Sa., 26.05.12

Telefonaktion 05.05.2011 Reiseimpfung - ja oder nein?

Impfen (Foto)
Bei Reisen ins Ausland gilt: Informieren Sie sich rechtzeitig über Impfungen. Bild: pr.nrw

Die Welt ist klein geworden, fast jedes Ziel per Flugzeug erreichbar. Dabei wird oft vergessen, dass in vielen Urlaubsregionen das Risiko für ernste Krankheiten besteht. Und das gilt nicht nur für Afrika, Asien oder Südamerika. Wie Sie auf Reisen gesund bleiben, wussten die Experten der news.de-Telefonaktion zu berichten.

Werden bei Reisen innerhalb Europas spezielle Reiseimpfungen empfohlen?

Bettina Flörchinger: Bei Reisen in Länder des Mittelmeerraums und Osteuropas wird die Impfung gegen Hepatitis A empfohlen. Bei längerem Aufenthalt und engem Kontakt zur Bevölkerung auch die Impfung gegen Hepatitis B. In großen Teilen des ehemaligen Ostblocks kann eine Impfung gegen Typhus, Tollwut und die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sinnvoll sein. Letztere wird auch in Regionen Bayerns und Baden-Württembergs empfohlen.

Daneben sollten grundsätzlich die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten nicht länger als zehn Jahre zurückliegen. Kinder, Jugendliche und Frauen im gebärfähigen Alter sollten außerdem gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken geschützt sein. Die Masernimpfung wird auch allen nach 1970 geborenen Männern mit unzureichendem Impfschutz empfohlen.

Welche Erkrankung wird durch Hepatitis-Viren ausgelöst?

Dr. Karl-Heinz Herbinger: Die Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die durch Viren der Typen A bis E ausgelöst wird. Besonders gefährlich sind Hepatitis B und C, da sie bei manchen Menschen chronisch werden. Dann können sie nach Jahren zu Leberversagen infolge einer Schrumpfung des Organs, der sogenannten Zirrhose, oder zu Leberkrebs führen.

Hepatitis A und E sind dagegen akute Formen, die immer vollständig ausheilen. Bei Schwangeren, älteren Menschen und bei Vorerkrankungen der Leber kann es allerdings zu schweren, teils tödlichen Verläufen kommen. Die Hepatitis D ist ein unvollständiges Virus, das nur aktiv werden kann, wenn es im Körper des Infizierten auf Hepatitis B-Viren trifft. Die Impfung gegen Hepatitis B kann also auch vor Hepatitis D schützen.

Wie wird Hepatitis übertragen?

Professor Gerhard A. Wiesmüller: Die Ansteckung mit Hepatitis A und E kann über den Verzehr von ungeschältem Obst, ungekochten Lebensmitteln - vor allem Fisch und Meeresfrüchten - und das Trinkwasser erfolgen. Die Übertragung von Hepatitis B, C und D erfolgt über den Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten. Ungeschützter Geschlechtsverkehr, operative Eingriffe und enger Kontakt zu Virusträgern sind die häufigsten Übertragungswege.

Ich habe einen Pauschalurlaub in einem türkischen Hotel gebucht und möchte nicht weiter im Land herumreisen. Sollte ich mich trotzdem gegen Hepatitis impfen lassen?

Dr. Karl-Heinz Herbinger: Die Türkei gehört zu den Risikogebieten für eine Hepatitis A-Infektion. Auch wenn Sie Ihr Hotel nicht verlassen, könnten Sie über Nahrungsmittel mit den Viren in Kontakt kommen. Die Schutzimpfung gegen Hepatitis A würde ich Ihnen in jedem Fall empfehlen. Unabhängig vom Reiseziel empfehle ich generell die Impfung gegen Hepatitis B, da eine Infektion das Risiko für einen schweren Verlauf birgt.

Gibt es auch einen Impfschutz gegen Hepatitis C und E?

Bettina Flörchinger: Nein, die Impfung gegen Hepatitis C und E ist leider nicht möglich. Hier hilft nur, durch das eigene Verhalten einer Ansteckung vorzubeugen: Vor einer Hepatitis C-Infektion können Sie sich durch Kondome beim Sex und den Verzicht auf Tätowierungen, Piercings oder Akupunktur am Urlaubsort schützen.

Vor der Hepatitis E, indem Sie den Verzehr von ungeschältem Obst, ungekochten Speisen und Eiswürfeln in Kaltgetränken meiden. Rohes Schweine- und Wildschweinfleisch kann ebenso eine Ansteckungsquelle sein - auch in europäischen Ländern. Ansonsten ist die Hepatitis E in Mittelasien, Afrika, Mittelamerika und der Türkei verbreitet. Ein mittlerer bis hoher Verbreitungsgrad der Hepatitis C findet sich in Teilen Südamerikas, Afrikas, Osteuropas und Asiens.

Welcher Impfschutz ist auf Fernreisen wichtig?

Professor Dr. Wiesmüller: Diese Frage lässt sich nur individuell beantworten und hängt vom genauen Reiseziel, der Reisezeit, der gesundheitlichen Verfassung und den geplanten Aktivitäten ab. Vor Fernreisen ist eine reisemedizinische Beratung also unverzichtbar.

Neben wichtigen Impfungen können auch noch weitere vorbeugende Maßnahmen, wie etwa die Malaria-Prophylaxe notwendig sein. Das Auswärtige Amt und die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. bieten ständig aktualisierte Empfehlungen zu Impfungen und anderen Schutzmaßnahmen. Sie finden diese Hinweise im Internet unter www.auswaertiges-amt.de und www.dtg.org.

Wie lange vor dem Urlaub sollte ich das Thema Reiseimpfungen angehen?

Dr. Stephan Lupp: Beginnen Sie spätestens vier bis sechs Wochen vor der Abreise mit den Schutzimpfungen, idealerweise früher. Das ist wichtig, damit sich bis zur Abreise ein ausreichender Impfschutz aufgebaut hat. So sollten beispielsweise zwei Hepatitis A und B Kombinationsimpfungen vor der Abreise erfolgen, zwischen denen ein Monat Abstand liegt. Doch auch wenn Sie spät dran sind: Viele Impfungen können noch bis kurz vor der Abreise durchgeführt werden. Besprechen Sie das Thema am besten mit einem reisemedizinisch fortgebildeten Arzt.

Ich bin schwanger. Gibt es Gegenden, die ich jetzt lieber nicht bereisen sollte?

Dr. Stephan Lupp: Schwangere sollten grundsätzlich nicht in die Tropen reisen. Krankheiten wie das Dengue-Fieber oder die Malaria können während der Schwangerschaft erheblich schwerer verlaufen als sonst.

Beim Thema Impfen sollte immer eine sorgfältige Risikoabwägung erfolgen. So ist eine Gelbfieberimpfung beispielsweise nur im Notfall vorzunehmen. Auch bei Reisen innerhalb Europas können Impfungen ein Thema sein: Möchten Sie eine Region besuchen, in der die Hepatitis A verbreitet ist, würde ich eine Impfung empfehlen, da das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs relativ hoch ist. Wenn Sie genau wissen, wohin es gehen soll, besprechen Sie das Thema am besten mit Ihrem Frauenarzt.

Wo finde ich die Adressen von Reisemedizinern?

Bettina Flörchinger: Eine Postleitzahlensuche bieten beispielsweise die Internetseite des Centrums für Reisemedizin oder die reisemedizinische Infoseite www.fit-for-travel.de.

Erstatten die Krankenkassen die Kosten für Reiseimpfungen?

Dr. Stephan Lupp: Einige Krankenkassen erstatten die Kosten für alle wichtigen Reiseimpfungen. Am besten erkundigen Sie sich bei Ihrer Kasse, ob die sich an den Kosten beteiligt. Eine Liste der Krankenkassen, die die Kosten entweder ganz oder anteilig erstatten, finden Sie auch im Internet unter www.fit-for-travel.de.

Die Experten am Telefon: Professor Gerhard A. Wiesmüller, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, Leiter der Abteilung Infektions- und Umwelthygiene des Gesundheitsamtes der Stadt Köln; Dr. Karl-Heinz Herbinger, Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, Ludwig-Maximilians Universität München; Dr. Bettina Flörchinger, Ärztin im CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf; Dr. Stephan Lupp, Facharzt für Reise- und Tropenmedizin, Gelbfieberimpfstelle, Bruchsal.

rzf/beu/news.de
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