Liebe und Beziehungen «Menschen reden nicht gern über Sex»

Warum halten Beziehungen heute nicht mehr so lange? Und: Dürfen Partner den Valentinstag auch mal vergessen? News.de spricht mit Malte Welding, Autor eines Liebesratgebers, darüber, wie Liebe heute funktioniert.

Sex in der Partnerschaft (Foto)
Nur wer offen über seine Gefühle sprechen kann, schafft es, dauerhaft in einer Beziehung glücklich zu werden. Bild: iStock

Herr Welding, gibt es ein Geheimrezept für die ewige Liebe?

Welding: (lacht) Es wäre Aufschneiderei, wenn ich jetzt sagen würde, dass es hilft, Blumen mitzubringen. Das gilt zwar für meine Beziehung, aber andere Frauen aus meinem Leben würden mir die Blumen um die Ohren schlagen, weil sie das fürchterlich finden. Wichtig ist, sich mit Herz und Verstand in eine Beziehung einzubringen.

Es ist Valentinstag. Männer vergessen diesen Tag oft. Was sollte ein Mann dann tun?

Welding: Ich würde keinen Tankstellenblumenstrauß empfehlen! (lacht) Aber ernsthaft: Im vergangenen Jahr wollte ich für meine Freundin ein Geschenk kaufen. Irgendwann stehe ich mit einer Creme an der Kasse, die 220 Euro kosten soll. Ich war so baff, dass ich die Kreditkarte nicht zurückziehen konnte. Nach einigen Tagen habe ich meiner Freundin vorsichtig davon erzählt und sie entscheiden lassen, ob sie die Creme haben will oder nicht. Und ich glaube, in einer funktionierenden Beziehung kann man einander sagen, dass man den Valentinstag vergessen hat.

Ihr Buch trägt den Titel Männer und Frauen passen nicht zusammen - auch nicht in der Mitte. Das klingt ziemlich endgültig. Warum so pessimistisch?

Welding: Der Titel ist eine Abwandlung des Spruchs «Männer und Frauen passen nicht zusammen, außer in der Mitte». Heutzutage gibt es immer mehr Singleportale, die einem einreden, dort den passenden Partner finden zu können. Das ist ein Versprechen, das nicht einlösbar ist. Es ist eben so, dass man nicht wirklich zu jemandem passt, sondern sich darum bemühen muss, sich füreinander passend zu machen.

Das Wachstum der Partnerbörsen ist ein Phänomen. Obwohl sich die Menschen nach Liebe sehnen, schaffen sie es oft nicht, eine lange Beziehung zu führen. Woran liegt das?

Welding: Das hängt zum Teil damit zusammen, dass es heutzutage länger dauert, bis Menschen reif für eine Beziehung sind. Dass sich Menschen in der jetzigen Zeit erst spät binden und eine Familie gründen wollen, ist für die Kinder, die daraus entstehen, eigentlich sehr gut. Heutzutage dauert die Experimentierphase länger. Früher haben wir uns zwischen 16 und 20 ausgetobt, heute dauert diese Phase vom 16. bis zum 35. Lebensjahr. Das Problem ist nur, dass einige Menschen besser mit dem Single-Dasein zurechtkommen als andere.

Aber warum halten Beziehungen heute nicht so lang wie früher?

Welding: Der Hauptgrund dafür, dass Beziehungen scheitern, ist vielleicht der, dass die Menschen nicht bereit sind, Kompromisse einzugehen. Und genau das verträgt sich nicht mit dem aktuellen Zeitgeist, der immer suggeriert, frei zu sein und machen zu können, was man will. Außerdem hält sich immer noch die Idee, dass es da draußen jemanden gibt, der besser zu einem passen könnte, als der jeweils aktuelle Partner.

Wie muss der richtige Partner sein? Stimmt der Mythos, dass sich Gegensätze anziehen?

Welding: Eigentlich sagt die Soziologie: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Haben sich zwei Menschen gefunden, die grundsätzlich verschieden sind, ist das am Anfang immer unglaublich spannend und leidenschaftlich, ähnlich einer Wunderkerze. Aber wie die nutzt sich auch die Liebe schnell ab.

Was halten Sie von dem Trend, dass immer mehr Menschen versuchen, die Liebe im Internet zu finden?

Welding: Interessant ist, dass es zu funktionieren scheint - zumindest, wenn sich zwei Menschen über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter«Twitter» (www.twitter.com) ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke, mit dem sich Nachrichten von 140 Zeichen veröffentlichen lassen. «Twitter» kommt aus dem Englischen und bedeutet Gezwitscher. Die Nachrichten («Tweets») können abonniert und beantwortet werden. So entsteht ein weltweites Geflecht aus Botschaften. kennenlernen. Dort geht es unbefangener und lockerer zu, deshalb führen solche Kennenlernprozesse eher zu einer Beziehung als bei einer Partnerbörse. Der Mensch, der einem dort als idealer Partner vorgeschlagen wird, weil vorher ein Fragebogen ausgefüllt wurde, stellt sich im realen Leben als jemand heraus, der komische Schuhe trägt.

Stimmt das Klischee, dass Männer Probleme damit haben, über ihre Gefühle zu sprechen?

Welding: Ich glaube, dass es Menschen grundsätzlich schwerfällt, über Dinge zu sprechen, die sie betreffen. Menschen unterhalten sich zum Beispiel nicht gern über Sex. Das liegt an unserer Erziehung. Unsere Eltern haben uns zwar aufgeklärt, aber nur über Verhütung, Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten gesprochen. Über das Schöne am Sex wird leider kaum gesprochen. Je pubertärer ein Mensch ist, desto schwerer fällt es ihm, die Form von Nähe herzustellen, die notwendig ist, um über Gefühle zu reden. Es gibt Paare, die seit 25 Jahren miteinander verheiratet sind, aber trotzdem nicht miteinander reden können.

Kann eine Beziehung überhaupt funktionieren, wenn man nicht über alles spricht?

Welding: In der Generation unserer Großeltern ist die Stabilität einer Beziehung wichtiger als deren Intensität. Da kommt es darauf an, dass die Beziehung weiterhin besteht. Gefühle zu teilen, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Letztlich geht es darum, dass ich meinem Partner mitteile, was mir wichtig ist. Darüber muss ich nicht viel sprechen - ich muss es nur deutlich machen. Dabei entsteht der Grad an Intimität, der für eine gute Beziehung wichtig ist. Dass das schwierig ist, liegt zum Teil daran, dass wir in einer für Beziehungen depressiven Zeit leben. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Gesellschaft der Kompass dafür verloren gegangen ist, wie wir in einer Beziehung glücklich werden.

Woran liegt das?

Welding: Daran, dass wir Menschen von Kindheit an auf Konkurrenzdenken gedrillt werden. Das in einer Beziehung auszublenden, ist schwer. Die meisten Menschen haben dabei das Gefühl, dass sie mit anderen um ihren Partner konkurrieren. Außerdem stehen wir als Paar auch mit anderen Paaren im Wettstreit.

Gibt es Fehler, die nur Frauen machen, und Fehler, die nur Männern passieren?

Welding: Beide Geschlechter mögen es nicht, wenn sie in einer Beziehung vom Partner von oben herab behandelt werden. Streitthema ist auch das Geld. Typischer Geschlechterkonflikt hingegen ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch die Frau.

Malte Welding ist studierter Jurist. In seinem Studium wuchs das Interesse an psychologischen und gesellschaftlichen Themen. Zahlreiche wissenschaftliche Texte über Männer, Frauen und gesellschaftliche Entwicklungen hat Welding bis heute gelesen und vergleicht deren Ergebnisse mit den Paar-Beobachtungen aus seinem unmittelbaren Umfeld.

Lesetipp: Frauen und Männer passen nicht zusammen - auch nicht in der Mitte, Piper-Verlag, München 2011, 368 Seiten, 9,95 Euro.

ham/zij/reu/news.de

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