Milchzähne Erste Zähnchen ohne Tränchen

Milchzähne (Foto)
 Diese Kleine hat gut lachen: Das Zahnen macht ihr nichts aus. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Wenn das Zahnfleisch juckt, der Kiefer schmerzt und der Speichel in Strömen fließt, sind Babys erste Zähne im Anmarsch. Schlaflose Nächte und nervenaufreibende Tage stehen an. News.de zeigt, wie Sie die Geburt der Beißerchen erträglich machen.

Schon vor der Geburt entwickeln sich die Milchzähne. Ganze 20 davon schlummern bereits im Kiefer, wenn das Kleine das Licht der Welt erblickt. Die Kronen der Schneidezähne sind schon relativ gut ausgebildet, jedoch noch nicht sichtbar. Etwa im sechsten Lebensmonat kommen die ersten Zähnchen zum Vorschein. Anfangs streben die oberen und unteren Schneidezähne ans Licht. Danach schieben sich die Backen und Eckzähne mit aller Gewalt durch das Zahnfleisch. Im Alter zwischen zweieinhalb und drei Jahren haben die Kinder schließlich ihr vollständiges Milchgebiss. In wenigen Fällen kommen die Zähne etwas früher oder später. Das ist kein Grund zur Sorge.

Was passiert beim Zahnen?

Wenn die Wurzel des Zahnes zu wachsen beginnt, bricht er durch das Zahnfleisch. Das bereitet vielen Babys Schmerzen. «Es handelt sich dabei um einen Spannungsschmerz auf dem Zahnfleisch», erklärt Dr. Martin Lang, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und Buchautor in Augsburg. An der Stelle, wo der Zahn durchkommt, ist das Zahnfleisch rot und geschwollen, manchmal auch entzündet. Der Speichelfluss wird angeregt, die Kinder sabbern vermehrt und stecken sich oft die Fäuste in den Mund.

Hilfe ohne Arztbesuch
Die Wehwehchen-Praxis

Eine Zahngeburt ist für viele Säuglinge schwer zu ertragen. Brechen die Eck- und Backenzähne durch, ist das besonders schmerzhaft. Manche Kinder schreien heftig und sind kaum zu beruhigen. Andere sind weinerlich, bekommen rote Bäckchen und schlafen nachts schlecht. Zahnende Kinder sind meist schwer zu füttern, einige verweigern sogar das Essen.

Umstritten ist, ob der Durchbruch der Beißerchen «Zahnungskrankheiten» verursachen kann. Einige Mediziner bezweifeln dies. Lang indes bestätigt die Beobachtungen der Mütter: «Fieber, Durchfall und Erbrechen sind während des Zahnens nicht selten Begleiterscheinungen.» Er vermutet, dass aufgrund des entzündeten Zahnfleisches auch die Darmschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen wird. «Wir beobachten häufig einen sehr dünnen und säuerlich riechenden Durchfall während des Zahnens», so Lang. «Das Immunsystem ist mit der Entzündung des Zahnfleisches so sehr beschäftigt, dass Krankheitserreger leichtes Spiel haben und Virusinfekte auslösen.» Diese seien meist harmlos.

Das hilft

Zahnt der Nachwuchs, empfiehlt Lange einen Beißring. «Durch das Kauen auf dem Ring wird das Zahnfleisch gegen den Zahn gedrückt», so der Mediziner. Das lindert den Druck im Kiefer und verringert den Schmerz. «Bewährt hat sich auch Veilchenwurzel aus der Apotheke, auf der Kinder kauen können. Sie gibt Bitterstoffe ab, die gegen die Schmerzen helfen», empfiehlt Lang.

Auch Kälte kann helfen. Kühlbeißringe lindern die Schwellungen des Zahnfleisches. Wichtig ist, dass der Ring nicht zu kalt ist. Legen Sie ihn zum Kühlen lieber in den Kühlschrank und nicht ins Kühlfach. Der Kühlring sollte dem Kind zudem nur vorübergehend angeboten werden. Achten Sie beim Kauf darauf, dass keine schädlichen Weichmacher wie Phthalate enthalten sind.

Alternativ können Sie dem Kind das Zahnfleisch massieren. Dafür gibt es spezielle Fingerlinge aus Silikon, an denen sich Noppen befinden. Zum Einreiben des Zahnfleisches eignen sich Zahnungsgel oder spezielle Tropfen. «Es gibt zahlreiche Präparate, die von den Apotheken selbst hergestellt werden», sagt der Experte. «Die naturheilkundlichen Mischungen werden auf Kamillen-, Rhabarber- oder Nelkenbasis zubereitet.»

Ferner gibt es Salben wie Dentinox, die ein leichtes Betäubungsmittel enthalten. Sie wirken entzündungshemmend und schmerzstillend. Einen ähnlichen Effekt hat starker Kamillentee, der auf das Zahnfleisch getupft wird. Ärzte raten, das Gesicht des Babys öfters mit einem weichen Tuch trocken zu tupfen, da durch das Sabbern Ausschläge um den Mund herum entstehen können. Während des Zahnens sollten Kinder viel trinken, denn mit dem Speichel und eventuell auftretendem Durchfall verliert es Flüssigkeit.

Dr. Martin Lang zufolge haben sich homöopathische Mittel wie Osanit beim Zahnen bewährt. Von Bernsteinkette hält der Mediziner wenig. «Es gibt viele Mütter, die ihren Kindern eine solche Kette umhängen. Doch ich habe noch nicht feststellen können, dass diese Babys weniger Probleme beim Zahnen haben als andere Babys», sagt Lang. Die Legende, dass Bernsteine beim Zahnen helfen sollen, komme aus dem esoterischen Bereich. «Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise für eine positive Wirkung.»

Für den Fall, dass keine Besserung eintritt, rät Lang, einen Arzt aufzusuchen: «Es besteht die Möglichkeit, Paracetamol als Saft zu verabreichen. Es nimmt den Kleinen die Schmerzen.»

Lesen Sie hier weitere Tipps, wie Sie kleinere gesundheitliche Probleme auch ohne Arzt bewältigen.

ham/ivb/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig