Von news.de-Redakteurin M. Sohn und -Mitarbeiterin J. Ziegengeist
Laut Knigge ist Schlussmachen per SMS heutzutage gar kein Problem. Aber wer will schon mit einer Kurzmitteilung ins Aus befördert werden? Und wie sieht es mit der moralischen Seite aus? Ein Streitgespräch.
Melanie Sohn: Schlussmachen per SMS ist feige und rücksichtslos. Wer mit seinem Partner jahrelang in einer Beziehung lebte, sollte auch so viel Mut und Respekt haben, eine Trennung im persönlichen Gespräch mitzuteilen.
Juliane Ziegengeist: Das Ende einer Beziehung ist immer unschön, egal ob per SMS, Brief oder von Angesicht zu Angesicht Schluss gemacht wird. Warum also kompliziert, wenn es auch einfach geht? Der digitale Weg ermöglicht es, die Sache auf den Punkt zu bringen und sich Endlosdiskussionen, die zu nichts führen, zu ersparen.
Sohn: Das ist totaler Quatsch. Niemand kann immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Mit einer Mail oder SMS zieht man sich aus der Affäre und lässt den Partner damit im Regen stehen. Das ist nicht nur unfair, sondern auch egoistisch. Denn die Gefühle des Partners bleiben völlig außen vor.
Ziegengeist: Was ist denn das für eine Doppelmoral? Bei Liebeserklärungen per Mail oder SMS beschwert sich auch keiner. Ganz im Gegenteil: Via sozialer Netzwerke werden Herzen, Küsse, Umarmungen und Liebesschwüre zuhauf verschickt. Macht man auf gleichem Wege Schluss, regt sich alle Welt auf.
Sohn: Ja, aber ein Herz zu verschicken, ist etwas ganz anderes als eine Beziehung zu beenden. Liebesschwüre sind etwas durchweg Positives und eine kleine «Ich liebe dich»-SMS versüßt den Tag und bestätigt, dass alles gut ist. Doch wenn «Ich mach Schluss. Ruf nicht mehr an!» auf dem Display steht, gibt es unweigerlich Redebedarf. Der Partner hat ein Recht darauf zu erfahren, warum die Trennung gewollt wird. Man verbringt doch nicht mehrere Jahre miteinander, lebt in einem Haushalt und geht durch dick und dünn, um dann völlig ahnungslos abgespeist zu werden. Das ist genauso, als wenn der Chef aus heiterem Himmel sagt: «Sie sind raus. Packen Sie Ihre Sachen.» Da möchte doch jeder wissen, was schief gelaufen ist und warum es zu so einer drastischen Maßnahme kommt.
Ziegengeist: Also, erstens muss es nicht immer der fiese Schlussmachspruch sein. Auch mit einer SMS lässt sich eine Beziehung einfühlsam und ehrlich beenden. Und zweitens ist es ja nicht so, dass sich ein Liebesaus nicht schon vorher ankündigt. Wenn der Partner nicht merkt, dass etwas nicht stimmt und dann bei einer entsprechenden SMS aus allen Wolken fällt, lief offenbar grundsätzlich etwas falsch in der Beziehung. Viel schlimmer wäre doch die Abfuhr in aller Öffentlichkeit. Mit einer SMS bleiben einem solche peinlichen Szenen erspart.
Sohn: Ich frage mich ernsthaft, wie offen und ehrlich man in 160 Zeichen Schluss machen kann. Und selbst wenn die Beziehung beendet werden muss, so gibt es ehrlichere und respektvollere Wege. Jeder Erwachsene sollte in der Lage sein, Differenzen zu klären. Es gibt die Möglichkeit, sich an einem neutralen Ort zu treffen oder die Dinge meinetwegen auch am Telefon zu besprechen. Das Knigge allen rückgratlosen Schlussmachern jetzt auch noch Rückendeckung gibt, ist ein Armutszeugnis für unsere verrohte Gesellschaft.
Ziegengeist: Der Knigge sagt ganz deutlich, dass es die Trennung selbst ist, die dem Partner wehtut. Die Form der Übermittlung spielt dabei keine große Rolle. So oder so wird der andere verletzt. Schluss heißt nun einmal Schluss, egal ob in 160 Zeichen oder einem Stundengespräch. Letztendlich muss es jedem selbst überlassen sein, welchen Weg er wählt. Und wer Schlussmachen per SMS oder Mail tatsächlich für so abscheulich hält, sollte sich vielleicht sogar glücklich schätzen, denjenigen los zu sein.
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