Sa., 26.05.12

Kinderherz in 3D 07.04.2011 Neuer Ultraschall erleichtert Behandlung

Kinderherzen in 3D (Foto)
Oberarzt Robert Dalla Porza zeigt eine 3D-Ansicht eines Kinderherzens. Bild: dpa

Angeborene Herzfehler von Kindern können vermutlich bald einfach und zuverlässig per Ultraschall diagnostiziert werden. Die sogenannte 3D-Echtzeit-Echokardiographie macht es möglich.

Die 3D-Echtzeit-Echokardiographie ergänzt die Standardmethoden Kernspintomographie und Herzkatheter, sagt Robert Dalla Pozza, Oberarzt der Kinderkardiologie am Universitätsklinikum München. Es sei möglich, das Herz live und dreidimensional zu sehen oder dem Chirurgen die gespeicherten Bilder während einer OP vorzuspielen. Die neue Technik sei frei von Nebenwirkungen und tue Kinder nicht weh. Beruhigungsmittel oder Narkosen seien nicht mehr nötig. Ebenso seien die kleinen Patienten keiner Röntgenstrahlung mehr ausgesetzt.

Einziges Manko: Als Standardverfahren könne die Diagnoseform noch nicht eingesetzt werden, sagte Dalla Pozza. Es fehlten Normwerte, mit denen die Untersuchungsergebnisse zuverlässig interpretiert werden können. Deshalb ist am Münchner Uniklinikum ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen worden, das diese Werte bis März 2013 definieren will. Finanziert wird das Vorhaben von der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren. Neben München beteiligen sich die Bonner Universitätskinderklinik sowie das Zentrum für angeborene Herzfehler des Herz- und Diabeteszentrums Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen.

Dazu müssen in der Forschungsphase die Herzen von 500 gesunden Kindern untersucht werden. Gerade Eltern, die sich unsicher sind, ob ihr Kind einen Herzfehler hat oder nicht, können sich an der Studie beteiligen und damit Zweifel aus dem Weg räumen.

In Deutschland kommen jeden Tag im Durchschnitt 19 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Unerkannt oder unbehandelt verläuft die Organfehlbildung bei Neugeborenen in vielen Fällen tödlich. Im Kinderherzzentrum in München werden jährlich 500 Kinder mit angeborenen Herzfehlern betreut. Viele von ihnen müssen bereits direkt nach der Geburt oder in den ersten Lebenswochen behandelt und oft auch operiert werden. Die Echtzeit-Kardiographie könne den kleinen Patienten den Start ins Leben erleichtern, meinen die Münchner Mediziner. Damit soll ein langjähriger Diagnose- und Therapiemarathon vermieden werden.

sca/ham/news.de/dpa
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