Abspeckwahn So wird Essen nicht zum Problem

Abspeckwahn (Foto)
Jeder fünfte Jugendlliche ist anfällig für eine Essstörung. Bild: istockphoto

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Da bleibt einem der Bissen im Hals stecken: Jeder fünfte Jugendliche unter 18 Jahren hält sich für zu dick und will mit Diäten abspecken. News.de zeigt, wie Eltern den drohenden Magerwahn erkennen und ihn verhindern.

Deutschland speckt ab. Kein schlechter Vorsatz, um überflüssige Pfunde zu verlieren. Doch es sind zunehmend die Falschen, die sich dem Abspeckwahn hingeben, wie Reinhard Mann, klinischer Psychologe und Referatsleiter für Prävention ernährunggsbedingter Krankheiten von der der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), feststellt: Kinder und Jugendliche, die weit von Übergewicht entfernt sind – also einen Body-Mass-Index unter 25 aufweisen. Wer in jungen Jahren hungert, wird in der Regel ein Leben lang Gewichtsprobleme haben – von Essstörungen ganz zu Schweigen, warnt der Experte aus Köln.

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Der Psychologe wird mit Zahlen konfrontiert, die das ganze Ausmaß des falschen Schönheitsideals sichtbar machen. BzgA-Angaben zufolge sind 21 Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen elf und 17 Jahren anfällig für eine Essstörung. Aus unterschiedlichen Gründen: Zum einen kann mangelndes Selbstwertgefühl den Diätenwahn fördern, zum anderen kommt es laut Mann auf das familiäre Umfeld an. Besser gesagt: wie sich die Eltern verhalten. «Das, was die Jugendlichen sehen, nehmen sie vielfach mehr wahr, als das, was sie hören», erklärt der Psychologe. Mache gerade die Mutter eine Diät, so werde dem Kind vermittelt, dass die Abspeckkur legitim sei.

Das sind Anzeichen

Doch das Ziel, in wenigen Wochen viele Kilogramm zu verlieren, führe in die falsche Richtung. Vielmehr müssen die Eltern ihrer Vorbildfunktion gerecht werden: «Wer langfristig sein Gewicht reduzieren will, erreicht dies nur aus einer Kombination aus einer Ernährungsumstellung und ausreichend Bewegung», sagt Mann. Gerade bei Letzterem gilt für Kinder und Jugendliche: Mehr als eine Stunde Bewegung täglich - «egal wie intensiv sie ist». Zudem sollten die Eltern darauf achten, dass die Ernährung ausgewogen ist, «damit Essen nicht zum Problem wird», rät der Experte.

Ob dies bereits der Fall ist, können Eltern an folgenden Faktoren erkennen: «Muss sich das Kind nach dem Essen übergeben, wird es von Heißhunger-Attacken heimgesucht und dreht sich das ganze Denken nur noch ums Essen, sind das alarmierende Anzeichen», erklärt Mann. Noch eindeutiger: Verliert der Nachwuchs mehr als sechs Kilogramm an Gewicht innerhalb von drei Monaten, sollten die Eltern dies als Warnsignal verstehen und ihr Kind beobachten. «Am besten geht das bei einer gemeinsamen Mahlzeit, wo das Essen eine zentrale Bedeutung hat», empfiehlt der Experte.

Dabei sei es aber wichtig, die Essstörung nicht ständig zu thematisieren. Vielmehr sollte dem Experten zufolge die Hilfe von Beratungsstellen herangezogen werden, die kostenfrei und auch über Telefon wichtige Tipps gegen den Abspeckwahn liefern.

kra/news.de

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