Von news.de-Redakteur Andreas Schloder
Frisch von der Sonnenbank runter und immer noch das Gefühl, zu blass zu sein? So merkwürdig Bräunungssucht klingt, so fatal sind die Folgen wie Hautkrebs und Pigmentstörungen. Nun greift der Staat ein.
So unterschiedlich sind Kulturen: Während der Japaner alles daran setzt, seine Haut blass zu halten, gilt in Europa gebräunte Haut als Schönheitsideal. Wenn die Sonnenstrahlen nicht ausreichen, helfen die Sonnenanbeter im Solarium nach.
Der Markt dafür ist da: Dem Branchenverband Photomed zufolge gibt es in Deutschland über 4000 Solarien mit über 45.000 Sonnenbänken. Rund 14 Millionen Deutsche, so wird geschätzt, legen sich regelmäßig unter den Bräuner.
Entzugserscheinungen wie beim Alkoholiker
Doch das kosmetische Tunen des Körpers hat Folgen - mentale. Hautärzte und Psychologen sprechen von der Tanorexie. Die Wortverwandtschaft zur Anorexie kommt nicht von ungefähr. Wie bei der Magersucht ist bei der Sucht nach Bräune das Selbstbild des Betroffenen verzerrt. Während die einen sich für zu dick halten, können die anderen nicht genug von den künstlichen UV-Strahlen bekommen.
So merkwürdig das klingt, so eindeutig ist das Verhalten. Dr. Richard Wagner von der Universität Texas hat das Phänomen 2004 als erster beschrieben. Obwohl er viele Patienten wegen Hautkrebs behandelte, wollten sie nicht auf dem Besuch im Solarium verzichten. In einer Testreihe mussten sie dies aber. Das Ergebnis: Ein Viertel der Probanden zeigte während der Abstinenz Entzugserscheinungen, die denen einer Alkohol- oder Drogensucht in nichts nachstanden: Schlaflosigkeit, Zittern, Schweißausbrüche, Übelkeit und extreme Gereiztheit.
Wie bei jeder Sucht richtet der Betroffene sein Leben danach aus. Der Tanorektiker lebt quasi im Sonnenstudio. Neben dem psychischen Faktor, sein Selbstwertgefühl durch Bräune «anzuheizen», gibt es auch eine biologische Ursache: Durch die UV-Strahlung schüttet der Körper Glückshormone aus - der Sonnensüchtige wird zufrieden.
Dabei verkennen die Betroffenen die Gefahren des Sonnenbadens. Denn egal ob künstlich oder solar - zu viel UV-Strahlung brennt eine Krebserkrankung auf die Haut. Die Deutsche Krebsstiftung warnt: Wer sich im Alter von unter 30 Jahren regelmäßig auf die Sonnenbank legt, erhöht sein Hautkrebs-Risiko um 75 Prozent.
Hautkrebs gehört zu den am schnellsten ansteigenden Krebsarten. Wie Professor Eggert Stockfleth, Leiter des Hauttumorzentrums an der Berliner Charité erklärt, nimmt die Zahl der Patienten pro Jahr um bis zu sieben Prozent zu. Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken pro Jahr bundesweit rund 140.000 Menschen an Hautkrebs, 24.000 davon am besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Bei über 3000 Patienten pro Jahr führt er zum Tod.
Neue Vorschriften in Sonnenstudios
Nicht nur Hautärzte sind alarmiert - auch die Politik. Im Kampf gegen den Hautkrebs verschärfen sie die Vorschriften. Die neue Verordnung, die noch in diesem Monat vom Bundesrat abgesegnet werden soll, sieht neben dem Einsatz von Fachpersonal in den Studios eine maximale Belastungsstärke von Altgeräten vor. Die Folge: Rund 90 Prozent der Geräte, so der Branchenverband Photomed, müssen umgerüstet oder durch neue ersetzt werden. Allein der Umbau koste bis zu 1500 Euro pro Liege. Die Sonnenstudiobetreiber haben eine Übergangsfrist von 15 Monaten bekommen. Schon 2009 mischte sich die Politik in die Debatte ein und beschloss: Minderjährige dürfen nicht mehr in die Studios, um künstliche Sonne zu tanken.
Die Tanorektiker wird die verschärfte Regelung wohl kaum in ihrer Sucht behindern. Das Problem: Die Bräunungssucht ist nicht als Krankheit anerkannt. Folglich ist eine stationäre Behandlung wie bei anderen Süchtigen noch nicht möglich. Deshalb bleibt derzeit nur eine begleitende Therapie als Möglichkeit, den Betroffenen von seiner Sucht zu befreien. Inklusive ist aber eine hohe Rückfallquote: Jeder Zweite legt sich erneut auf die Sonnenbank.
som/zij/news.de
Braun sein, weil braun in ist. Nee danke. Ich sehe genug Faltenhälse die 10 Jahre jünger sind, aber aussehen als wären sie kurz vor dem Abnippeln. Nee, dann lieber weiß und gesund.
jetzt antwortenKommentar meldenEine geballte Ladung Unsinn, allerdings medial weit verbreitet und gern genommen. Die Tatsache, dass etwas gut tut, Lust macht, sogar Schmerzen lindert, und daher gern wiederholt wird, ist kaum überraschen. Das ist bei Sex und Schokolade nicht anders. Wann kommt endlich die Warnung vor der schrecklichen Schokorexie? Hautkrebs? Es gibt definitv keinen wissenschafltich belastbaren Hinweis darauf, dass moderates Sonnen, egal ob im Solarium oder im Freien, das Risiko eines "schwarzen" Hautkrebs (Melanom) erhöht. Der macht im übrigen auch nur etwa ein Prozent aller Krebsfälle aus...
jetzt antwortenKommentar meldenIch hab damals auch solche studios besucht 10.000umdrehungen 2 die woche und das jahre lang aber mann sollte es auch nicht übertreiben.seit einige jahre gehe ich nicht mehr unters solarium keine zeit für sowas aber welche übertreiben es ja jeden tag da drunter zu liegen heute muss mann die Leute mal anschauen 35j braun gebrannt aussehen ob 50j weil nicht nur Braun macht sondern auch älter erscheinungen mit sich führt.aber nun ja jeder soll selber wissen was er seine haut antut.
jetzt antwortenKommentar meldenIn Brasilien hat man die fatalen Folgen eines Sonnenstudios längst erkannt und es gibt ein generelles Verbot zum betreiben von Solarstudsios
jetzt antwortenKommentar meldenSo ein Quatsch, wenn man Sonne tankt sollte das alles mit Maß u. Ziel betrieben werden. Die guten Studios z.B. Sunpoint haben sich schon den neuen Gesetzen angepaßt bzw. sind schon umgerüstet. Auch hat Sunpoint schon die neuen Sonnenduschen ohne UV Bestrahlung für Superängstliche. Diese Sonnendusche ist sensationell!! Ausprobieren!! Auch Alkohol ist gesund wenn es mit Maß betrieben wird!
jetzt antwortenKommentar meldenIch finde die neuen Vorschriften sehr begrüßenswert - endlich wird mal was getan, um die Solarien zu verbessern! Natürlich wäre am besten, erst gar nicht aufs Solarium zu gehen, denn "nur" Sonne reicht ja auch schon aus - mehr als 50 Sonnenbäder im Jahr sollten es nicht werden, das ist ein Richtwert, den Sie im Artikel auch noch hätten erwähnen sollen. Ich gehe schon seit Jahren nicht mehr aufs Solarium (was ich früher auch regelmäßig, aber nur einmal in der Woche getan habe) und bin im Winter eben lieber bleich - aber gesund!
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