Akrophobie Die Angst vor Höhe

Höhenangst (Foto)
Der Blick in die Tiefe versetzt Höhenphobiker in Angst und Schrecken. Bild: istockphoto

Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Bergwandern, ins Flugzeug steigen, von Brücken aus Enten füttern - das ist für Höhenphobiker undenkbar. Allein der Gedanke, in die Tiefe zu blicken oder auf einer Leiter zu stehen, verursacht Magenschmerzen, Übelkeit und Brechreiz.

Was ist Höhenangst?

Ein gesunder Respekt vor Höhe und Tiefe scheint angeboren zu sein. Doch manche Menschen reagieren beim Gedanken an Höhenunterschiede mit starker Angst. Höhenphobiker schrecken vor zwei Meter hohen Leitern zurück oder scheuen Brücken. Auch der Blick aus dem dritten Stock eines Gebäudes ist ihnen ein Graus.

Menschen, die an AkrophopieFachbegriff für Höhenangst leiden, gehen gefährlich wirkenden Situationen instinktiv aus dem Weg und kommen besser als andere Phobiker im Leben zurecht. Denn: Niemand muss einen Gipfel erstürmen, eine Schlucht überqueren oder auf Balkonen stehen. Daher suchen die Betroffenen selten ärztlichen Rat.

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Ist Höhenangst das Gleiche wie Höhenschwindel?

Höhenangst ist nicht mit dem Höhenschwindel gleichzusetzen. Dieser scheint eine normale Reaktion auf widersprüchliche Sinneseindrücke zu sein: Die Augen können weit entfernte Objekte schlecht fixieren. Zugleich ist der Kopf ständig in Bewegung. Fehlt ein festes Bild, etwas, dass die Augen fixieren können, wird Menschen schwindelig. 

Welche Symptome treten auf?

Höhenunterschiede zu erleben oder sich vorzustellen, kann Unwohlsein, Schwindelgefühle und Übelkeit auslösen. In beängstigenden Situationen ist Panik verbunden mit zitternden Knien, starkem Schwitzen, Herzrasen, Atemnot und Engegefühl zu beobachten. Einige Höhenphobiker haben Angst, das Bewusstsein zu verlieren und abzustürzen. Es gibt Menschen, die sogar Todesängste entwickeln. Andere haben Fantasien, sich bewusst in die Tiefe zu stürzen. Deshalb fürchten sie, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren.

Was sind die Ursachen?

Eine Angststörung kann veranlagt sein. Manche Menschen neigen mehr als andere dazu, bestimmte Phobien zu entwickeln. Auch Lernprozesse tragen zu Höhenphobien bei. So kann das Verhalten der Eltern prägend sein. Ein Kind, das erlebte, wie der Vater angstvoll vor jedem Brückengeländer zurückschreckt, übernimmt möglicherweise ein solches Verhalten.

Auch Höhenschwindel oder Krankheiten können Ängste auslösen. Körperliche Symptome werden in Verbindung mit Angst falsch eingeschätzt. So legt ein Schwanken in luftiger Höhe den Grundstein für eine dauerhafte Akrophobie. Die erlernte Angst vor Höhe kann dazu führen, dass die Konfrontation mit einem geringen Höhenunterschied oder die Vorstellung dessen zu sehr starken Reaktionen führt. Ebenso können traumatische Erlebnisse Höhenangst auslösen, etwa in einer Gondel über einer tiefen Schlucht stecken zu bleiben.

Wie lässt sich Höhenangst therapieren?

Die Konfrontationstherapie ist die bekannteste Behandlungsmethode. Dahinter steckt folgendes Prinzip: Das Gehirn lernt durch Erfahrungen. Konfrontationen sollen zeigen, dass Höhe per se nicht gefährlich ist. Deshalb wird der Betroffene in für ihn angstvolle Situationen versetzt. Phobiker begeben sich auf einen Balkon oder besteigen einen Kirchturm und schauen in die Tiefe.

Dank moderner Technik lässt sich das auch virtuell üben. Auf Monitoren werden «bedrohliche» Situationen gezeigt. Für das Gehirn ist es egal, ob die Situation echt oder virtuell erschaffen ist. Verantwortlich dafür sollen die Spiegelnervenzellen sein. Sie werden aktiviert, wenn jemand etwas selbst erlebt oder beobachtet, dass andere das Gleiche tun. Experten gehen davon aus, dass sich das mentale Training auf reale Situationen übertragen und die Angst besiegen lässt.

Wichtig ist, dass Phobiker sich den Konfrontationen oft und lange aussetzen und Höhe möglichst nicht vermeiden. Betroffene merken, dass die Angst nach einiger Zeit abklingt und sie sich nicht ins Unermessliche steigert.

Konfrontationstherapien sollten immer von erfahrenen Therapeuten begleitet werden. Sie helfen, indem sie vorführen, wie sich die angsterregende Höhendifferenz überwinden lässt. Die Fachleute motivieren, geben Rat und zeigen, wie sich Situationen mit aufkeimender Angst meistern lassen. Der Therapeut entscheidet, ob die Konfrontation langsam und steigernd oder sofort mit starken Reizen beginnt.

Wer seine Angst durch Konfrontationen allein ausmerzen will, läuft Gefahr, sich selbst zu demotivieren und abzubrechen. Das führt dazu, dass das Gehirn den missglückten Versuch als Versagen wertet, die Angst möglicherweise verstärkt.

Atemtechniken und Entspannungstraining haben sich als begleitende Behandlungsmethoden bewährt. Betroffene können sich damit während einer Konfrontation mit Höhe oder Tiefe in einen entspannten Zustand versetzen.

Mit welchen Ängsten Prominente kämpfen, erfahren Sie in unserer Bildstrecke.

sca/ham/zij/reu/news.de

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