Beziehungsstress Ohne Streit vier Jahre länger leben

Beziehungscoach Christian Thiel erklärt in seinem neuen Ratgeber Streit ist auch keine Lösung, wie Sie von Ihrem Partner «das bekommen, was Sie wirklich wollen». Und warum nervige Auseinandersetzungen schädlich für unsere Gesundheit sind.

Streit in der Partnerschaft (Foto)
Wer in seiner Beziehung oft streitet, kann damit sein Leben um bis zu vier Jahre verkürzen. Bild: iStockphoto

Kurzfristig führen Stress und Streit in der Beziehung zu Schlafmangel, Tränensäcken unter den Augen, einer gramgebeugten Körperhaltung und einer sorgenvollen Miene. Das ist zweifellos nicht gesund, aber relativ harmlos.

Langfristig sind die gesundheitlichen Folgen erheblich gravierender. Beziehungscoach Christian Thiel weiß: Wer sich oft und gerne streitet, wird häufiger krank, denn Streit schwächt das Immunsystem. Der Grund: Bei heftigen Auseinandersetzungen ist der Körper ausschließlich darauf programmiert, seine Kräfte für einen Kampf zu mobilisieren. Die Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin und Cortisol ermöglicht es ihm, sich auf den auszutragenden Konflikt zu konzentrieren.

Beziehungsstreit: Warum Streit vier Lebensjahre kostet
Video: news.de

Andere biochemische Prozesse müssen dagegen zurückstehen. Dazu gehören die Abwehrmechanismen des Körpers. Die Immunabwehr bei Paaren, die häufig streiten, ist deshalb geschwächt. Das macht sie anfälliger für Krankheiten.

Krebs vermeiden

Zufriedene Paare haben mehr weiße Blutkörperchen, die vor gesundheitlichen Gefahren schützen. Körpereigene Killerzellen, die Krankheitserreger abwehren, arbeiten bei Menschen in einer glücklichen Beziehung effektiver. Zu vermuten wäre, dass es sich bei Gesundheitsgefahren, die durch den Streit drohen, um einen harmlosen Schnupfen oder eine simple Magenverstimmung handelt. Doch das ist nicht der Fall. Das menschliche Immunsystem hält auch Krankheitsauslöser bis hin zu Krebszellen in Schach, verrät Thiel in seinem Buch. Damit ist nicht zu scherzen und der Einfluss der Psyche nicht zu unterschätzen.

Herzinfarkt statt Herzschmerz

Außerdem kann Beziehungsknatsch auf Dauer das Herz schädigen. Das liegt vermutlich an einer der Folgen von dauerhaftem Beziehungsstreit: dem hohen Blutdruck.

Schwedische Forscher untersuchten Frauen, die einen Herzinfarkt erlitten hatten. Dabei stellten sie fest, dass Ehestress das Risiko verdreifacht, in den folgenden fünf Jahren neue Herzprobleme zu bekommen.

Deshalb hat das Leben in einer von Streit geprägten Beziehung auf Dauer gravierende Auswirkungen, auch auf die Lebenserwartung. Eine unglückliche Ehe erhöht die Gefahr zu erkranken um ungefähr 35 Prozent und verkürzt das Leben laut Thiel um etwa vier Jahre.

Wo Streit ist, ist keine Liebe

Selbst der konstruktivste Streit macht deshalb nicht glücklich und sollte vermieden werden. Die Forschung belegt zudem, dass Streit nicht zur Konfliktlösung beiträgt. Von wegen reinigendes Gewitter: Streit verbessert auch langfristig nicht die Stimmung in der Beziehung, denn wo Streit ist, da ist keine Liebe.

Meistens ist Streit schädlich für eine Beziehung, weil dieser Zeit und Energie kostet, die beide Partner für etwas anderes brauchen. Für Lösungen zum Beispiel. Doch mit Höflichkeit, Verständnis und Dankbarkeit bekommen Paare in Ihrer Partnerschaft auch ohne Streit genau das, was sie wirklich möchten.

Lesetipp: Streit ist auch keine Lösung - Wie Sie in Ihrer Partnerschaft das bekommen, was Sie wirklich wollen, Christian Thiel, Humboldt, 2011, 200 Seiten, 9,95 Euro.

ham/som/news.de

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