Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Das Ozonloch wächst immer weiter und erhöht die Gefahr, sich die Haut zu verbrennen. Besonders im Frühling sind Sonnenstrahlen nicht zu unterschätzen. Warum das so ist und wie sich die Haut schützen lässt, erfahren Sie hier.
Die Weltwetterorganisation meldet, dass das Ozonloch über der Arktis in diesem Frühjahr so groß ist wie noch nie. Es besteht die Möglichkeit, dass es nach Mitteleuropa driftet, eventuell sogar bis zum Mittelmeer, sagt Atmosphärenphysiker Markus Rex vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI). Die unter dem Ozonloch zu erwartende UV-Strahlung entspreche in etwa der normalen Belastung im Hochsommer.
Weshalb ist Ozon für die Haut wichtig?
OzonDreiwertiger Sauerstoff.
ist ein Gas, das vor der energiereichen ultravioletten Strahlung schützt und damit vor Hautschäden. «Ozon ist in der Lage, die kurzwelligen Teile des UV-Lichtes, also UV-C, herauszufiltern», erklärt Hautarzt Dr. Hans-G. Dauer. Das Vertrackte: Je kurzwelliger die Strahlung, desto gefährlicher ist sie. «Haben wir ein Ozonloch, dann haben wir eine erhöhte kurzwellige, aggressive Strahlung, die auf die Erdoberfläche prasselt. Das führt zu schnelleren Hautverbrennungen», erklärt der Arzt.
Laut Dauer fehlt der Atmosphäre im Frühling generell genügend Ozon, um eine ausreichende Ozonschicht zu bilden. Das Risiko eines Sonnenbrandes sei unabhängig vom Ozonloch im März, April und Mai erheblich erhöht. «Das Problem ist, dass die meisten Menschen so früh im Jahr noch nicht mit einem schnell auftretenden Sonnenbrand rechnen», sagt Physiker Rex. Viele Menschen erliegen im Frühling dem Trugschluss, dass die Sonne weniger intensiv scheine als im Sommer, weil die Temperaturen nicht so hoch sind. Empfindliche Menschen können ohne Schutz binnen weniger Minuten Sonnenbrand bekommen.
Ein weiteres Problem: Über den Winter ist die Haut der Sonne entwöhnt. «Ihr fehlt die sogenannte Lichtschwiele», so Dauer. Diese wird gebildet, wenn UV-Licht auf die Haut trifft. Die hornbildenden Zellen der Oberhaut werden dicker, plustern sich etwas auf, damit die nachfolgende Strahlung nicht so tief eindringen kann. Dauer zufolge entspricht das einem Lichtschutzfaktor von vier bis fünf.
Im Frühling existiert dieser natürliche Schutz noch nicht, weil die Haut im Winter durch Bekleidung verdeckt ist und sich die Menschen vorwiegend in Räumen aufhalten. Demzufolge ist die Haut empfindlicher. «Mit dem niedrigen Ozon in der Atmosphäre ist das eine Doppelbelastung für unser größtes Organ», erklärt der Experte.
Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann die Haut lichtempfindlicher machen. Dazu gehören beispielsweise Antidepressiva, Antibiotika, einige schmerzstillende sowie entzündungshemmende Präparate. Mittel zur Behandlung von Rheuma, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck können die Haut ebenso sensibler machen. Experten sprechen dabei von der sogenannten Photosensibilisierung. Schon bei relativ wenig UV-Licht kann die Haut rot werden. Es entstehen Blasen und mitunter kommt es zu Pigmentstörungen. Eine solche Reaktion kann sofort nach Einnahme des entsprechenden Medikaments erfolgen, aber auch nach wenigen Tagen.
So schützen Sie sich vor Sonnenbrand
Informieren Sie sich über die Risiken der Sonneneinstrahlung. Im Internet gibt es kostenlose UV-Checks, die über den Eigenschutz der Haut am aktuellen Standort informieren. So erfahren Sie, welchen UV-Schutz Sie benötigen. Ein solches Serviceangebot gibt es unter uv-check.de. «Über Handy ist das Angebot ebenfalls abrufbar. Das Tolle: Man bekommt genaue Empfehlungen, beispielsweise, wie viele Stunden man am Tag in der Sonne verbringen kann», sagt Dauer.
Meiden Sie möglichst direkte Sonneneinstrahlung zwischen 11 und 15 Uhr. Dann ist die Strahlung am intensivsten. «Für den April reicht ein Lichtschutzfaktor von 10 bis 15 in Deutschland völlig. Auch mit dem Ozonloch, es sei denn, jemand will acht Stunden im Biergarten sitzen», empfiehlt Dauer. Für einen ausgedehnten Spaziergang im Park oder einen Stadtbummel sind leichte, fettfreie Gels ideal. Für ein Sonnenbad im Garten sind fettreiche Cremes zu bevorzugen.
Kinder und Säuglinge sollten immer eingecremt werden, da sie besonders gefährdet sind. «Ihre Haut ist noch nicht so abwehrstark wie bei Menschen über 18 Jahren. Da reichen schon kleinste Mengen an Strahlung, die zu Verbrennungen führen», warnt Dauer. Ratsam ist, für Kinder eine Creme mit höherem Lichtschutzfaktor zu verwenden. Besonders gefährdet sind auch Menschen mit vielen Muttermalen, sehr heller Haut, Ältere und immunsupprimierte Patientenzum Beispiel Patienten mit Nierentransplantation
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Für diese Risikogruppen gibt es moderne Cremes, die sowohl vor UV-A als auch vor UV-B-Strahlung schützen. Wichtig: richtig eincremen. Wer die Creme zu dünn und ungleichmäßig aufträgt, riskiert Verbrennungen, Pusteln und Schmerzen. Interessant für sehr empfindliche Menschen ist zudem der textile Sonnenschutz. Wer sich mit dieser speziellen Kleidung schützen will, sollte auf den internationalen UV-Standard 801 achten. Ansonsten ist eine Kopfbedeckung zu empfehlen, vor allem für Sportler und Outdoor-Arbeiter wie Fensterputzer, Bauarbeiter oder Fahrradkuriere.
ham/zij/ivb/news.de/dpa