Schnarchen Baustelle Schlafzimmer

Schnarchen (Foto)
Eine schlaflose Nacht droht, wenn der Partner schnarcht. Bild: istockphoto

Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Wenn der Partner im Schlaf so laut ist wie ein Presslufthammer, bleibt oft nur die Flucht aufs Sofa - um wenigstens noch etwas Ruhe zu bekommen. Schnarchen kann so zum Beziehungskiller werden. Wir wissen, wie Sie gemeinsam Schlaf finden.

In Deutschlands Schlafzimmern herrscht Krach: Etwa jeder dritte Bundesbürger schnarcht. Junge Menschen sind seltener betroffen als Ältere. Mit zunehmendem Alter wird mehr gesägt: Etwa 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen über 60 Jahre sorgen für nächtliche Ruhestörung. Die Geräusche reichen von einem leichten Prusten von etwa 20 Dezibel - was einem Flüstern entspricht - bis hin zu nervtötendem Dröhnen.

Einige Schnarcher erreichen Lärmpegel von bis zu 90 Dezibel. Das ist so laut wie ein stark beschleunigendes Motorrad oder ein Presslufthammer. Das sorgt nicht nur für Unruhe beim Partner, sondern stört oft auch den Rest der Familie. Der Schnarcher aber merkt meist nichts vom Lärm, den er verursacht.

Warum schnarchen wir?

Hilfe ohne Arztbesuch
Die Wehwehchen-Praxis

Der Krach im Schlafzimmer kommt aus dem Rachen, in dem Zäpfchen und Gaumensegel fröhlich hin- und herflattern und laute, röchelnde Töne erzeugen. Der häufigste Grund: zu enge Atemwege. Durch sie muss sich die Luft regelrecht zwängen. Sie wird mit großer Kraft durchgepresst und lässt so Zäpfchen und Gaumensegel vibrieren - wie eine Fahne im Wind.

Doch wodurch entsteht diese Enge, die nur nachts auftaucht? Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Im Rachen befinden sich etwa 20 Muskeln, von denen einige während der Ruhephase entspannt sind. Der Rachen ist im Schlaf daher generell etwas enger. Sind die Muskeln aber zu schlaff, gibt es für Zäpfchen und Gaumensegel kein Halten mehr. Es ertönen die sägenden Geräusche. Da die Muskeln mit zunehmenden Alter erschlaffen, steigt auch das Schnarchrisiko mit den Lebensjahren.

Zum Engpass für den Atem kann es außerdem kommen, wenn die Mandeln oder die Zunge zu groß sind oder der Kiefer zu kurz geraten ist. Auch eine Rückenlage kann dazu führen, dass das Atmen mit Störgeräuschen verbunden ist. Der sogenannte Zungengrund kann im Schlaf nach hinten rutschen, die Luft hat dann wenig Platz, den Rachen zu passieren.

Aber nicht nur diese Faktoren behindern den Luftstrom. Auch Medikamente und Alkohol lassen bisweilen die schlafraubende Nachtmusik ertönen. Denn: Sie entspannen die Muskeln, es kommt zum oben beschriebenen Zustand. Interessant: Übergewichtige schnarchen häufiger als Schlanke. Das Fett sitzt nämlich nicht nur an den Problemzonen, sondern auch im Hals und verengt dort die Atemwege.

Bei einigen wiederum ist die Nase der Auslöser für das fröhliche Nachtkonzert. Alles, was sie verstopft oder enger macht, führt dazu, dass durch den Mund geatmet wird. Das können Polypen, eine Allergie oder ein simpler Schnupfen sein.

Was hilft?

Normales Schnarchen ist nicht gesundheitsschädlich. Ärzte bezeichnen diese harmlose Form als primäres oder habituelles Schnarchen. Im Kampf gegen den nächtlichen Lärm werden viele Wundermittel in Apotheken und Drogerien angeboten. So gibt es unzählige Sprays und Tropfen, die auf die Muskulatur wirken sollen. Die meisten Produkte helfen den Betroffenen nicht, sondern kosten nur Geld.

Ein paar Tricks aber können tatsächlich dienlich sein. Gehören Sie zu den Ruhestörern, dann verzichten Sie auf alkoholische Getränke vor dem Zubettgehen. Einige Schnarcher schwören auf Nasenklammern, die das Atmen nachts erleichtern, indem sie die Nasenflügel weiten. Andere nutzen Nasenpflaster. Es wird auf den Nasenrücken geklebt und so fixiert, dass die Nasenflügel leicht nach oben gezogen werden. Das Atmen fällt leichter.

Liegen Sie lieber auf dem Rücken? Dann versuchen Sie eine seitliche Liegeposition einzunehmen. Damit Sie sich nachts nicht automatisch auf den Rücken drehen, gibt es Hilfmittel wie spezielle Kissen, Shirts und Rückengurte. Alternativ können Sie auch einen Tennisball an einem T-Shirt im Rückenbereich anbringen. Versuchen Sie außerdem die Position des Oberkörpers zu erhöhen, etwa durch einen verstellbaren Lattenrost. Aber: Wenn Sie sich unwohl damit fühlen und es Ihren Schlaf negativ beeinflusst, dann sollten Sie davon absehen.

Ein ruhiges, dunkles und kühles Schlafzimmer kann dem Schlummer ebenfalls zuträglich sein. Versuchen Sie darüberhinaus einen ausgeglichen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten: Springen Sie immer zur gleichen Zeit in die Federn.

Haben Sie einen verkürzten Unterkiefer, könnte eine spezielle Schiene helfen - ähnlich einer Zahnspange. Der Unterkiefer wird durch sie vorne gehalten und die Zunge fällt im Schlaf nicht zurück. Billig ist das allerdings nicht: Der Zahnarzt fertigt extra eine Spezialkonstruktion für die Zähne an und dafür müssen Betroffene etwa 700 bis 900 Euro einplanen. Von Billigschienen aus dem Internet sollten Sie lieber die Finger lassen, da diese für die Zähne schädlich sein können.

Auch Abnehmen kann helfen. Das senkt nicht nur andere Risiken wie die für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Folge zu hohen Cholesterins oder Diabetes. Durch die Gewichtsreduktion wird Körperfett in allen Körperbereichen abgebaut, auch im Rachenraum, wo es die Atemwege verengt und so zum Schnarchen führt.

Zum Arzt sollte, wer intensiv und sehr laut sägt, oder wenn das Schnarchen immer wieder durch Atemaussetzer unterbrochen wird. Selbst merken die Betroffenen aber nichts, außer dass sie sich tagsüber extrem müde und erschöpft fühlen. Durch die sogenannte Schlafapnoe bekommt der Körper nicht ausreichend Luft und das kann auf Dauer gefährlich werden. Denn: Die so wichtige Erholungsphase ist durch die Atemaussetzer empfindlich gestört. Der Körper befindet sich im Dauerstress, das Stresshormon Cortisol wird ausgeschüttet. Der Schlaf wird dadurch leichter, Tiefschlafphasen finden kaum mehr statt.

Das führt am Tag zu Konzentrationsschwierigkeiten. Wie das Ärzteblatt meldet, sei zudem das Sterblichkeitsrisiko bei älteren Menschen mit Schlafapnoe und einer übermäßigen Tagesschläfrigkeit doppelt so groß wie bei Nichtbetroffenen. Forscher vermuten zudem einen Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Bluthochdruck, Herzinfarkt sowie Schlaganfall.

Lesen Sie hier weitere Tipps, wie Sie kleinere gesundheitliche Probleme auch ohne Arzt bewältigen.

som/bok/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Gerhard Rode
  • Kommentar 2
  • 04.05.2011 17:47

Ja, es ist leider wahr, dass das Schlafzimmer immer mehr zur Baustelle und das Schnarchen zur allgemeinen Volkskrankheit wird. Nach der komplizierten und problemhaften Anwendung des nCPAP-Gerätes habe ich die Selbsthilfe-Therapie, ein ursachenorientiertes Muskefunktionstraining der relevanten Mund- und Gaumenteile: die FaceFormer-Therapie nach Dr. Berndsen, gefunden, die nur EURO 49,00 kostet und heilende Wirkung beinhaltet. Meine Beratungs-WEBsite: www.schnarchen-ade.info Einfach anklicken und lesen, wie ein schwerer Schlafapnoeiker sein Leben wieder in den Griff bekam! Gerhard Rode

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  • Christopher Schmeil
  • Kommentar 1
  • 04.05.2011 14:14

Gut geschrieben, aber in einem Punkt ergänzungsbedürftig: Die erwähnten individuell vom Fachmann angepaßten Unterkiefer-Schienen (im Fachchinesisch "Unteriefer-Prutrusionsschienen" genannt) gibt es auch günstiger: bei www.schluss-mit-dem-schnarchen.de für 299 Euro, bei gleicher Qualität und Betreuung wie beim Zahnarzt. 700 bis 900 Euro ist ein absurd hoher, aber leider durchaus gängiger Zahni-Preis.

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