augenreizungen verstärken.
Weiterführender Link
Unter www.augeninfo.de, die Webseite des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands finden Sie Informationen zu Diagnose und Behandlung des Trockenen Auges sowie eine Patientenbroschüre zum kostenfreien Download. Sie können auch online nach einem Augenarzt in Ihrer Nähe suchen.
Die Experten am Telefon: Professor Gerd Geerling, Leiter der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf; Dr. Philipp Franko-Zeitz, Facharzt für Augenheilkunde, Düsseldorf.
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