Sa., 26.05.12

Angst vor Tieren 02.05.2011 Ich glaub, ich spinne

Spinnenphobie (Foto)
Spinnen können krankhafte Angst auslösen. Bild: dak/ Wigger

Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki

Spinnen, Schlangen oder Mäuse machen vielen Menschen Angst. Sie erstarren, zittern und der Schweiß läuft von der Stirn. Wie eine Angst vor Tieren entsteht, weshalb sie oft unbegründet ist und wie sie wieder vergeht, erfahren Sie auf news.de.

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Millionen Menschen haben eine spezifische Phobie, von denen es etwa 150 Arten gibt. Die häufigsten Phobien betreffen Tiere, wobei Spinnen die Rangliste anführen. 30 bis 40 Prozent der Deutschen leiden unter einer Spinnenphobie. Doch nicht nur die Achtbeiner machen Angst. Für Schrecken sorgen auch Schlangen, Ratten, Mäuse, Hunde, Katzen und Bienen. Sie lösen bei den Betroffenen Unbehagen, Schweißausbrüche und Herzrasen aus. Ein Bild des Tieres oder ein Gedanke daran reichen dafür schon aus.

Typisch für Phobiker: Sie gehen dem Angst auslösenden Tier aus dem Weg, Wohnungen werden spinnenrein gehalten. Das aber verstärkt die Angst und provoziert als Folge dessen eine Erwartungsangst. Allein die bloße Vorstellung, eine Spinne könnte sich von der Decke abseilen, weckt Angstgefühle.

Männer reagieren mit Gewalt, erschlagen das Objekt der Furcht mit der Zeitung. Frauen flüchten lieber. In einem gleichen sich die Geschlechter aber: Sie reagieren übertrieben und unangemessen - ein Kennzeichen für eine Phobie. Denn der Schrecken hat selten etwas mit einer echten Bedrohung zu tun.

Wie entstehen Tierphobien?

Tierphobien entwickeln sich meist in der Kindheit: Zwischen zwei und vier Jahren ist das Risiko dafür am höchsten. «Für Erwachsene gehört es eher zu den Ausnahmen, eine Tierphobie zu entwickeln. Die meisten bringen sie schon aus der Kindheit mit», sagt Herbert Mück, Psychotherapeut aus Köln

Wie eine Tierphobie entsteht und welche Ursachen sie hat, ist nicht immer eindeutig. Psychologen haben mehrere Erklärungsansätze. So kann ein traumatisches Erlebnis wie ein Hundebiss die Angst auslösen. Durch eine sogenannte Reizkoppelung könne eine Tierphobie zudem jederzeit neu entstehen: Während einer Angstattacke befindet sich ein Tier mehr oder weniger zufällig in der Situation und wird dadurch zum Erinnerungsreiz. Sobald der Betroffene das Tier erblickt, erinnert er sich an die einmal erlebte Angst und reagiert mit ähnlichen Gefühlen.

Wie bei anderen Phobien, kann auch das Verhalten der Eltern eine entscheidende Rolle spielen. So entwickeln Kinder phobischer Mütter oder Väter oft die gleichen Tierängste. Schreckt ein Elternteil ständig vor Spinnen zurück oder wechselt die Straßenseite, wenn ein Hund auftauche, wird das Kind nicht unbefangen mit dem jeweiligen Tier umgehen. Das nennen Psychologen Lernen am Modell.

Besonders bei Spinnen und Schlangen sei die Bereitschaft zu Furchtreaktionen groß. Und noch etwas fällt auf: «Menschen mit spezifischen Phobien», wie der Angst vor Tieren, «sind sehr häufig stressanfällig oder im Vergleich zu anderen Menschen gesteigertem Stress ausgesetzt», weiß Mück. Ihr Nervensystem sei in höchster Alarmbereitschaft.

Die Angst besiegen

Viele Menschen scheuen den Gang zum Psychotherapeuten. Der DAK zufolge haben etwa 30 Prozent der Bundesbürger eine latenteversteckt Angstbereitschaft. Eine Therapie lehnen sie ab, weil die Beschwerden zu ertragen seien. Ein weiteres Argument der Arztvermeider: Sie befürchten, als verrückt abgestempelt zu werden. Doch Ängste können sich verstärken. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Behandlung.

Sehr gute Erfolge erzielt die Konfrontationstherapie, eine Form der Verhaltenstherapie. Der DAK zufolge liegt die Erfolgsquote zwischen 70 und 90 Prozent. In der Therapie müssen sich die Patienten ihrer Angst stellen.

Die Konfrontation kann auf zwei Wegen erfolgen: «Die sanftere, aber zeitaufwändigere Methode ist die Desensibilisierung», erklärt Mück. Dabei werden Phobiker nach und nach dem Angstreiz ausgesetzt. Der Patient gewöhnt sich allmählich an das Tier.

Das kann wie folgt ablaufen: Zuerst spricht der Therapeut mit dem Patienten über das Tier, informiert sachlich über die Tierphobie und das Angst auslösende Objekt. Das soll die Scham vor der eigenen Krankheit nehmen, Sympathie und Vertrauen zum Tier aufbauen. Hervorgehoben werden der Nutzen des Tieres für den Menschen und die positiven Eigenschaften. Ein Hund sei beispielsweise ein Wächter, ein guter Freund. Spinnen fangen lästige Insekten. Bienen bestäuben Blüten und sorgen dafür, dass Früchte gedeihen.

Zusätzlich schaut sich der Patient Fotos, Filme oder Plastiken an und malt das Tier. In einer weiteren Phase steht die vorsichtige Annäherung an das angsteinflößende Objekt auf dem Plan. Das kann ein Besuch im Zoo, der Tierhandlung oder im Museum sein. Danach folgt die direkte Konfrontation. Beispielsweise setzt der Therapeut dem Phobiker eine Spinne auf die Hand oder lässt ihn eine Katze streicheln.

Bei der Desensibilisierung kommt häufiger der Computer zum Einsatz. Statt sich gleich dem Tier zu nähern, konfrontiert der Therapeut den Patienten damit virtuell. Dafür setzt der Angstpatient eine Spezialbrille oder einen Datenhelm auf und beobachtet eine angstauslösende Situation in 3D. Die Reaktion ist die gleiche wie in einer realen Situation - etwa im Zoo.

Die zweite Form der Konfrontation ist das sogenannte Flooding, von dem die meisten Psychologen abraten. Dabei wird der Betroffenen mit dem höchsten Reiz konfrontiert. Geht das Reizüberfluten schief, verstärkt das die Angst.

Zusätzlich zu den Konfontationstherapien empfehlen Therapeuten, verschiedene Entspannungsmethoden wie Atemtechnik zu lernen. «Sie senken den allgemeinen Erregungspegel und melden dem Gehirn eine entspannte Situation an der Front zurück», so Mück.

Für Hilfesuchende gibt es in ganz Deutschland zahlreiche Angstambulanzen. Ein Verzeichnis der Angstambulanzen in Deutschland gibt es unter www.dak.de.

sca/ham/news.de
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