Herzinfarkt Todesursache Nummer 1 wird verkannt

Nach dem Tod des Filmproduzenten Bernd Eichinger wird eine neue Diskussion über die Todesursache Herzinfarkt thematisiert. Zu Recht: Denn obwohl Herzerkrankungen die häufigste Sterbeursache in Deutschland ist, werden sie unterschätzt.

Herzinfarkt (Foto)
Bernd Eichinger wurde 61 Jahre alt. Er starb an einem Herzinfarkt. Bild: dpa

Der Fall Bernd Eichinger ist kein Einzelfall – jedoch ein prominenter. Koronare Herzerkrankungen (KHK) sind die Todesursache Nummer eins in Deutschland: Sie sind für 42 Prozent aller Todesfälle verantwortlich, wie eine aktuelle Studie der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) zeigt. Die absolute Zahl blieb 2009 mit 356.455 Fällen im Vergleich zum Vorjahr praktisch konstant (minus 265). Für 60.153 Patienten endete ein Herzinfarkt, der zu dieser Krankheitsgruppe zählt, tödlich. Von den Verstorbenen war mehr als die Hälfte männlich.

Nicht nur bei tödlich endenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt das vermeintlich starke Geschlecht demnach weit vorn: Das Risiko ist für Männer doppelt bis viermal so hoch wie für Frauen. Für einen tödlichen Herzinfarkt liegt ist es um 2,4 Mal höher. In 91 Prozent aller Fälle waren die Herz-Kreislauf-Toten älter als 65 Jahre. Ebenso bedenklich: Jeder Achte, der einen Herzinfarkt überlebt hat, stirbt innerhalb eines Jahres an den Folgen.

Erste Hilfe: Tipps für Lebensretter

Diese Zahlen müssten eigentlich eindeutig genug sein, um KHK schon präventiv und vor allem energisch zu bekämpfen. Doch in der Bevölkerung ist dies scheinbar noch nicht angekommen, wie die DAK-Studie weiter zeigt: Obwohl die meisten Deutschen an KHK sterben, fürchten sie sich am stärksten vor Krebstumoren. Der Herzinfarkt rangiert lediglich auf Platz fünf der Angstliste.

Das liegt unter anderem daran, dass Herzerkrankungen schleichend einsetzen – ohne Schmerzen, bis es zu spät ist. Bei der KHK bilden sich Ablagerungen an den Innenwänden der Herzkranzgefäße. Je mehr Ablagerungen, desto enger wird das Gefäß – die sogenannte Arteriosklerose der Koronarien. Dadurch wird der Herzmuskel zunehmend schlechter durchblutet.

Dass sich die Ablagerungen bilden, liegt an der unorthodoxen Lebensweise des Betroffenen selbst: Fettstoffwechselstörungen, wie zu hohe Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Rauchen. Zu den multiplizierenden Faktoren zählt unter anderem auch Stress.

Das steckt hinter einem Aderverschluss

In den Ablagerungen kann es zu Entzündungsreaktionen kommen. Diese sogenannten Plaques sind von einer dünnen Membran überdeckt. Reißt diese Schicht, liegt die Entzündung frei. Vorbeifließende Blutplättchen heften sich an die Stelle und versuchen, diese wieder zu flicken. Dadurch kann es zu einem kompletten Verschluss der Ader kommen.

Die fehlende Durchblutung löst oft starke Schmerzen aus. Wichtiges Indiz, um frühzeitig einen Herzinfarkt zu erkennen: Wenn sich plötzlich stechende Schmerzen in der Brustgegend breit machen, die länger als zehn Minuten andauern und diese bis in den linken Arm ausstrahlen, wird es höchste Zeit, den Notarzt zu verständigen. Ebenso klagt der Betroffene über Kurzatmigkeit.

Doch selbst dies ist keine Garantie auf Rettung. Denn im Durchschnitt dauert ein Herzinfarkt bei einem Mann 180 Minuten, bis er erkannt wird – bei Frauen sind es im Schnitt sogar 278 Minuten. 30 bis 40 Prozent der Herzinfarktpatienten versterben, bevor sie überhaupt in eine Klinik gebracht werden können.

ham/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Lindlbauer Robert
  • Kommentar 1
  • 25.07.2011 13:13

Bin mit einem akuten Herzinfarkt in ein Krankenhaus. doch dedr Pförtner sagte es ist kein Arzt im Haus!!! Sie können nicht hineingehen. NaCH 20 minütiger Diskussion ging ich wieder nach hause. Am nächsten Tag um 6.00 h früh bekam ich dann den Herzinfarkt. Der Pförtner sitzt noch immer an der Pforte, wie wenn nicht`s gewesen wäre. Ich habe mittlerweile den 2 Herzinfarkt bekommen, und habe noch ein Jahr zu leben.

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