Kindertagesstätte Schützen Sie Ihr Kind vor Lärm

Lärm (Foto)
Ihr eigenes Geschrei ist den Kleinen selbst zu laut. Bild: istockphoto

Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Kinder sind laut. Manchmal so laut wie ein vorbeifahrender Lkw. Die aufgedrehten Kleinen brüllen, dass die Ohren schmerzen. Lärm wie der in Kindertagesstätten macht krank und schädigt auf Dauer.

Kinder können einen höllischen Lärm verursachen. Immer wieder kommt es deshalb zum Streit mit den Nachbarn einer Kindertagesstätte (Kita). Die Anwohner beschweren sich, weil sie sich durch krakeelende Kinder in ihrer Ruhe gestört fühlen. Dass sie nun nicht mehr dagegen klagen dürfen, ist ein wichtiger Teilerfolg für die Kitas. Doch der Lärm, der in den Kitas zuweilen herrscht, ist ein großes Problem: Er schadet den Kleinen und den Erzieherinnen.

Wie die Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt (LVG) mitteilte, belegen Studien, dass es in Kitas zu durchschnittlichen Spitzenwerten zwischen 80 und 113 Dezibel kommt. Dies ist mit lautem Verkehrslärm oder dem Krach einer Kreissäge vergleichbar.

Kitalärm
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Die Kleinen und ihre Erzieherinnen sind in den Kindertagesstätten permanent einer Vielzahl von Lärmquellen ausgesetzt. An erster Stelle stehen die Kinder dabei natürlich selbst: Lautes Lachen, Kreischen oder Quieken symbolisieren den Ausdruck von Lebenslust und Freude. «Das gehört zur ihrer Natur und ist auch gut so», sagt Claudia Bachtenkirch von der LVG. Nur, es schadet eben auf Dauer.

Auch laute Geräusche etwa von Spielgeräten sowie Hämmern und Klopfen tragen zum Lärm bei. «Das eine Kind schmeißt Bausteine in die Kiste, das andere hat gerade entdeckt, dass das Schlagen mit dem Klötzchen auf dem Tisch wunderbare Töne erzeugt», erklärt Bachtenkirch.

Außerdem können laute Geräusche aus den angrenzenden Fluren oder dem Bewegungsraum entstehen. Zusätzlich stören laut zufallende Zimmer- und Schranktüren, Geräusche vom Verrücken von Tischen und Bänken oder Heizungs- und Lüftungsanlagen. Auch Straßenverkehr und Gartenarbeiten sorgen für Krach. Nur in der Ruhezeit, also nach dem Mittagessen, sei es leiser.

Wie Lärm krank macht

Lärm gehört für die Deutschen zu den am stärksten empfundenen Umweltbeeinträchtigungen. Dabei handelt es sich um Geräusche, die stören, belästigen, gefährden oder gar schädigen. Schallpegel über 85 Dezibel führen zu einer Minderung des Hörvermögens bis hin zur Schwerhörigkeit und auch zu TinnitusSymptom, bei dem Geräusche wahrgenommen werden, die keine äußere, für andere Personen wahrnehmbare Quelle besitzt. . Bei etwa 120 Dezibel ist die Schmerzgrenze erreicht und das Gehör stark geschädigt.

«Der durchschnittlich gemessene Schallpegel in Kindertagesstätten verursacht zwar keine Hörschäden. Untersuchungen belegen aber, dass Lärm die sprachlichen Fähigkeiten, die Konzentration und die Lernleistungen negativ beeinflusst», sagt Bachtenkirch gegenüber news.de. Denn: Das sprachliche Kurzzeitgedächtnis sei besonders anfällig für Lärmstörungen. Es ist bedeutsam für das Erlernen der Mutter-, Schrift- und Zweitsprache. 

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«Unbestritten ist zudem, dass Lärm die Aggression fördert. In einigen Untersuchungen wurden klare Zusammenhänge zwischen dem Lärmpegel und körperlichen Stressreaktionen nachgewiesen», sagt die LVG-Mitarbeiterin.

Gefahr auch für Betreuerinnen

Auch die Erzieherinnen leiden unter dem permanenten Krach, der sich auf den gesamten Körper auswirkt. Das Problem sei, dass sie sich in der Kita nicht schützen können so wie ein Arbeiter auf einer Baustelle, der einen Hörschutz trägt. Lärmbelästigung in der Kita sei für die Erzieherinnen eine der gesundheitsschädigendsten Faktoren überhaupt. «Im Durchschnitt betreut eine Kindergärtnerin in Sachsen-Anhalt zwölf Kinder. Man kann sich vorstellen, welche Geräuschkulisse sie verursachen», sagt die LVG-Mitarbeiterin.

Permanenter Lärm ist ein Stressfaktor, der das autonome Nervensystem und das hormonelle System aktiviert. Dadurch schüttet es vermehrt Stresshormone aus, die wiederum in den Fettstoffwechsel eingreifen. Der Cholesteringehalt im Blut steigt an. Mögliche Langzeitfolgen sind unter anderem Bluthochdruck, Magengeschwüre, Herzinfarkt, Schlaf- sowie Konzentrationsstörungen und Depressionen.

Außerdem werden die Stimmbänder sehr beansprucht, weil die Betreuerinnen lauter sprechen müssen. Bachtenkirch wirft ein: «Viele Erzieherinnen identifizieren sich sehr stark mit ihrem Beruf und nehmen daher die eine oder andere gesundheitliche Unannehmlichkeit in Kauf.» Aber nur leistungsfähige, gesunde und zufriedene Erzieherinnen können eine gute Betreuungsarbeit für Kinder leisten, gibt sie zu bedenken.

Wie Lämprojekte für Ruhe sorgen, lesen Sie hier.

sca/som/news.de

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