Sa., 26.05.12

Autismus 15.03.2011 Ein Roboter lehrt das Lachen

Emotionen lernen mit einem Roboter (Foto)
Eden Sawczenko ist autistisch. Mit Roboter Kaspar lernt sie, ihre Emotionen zu leben und auszudrücken. Bild: dapd

Autistische Kinder können Emotionen nicht interpretieren. Geht es nach britischen Forschern, muss das nicht so bleiben. Sie haben einen Roboter entwickelt, der das mit eigener Mimik und Gestik therapieren kann.

Früher ist Eden Sawczenko zurückgeschreckt, wenn andere kleine Mädchen ihre Hand hielten, und sie wurde richtig starr, wenn sie sie umarmen wollten. In diesem Jahr hat die Vierjährige begonnen, mit einem Roboter zu spielen, der ihr Emotionen und körperlichen Kontakt näherbringt - und nun umarmt sie auch andere.

«Sie ist jetzt viel herzlicher im Umgang mit ihren Freunden und geht auch von sich aus auf sie zu», sagt Claire Sawczenko, Edens Mutter. Das Mädchen geht in eine Vorschule für autistische Kinder in Stevenage, nördlich von London. Dort kommt einmal wöchentlich ein menschlich aussehender, kindgroßer Roboter zu Besuch. Die Kinder, deren Autismus von leicht bis schwer reicht, spielen unter Aufsicht eines Forschers jeweils bis zu zehn Minuten mit ihm.

Der Roboter, der den Namen Kaspar bekam, wurde für einfache Dinge programmiert. Er kann lächeln, lachen, finster blicken und seine Arme bewegen. Er hat schwarzes Haar und eine Baseballmütze, ein paar Drähte hängen aus seinem Nacken. Entwickelt wurde er von Forschern der Universität Hertfordshire.

Inzwischen gibt es mehrere Versionen von Kaspar, darunter eine, die mit einer Nintendo Wii spielen kann. Noch befindet sich das Ganze im Entwicklungsstadium, doch die Forscher hoffen, ihn eines Tages in größerer Stückzahl für ein paar hundert Euro herstellen zu können.

Wichtig ist, Therapien zu kombinieren

«Kinder mit Autismus reagieren nicht gut auf andere Menschen, weil sie Gesichtsausdrücke nicht verstehen», sagt Ben Robins. Er ist Computerwissenschaftler an der Universität von Hertfordshire und auf die Arbeit mit autistischen Kindern spezialisiert . «Roboter sind viel einfacher für sie, weil es weniger zu interpretieren gibt und sie in ihren Reaktionen sehr vorhersehbar sind», so Robins.

Ähnliche Projekte gibt es in Kanada, Japan und den USA. Aber die Briten sind mit am weitesten, wie andere europäische Forscher bestätigten, die mit dem dortigen Projekt nichts zu tun haben. Die Wissenschaftler in Hertfordshire begannen mit ihren Arbeiten an Kaspar im Jahr 2005. Das neueste Modell ist mit Silikon überzogen, das sich fast wie Haut anfühlt. Knapp 300 autistische Kinder in Großbritannien konnten bislang mit einem Kaspar-Roboter spielen.

Der Roboter kann zwar nur wenige Dinge, doch vielleicht sind die Kinder gerade deshalb begeistert. Nur zwei weigerten sich bislang, mit ihm zu spielen. Nan Cannon-Jones, Autismusberaterin an einer Vorschule, erklärt, der Roboter helfe den Kindern, Emotionen und Sprache zu verstehen. Die Schule setze aber auch Sprach- und Musiktherapie ein. Man könne den Kindern nicht mit Robotern beibringen zu spielen und zu sprechen, aber diese Geräte unterstützten das Gelernte, sagt Cannon-Jones.

Auch andere Experten halten das für einen vielversprechenden Ansatz. Sie warnen aber davor, zu sehr auf Roboter zu setzen. «Wir wollen nicht, dass sich Kinder mit Autismus zu sehr an Roboter gewöhnen», sagt Abigael San, Ärztin und Sprecherin der Britischen Psychologischen Gesellschaft  «Sie sollen schließlich in der Lage sein, auf andere Menschen zu reagieren.»

Laut Uta Frith, emeritierte Professorin für Wahrnehmungsentwicklung am University College London, sei es für autistische Kinder vor allem wichtig, dass sie lernten, fantasievoll zu spielen. «Und dafür kann man auch Kochtöpfe und Schuhschachteln nehmen.»

Eden Sawczenkos Mutter glaubt, dass die wöchentlichen Besuche durch Kaspar helfen. «Vorher hat Eden gelächelt, egal, um welche Emotion man sie gebeten hatte. Jetzt fängt sie an, die richtige Emotion mit dem richtigen Gesicht zu zeigen. Es ist schön, das zu sehen.»

ham/zij/sca/ivb/news.de/dapd
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