Sa., 26.05.12

Schwangerschaft 12.04.2011 Stress im Bauch beschert dicke Töchter

Mütterliche Stresshormone (Foto)
Wer sich in der Schwangerschaft zu stark aufregt, muss damit rechnen, dass das Kind im Erwachsenenalter fett wird. Bild: dpa

An alle werdenden Mütter: Bitte in der Schwangerschaft nicht aufregen, sonst werden Eure Töchter dick. Denn die mütterlichen Stresshormone fördern die Entwicklung von Fettzellen des Ungeborenen. Aber nicht bei Jungs.

Dieses Phänomen ließ die Forschung nicht kalt: Bei großem körperlichem oder psychischem Stress in der Schwangerschaft bringen Frauen häufiger Kinder zur Welt, die später an Fettleibigkeit erkranken. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, haben amerikanische Wissenschaftler jetzt Tests an Mäusen unternommen.

Erhielten trächtige Weibchen eiweißarme Kost, war der Hormonspiegel im Blut bei Stresshormonen und dem Botenstoffs Neuropeptid Y (NPY), der unter anderem das Wachstum von Fettgewebe anregt, erhöht. Dann entwickelten die weiblichen Nachkommen bei fettreicher Ernährung übermäßig viel Bauchfett.

Dass dafür die Stresshormone verantwortlich waren, zeigten Experimente mit embryonalen Stammzellen von Mäusen. Diese reagierten auf das Stresshormon AdrenalinDas Hormon Adrenalin wird in der Nebenniere gebildet und bei Stress ausgeschüttet. Es steigert die Herzfrequenz und den Blutdruck, damit der Körper sich auf die Belastung einstellen kann. , indem sie sich beschleunigt in Fettzellen umwandelten. Deren NPY-Gen wies Veränderungen auf, die das Gen aktivierten. Es sei denkbar, dass sich diese Veränderungen, die das Risiko für Fettleibigkeit erhöhen, nach der Geburt noch rückgängig machen ließen, sagten die Wissenschaftler auf der Tagung Experimental Biology 2011 in Washington.

«Alle unsere Daten weisen darauf hin, dass Stress Veränderungen des Gens für NPY und seines Rezeptors bewirken könnte. Das würde das Erbgut der Nachkommen darauf programmieren, große Mengen an Bauchfett zu entwickeln», erklärte Ruijun Han aus dem Forscherteam von Zofia Zukowska an der University of Minnesota in Minneapolis. Durch eine eiweißarme Ernährung während Schwangerschaft und Stillzeit erzeugten die Wissenschaftler bei Mäusen einen hohen Spiegel an Adrenalin und anderen Stresshormonen. Das bewirkte offenbar Veränderungen in den Genen der Föten, die an die nächste Generation weitergegeben werden können und das Risiko, an Fettleibigkeit zu erkranken vergrößern.

Die Nachkommen der schlecht ernährten Mäuse hatten ein unterdurchschnittliches Geburtsgewicht. Nach der Entwöhnung nahmen die weiblichen Tiere bei fettreicher Kost viel schneller zu als die Nachkommen normal ernährter Mütter. Sie bildeten mehr Bauchfett und entwickelten eine Vorstufe von Diabetes. Ihr NPY-Blutspiegel war erhöht und die Fettzellen produzierten mehr NPY-Rezeptoren, was die Wirksamkeit des Botenstoffs weiter verstärkte. Warum diese Effekte bei männlichen Nachkommen gestresster Mütter nicht auftreten, ist noch unklar.

Aus Experimenten mit embryonalen Stammzellen schließen die Forscher, dass Adrenalin auf die Gene früher Embryonen einwirken könnte. Das Stresshormon begünstigte die Umwandlung von Laborkulturen der Stammzellen in Fettzellen. Eine solche epigenetische Veränderung ist prinzipiell umkehrbar. Daher wäre es laut Han möglich, eine vorbeugende Behandlung zu entwickeln. Während der Schwangerschaft oder in der frühen Kindheit könnte verhindern, im Erwachsenenalter fettleibig zu werden.

sca/ham/rzf/news.de/wsa
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