Irgendwann nervt es, wenn Eltern ohne Ankündigung ins Zimmer kommen, ins Bad stürzen oder sogar noch die Schultasche kontrollieren. Da heißt es: Grenzen setzen. Kindern hilft es, wenn sie den Eltern klare Ansagen machen.
Irgendwie ist es komisch mit den Eltern. Da wollen sie, dass man vernünftig ist, Verantwortung übernimmt, und dann behandeln sie einen wieder wie ein Kleinkind - zum Beispiel, wenn es um die Sache mit dem Bad geht. Einfach reinstürzen, wenn man gerade halbnackt vor dem Spiegel steht oder, noch schlimmer, auf der Toilette sitzt, findet keiner toll. Allerdings ist es gar nicht so leicht, das den Eltern klarzumachen. Das Recht dazu hat jeder - egal, wie alt er ist.
Privatsphäre muss gewahrt werden
«Natürlich ist es ganz normal, wenn Kinder und Jugendliche irgendwann ein Schamgefühl entwickeln und sich eben nicht mehr in jeder Lebenssituation den Eltern oder Geschwistern zeigen wollen», sagt der Psychologe Michael Thiel aus Hamburg. Auch wenn es lange normal war, dass man gemeinsam mit den Eltern oder Geschwistern das Bad benutzt hat, ist damit irgendwann Schluss. «Da hilft nur, in aller Deutlichkeit zu sagen, dass man das nicht mehr will», rät die Psychologin Claudia Wolper-Effertz aus Eschweiler bei Aachen.
Nun sind Eltern nicht gerade bekannt dafür, dass sie alles einsehen, was ihre Kinder ihnen sagen. Da bedarf es manchmal ziemlich guter Argumente. «Bei manchen Eltern hilft es, sie an ihre eigene Kindheit und Jugend zu erinnern und zu sagen, dass sie das vielleicht auch irgendwann nicht wollten», rät Wolper-Effertz.
Bei einigen müsse das Kind aber auch gar nicht so weit in die Vergangenheit gehen. «Da hilft es schon, wenn man sagt, dass sie ja auch nicht wollen, dass man ins Bad kommt, wenn sie gerade in der Dusche oder auf der Toilette sind», sagt sie weiter. Da dürfe auch gesagt werden: «Und euch will ich auch gar nicht nackt sehen.»
Sprüche wie «Stell dich nicht so an, das haben wir doch immer so gemacht», seien unangebracht. «Da kann man sagen, dass man sich damit nun unwohl fühlt», sagt Thiel. «Und damit sollte das dann auch das Ende der Diskussion sein.»
Das Anklopfen einfordern
Reicht das immer noch nicht, haben die Psychologen noch ein weiteres gutes Argument, wenn es um alles geht, was mit dem eigenen Körper zu tun hat. «Ein gewisses Schamgefühl schützt meistens auch vor Missbrauch oder allzu plumpen Annäherungsversuchen», sagt Thiel. Und Wolper-Effertz fügt hinzu: «Die Eltern wollen auch nicht, dass man sich halbnackt vor den Klassenkameraden zeigt oder als Mädchen ständig mit zu kurzem Rock oder tiefem Dekolleté durch die Gegend rennt.» Das ziehe meistens.
Oft gilt es allerdings nicht nur in Sachen Badezimmer, die Eltern ein wenig auf Distanz zu halten. Auch das eigene Zimmer sollte tabu sein - zumindest ohne Ankündigung. «Der simpelste Weg ist ganz einfach das berühmte Anklopfen», sagt Thiel. Das sei vor allem angesagt, wenn die Tür geschlossen oder gerade Besuch da ist, egal ob von Freund oder Freundin. Ein gutes Mittel sind auch Schilder an der Tür, die die Eltern darauf hinweisen, dass sie gerade mal nicht stören sollen. «Viele Eltern halten sich dann auch daran», sagt der Diplom-Pädagoge Heinz Thiery von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth.
Und was bei Grundschulkindern vielleicht noch okay ist, nämlich regelmäßig mal in die Schultasche zu gucken, ob da nicht noch ein altes Pausenbrot vor sich hingammelt oder ein wichtiger Elternbrief in der Mappe schlummert, sollte später auch für die Eltern ein No-Go sein. «Das geht überhaupt nicht und das kann man den Eltern auch sagen», erklärt Thiery. Schließlich seien da auch mal Dinge drin, die Eltern einfach nichts angehen, etwa ein Liebesbrief.
Auch Handy und E-Mail sind für Eltern tabu
Die allerdings werden ja inzwischen nur noch selten auf Papier geschrieben, sondern meist per E-Mail oder SMS. «Eltern haben an den Handys und in den E-Mail-Accounts der Kinder ganz einfach nichts zu suchen», sagt Thiel. Eine Ausnahme dürfe es nur geben, wenn sich Eltern ernsthafte Sorgen um ihr Kind machen, etwa wegen Drogen. Ansonsten gelte auch hier, die Eltern daran zu erinnern, dass sie es auch nicht mögen, wenn man in ihren SMS, Bankunterlagen oder E-Mails herumstöbert.
«Manche Dinge müssen Eltern einfach verstehen oder zumindest akzeptieren», sagt Psychologin Wolper-Effertz. Das sei für viele Eltern zwar schwierig, doch da müssten sie eben durch, sagt auch bke-Berater Thiery. Können Eltern ihren Kontrollzwang nicht bändigen, sollten sich Jugendliche Rat bei älteren Freunden oder Verwandten holen. Wenn das nicht hilft, gebe es auch noch die professionelle Beratung bei Erziehungsberatungsstellen. Dort können Eltern und Jugendliche auch anonym bleiben.
rzf/zij/sca/ivb/news.de/dpa
Fehlende klare Linien der Gutmenschentheoretiker sind ja auch aus den Diskussionen um Migrationsprobleme bekannt. Die verkörpern nämlich vom Ursprung her nichts anderes. Willenlose und ungezügelte Selbstverwirklichung kann jeder für sich verwirklichen, solange er auf eigenen Füßen steht und der Gemeinschaft nicht zur Last fällt, und sie weder be- noch ausnutzt. Und genau daran fehlt es - im Kleinen wie im Großen.
jetzt antwortenKommentar meldenDer Verfasser dieses Artikels hat es anscheinend auch noch nicht gelernt, dass bestimmte Bereiche angeblich modernen Lebens mindestens einer permanenten Prüfung bedürfen. Dazu gehören, wie schon von anderen Kommentatoren fest gestellt, neben einigen anderen Dingen auch das Internet und die Mobiltelefone. Erwachsen sein ist auch nicht die Frage der indirekten Verfügungsermächtigung über das Konto der Eltern. Und die haben nicht nur eine Berechtigung zum Erziehen kraft Gesetz, sondern sind auch ausdrücklich dazu verpflichtet. Leider übersehen das die Gutmenschentheoretiker gerne. Klare Linien!!!
jetzt antwortenKommentar meldenHaustyrannen hat man nicht,man erzieht sie sich !
jetzt antwortenKommentar meldenKomisch - ich kenne leider viele Familien da läuft es umgedreht. Da haben Eltern Angst vor ihren halbwüchsigen Kindern und haben in der gemeinsames Wohnung nichts zu melden, weil die Kinder bestimmen wo es lang geht. Da kann die Mutter nicht in Ruhe baden, weil Kinder und deren Freunde ständig das Bad benutzen wollen/müssen. Da muß man Mütter vor den eigenen Kindern schützen, da werden Fernseher und Musikanlagen der Eltern verkauft und zu Geld gemacht. Da pochen Kinder nur auf ihre Rechte und vergessen völlig, dass Eltern auch Menschen sind - etwas läuft schief in diesem Land.
jetzt antwortenKommentar meldenOb Kinder erwachsen sind oder nicht, hier spielt das Zusammenleben im Haushalt eine große Rolle. Hier können Kinder ihre Privatsphäre haben aber es muss klar sein, dass bestimmte Regeln eingehalten werden und darunter zählen auch die Punkte Ordnung und Sauberkeit im Zimmer und ein absolutes Rauchverbot in den eigenen 4 Wänden der Kinder. Denn eine Familie ist eine WG und da hat jeder seine Rechte und Pflichten Und wenn dass alles in Ordnung ist, dann steht dem Wunsch nach einer eigenen Privatsphäre der Kinder, ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, nichts mehr im Wege.
jetzt antwortenKommentar meldenSolange Kinder nicht volljährig sind müssen Eltern ja bei Dingen wie Handy und Internet Zustimmung und Haftung geben. Es gab ja in der Presse viele Beispiele wo Eltern das haben einfach laufen lassen was dann zur Katastrophe führte.
jetzt antwortenKommentar meldenSo einfach wie dargestellt ist die Situation natürlich nicht. Gerade Email und Internet sollte auch bei größeren Kindern im Auge behalten werden. Denn nicht nur die Gefahren von Abzocke und Urheberrechtsverstößen, die die Eltern dann sehr teuer kommen sind neben Gewaltvideos ein großes Problem. Vielen Kindern ist auch nicht bewußt, dass sie im Internet zu viele Daten von sich preisgeben. Nicht zu letzt werden Kinder von anderen durch "Cybermobbing" zugesetzt, was Eltern auch im Blick haben müssen um bei Suizidtendenzen rechtzeitg reagieren zu können.
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