Flirten mit Stil Eine Wunschvorstellung

Flirten mit Stil: Wer träumt nicht davon, dezent und ohne plumpe Sprüche angemacht zu werden? Doch der Ton allein macht nicht die Musik, vielmehr kommt es auf sozialen Status und Einkommen an. Wo bleibt da der Stil?

Flirten mit Stil (Foto)
News.de-Redakteur Andreas Schloder Bild: news.de

Flirten ist mittlerweile so schwer geworden, wie eine Nadel im Heuhaufen zu finden. Um stilvoll seinen Marktwert am anderen Geschlecht zu testen, brauche man der Autorin Nandine Meyden zufolge vor allem Einfühlungsvermögen und Intuition. Schließlich ginge es um die Frage, was in dem anderen gerade vorgeht und ob es gut ankommt, was man selbst während des Gesprächs mache. «Wirkliches Interesse und die Fähigkeit, sich in jemanden einzufühlen, sind die Voraussetzungen, um überhaupt einen Flirt beginnen zu können», sagt die Autorin. Und daran scheitert das Projekt.

In Zeiten von Speeddating, digitalen Partnerbörsen und sozialen Netzwerken ist der bewusste Entschluss, sein Glück spontan in die Hand zu nehmen, nur noch Makulatur. Viele Männer trauen sich nicht mehr, eine Frau direkt anzusprechen. Zu groß ist die Angst, zu viel von sich Preis zu geben und schon nach den ersten Minuten einen Korb zu bekommen.

Denn auf beiden Seiten sind die Erwartungen an den potentiellen Partner schon von vornherein festgelegt, von denen Mann und vor allem Frau nicht abrückt. Es reicht nicht mehr, eine gute Partie zu bekommen. Man will die beste. Um auf der Suche nach ihr so wenig wie möglich verletzt zu werden, dümpelt man in der Anonymität. Ein Teufelskreis.

Wer sich dennoch nicht vor der direkten Konfrontation mit dem anderen Geschlecht scheut, wird vor eine viel schwerere Aufgabe gestellt: Wie wird niveauvolles Flirten definiert? Sobald man einer fremden Dame im Laufe des Gesprächs ein Kompliment unterbreitet, wird automatisch ein Hintergedanke vermutet. Selbst, wenn man nur den Zweck verfolgt, dem Gegenüber etwas Freundliches und vor allem Ehrliches zu sagen. In dieser oberflächlichen Gesellschaft ist Ehrlichkeit nur noch ein Randprodukt. Eine Wunschvorstellung. Doch träumen darf man wohl noch von ihr.

ham/news.de

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