Sa., 26.05.12

Hodenkrebs 05.05.2011 Angriff auf die Männlichkeit

Hodenkrebs (Foto)
Selbst im fortgeschrittenen Stadium liegen die Heilungschancen bei Hodenkrebs bei mehr als 90 Prozent. Bild: istockphoto

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Das Krebsrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Bei Hodenkrebs ist jedoch das Gegenteil der Fall. Bei Männern bis 40 Jahren befindet sich jeder dritte Tumor im Unterleib. Wird er früh erkannt, bleibt neben dem Leben auch die Männlichkeit erhalten.

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Wer denkt schon in jungen Jahren an eine so ernsthafte Erkrankung wie Krebs? Genau das macht den Tumor im Unterleib so gefährlich, warnt der Bonner Urologe Reinhold Schaefer: «Tückisch an Hodenkrebs ist zum einen, dass Betroffene die schmerzlosen Veränderungen häufig gar nicht wahrnehmen. Zum anderen bleibt es zwar eine seltene Krankheit, bildet in der Altersklasse der 15- bis 25-Jährigen aber die häufigste Krebsart.»

Die Zahlen des Robert-Koch-Institutes zeigen: Zwei Prozent aller Krebsneuerkrankungen werden im Hoden festgestellt. Jährlich erkranken daran rund 4750 Männer. Zum Vergleich: Bei Darmkrebs sind es im Schnitt über 37.000 Männer, bei Lungenkrebs mehr als 32.000.

Bei der Analyse der Altersgruppen wird jedoch eines deutlich: So selten der Hodenkrebs im Vergleich zu anderen Tumorerkrankungen auch ist, so trifft er vor allem junge Vertreter des starken Geschlechts. Jede dritte Diagnose ist ein bösartiger Tumor im Geschlechtsorgan. Bei 95 Prozent aller Patienten ist nur einer der beiden Hoden vom Krebs befallen.

Wärme und Gene bergen Risiken

Doch was sind die Ursachen? Viele Betroffene haben Schaefer zufolge einen sogenannten Hodenhochstand - eine Entwicklungsstörung. «Die Hoden sind schon vor der Geburt nicht in den Hodensack gewandert, sondern sind in der Leiste steckengeblieben», erklärt der Urologe. Viele Patienten gehören zudem zur Risikogruppe, weil genetische Erkrankungen in der Familie vorliegen.

Das Krebsrisiko steigt laut dem Bonner Urologen zudem, wenn die Hoden Wärme ausgesetzt werden - beispielsweise durch zu warme Kleidung. Hitze sei ein natürlicher Feind. «Nicht umsonst befinden sich die Hoden außerhalb des Körpers», sagt Schaefer. Dass vor allem junge Männer von Hodenkrebs betroffen sind, könnte mit der Produktion des Geschlechtshormons Testosteron zusammenhängen. Eindeutig erforscht sei dies jedoch nicht, sagt Schaefer.

Wie aber erkennt Mann, dass sich ein Geschwür in einem der beiden Hoden gebildet hat? Als bewährte Methode empfiehlt der Urologe, die Hoden selbst abzutasten. Sind sie vergrößert und berührungsempfindlich, hat sich Flüssigkeit angesammelt. Lässt sich ein Knoten ertasten, muss schnell der Facharzt aufgesucht werden. «Durch eine Ultraschall-Untersuchung können wir nachweisen, wo Ursachen für eine Schwellung liegen», erklärt der Spezialist.

Bluttests gäben zusätzlich Auskunft, ob erhöhte Blutwerte auf Hodenkrebs hindeuteten, da die Tumore verstärkt Eiweiße und Hormone produzieren würden. Um eindeutig Krebs diagnostizieren zu können, müsse jedoch eine Gewebeprobe entnommen werden.

Kaum Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit

Wie die anschließende Therapie aussieht, hängt vom Stadium des Tumors ab. Doch Schaefer macht Hoffnung: «Die Heilungschancen bei Hodenkrebs sind äußerst gut und die Gefahr, dass nach einer Heilung der gesunde Hoden erkrankt, verschwindend gering.» Laut Deutscher Krebsgesellschaft wird der Krebs im Frühstadium bis zu fast 100 Prozent geheilt - selbst in fortgeschrittenen Stadien genesen mehr als 90 Prozent der Männer wieder vollständig und können ihrer Arbeit nachgehen.

Noch eine gute Nachricht: Ist das Geschwür kleiner als ein Drittel des gesamten Hodenvolumens, wird das Karzinom herausoperiert - der Hoden bleibt erhalten. Sind die Tumore größer, wird der Hoden entfernt. Einbußen in der Fruchtbarkeit gibt es nur dann, wenn beide Hoden herausoperiert werden müssen - was jedoch nur in wenigen Fällen geschieht.

Je nach Diagnose können auch Bestrahlung oder Chemotherapie notwendig sein. Der Heilungsprozess kann in schwieirgen Fällen bis zu einem Jahr andauern. Wichtig sei es laut Schaefer, sich nach der Heilung regelmäßig vom Facharzt untersuchen zu lassen, um einem Rückfall oder einer Folgeerkrankung vorzubeugen.

ham/som/news.de
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