Sa., 26.05.12

Grippe-Welle 24.01.2011 Nur jeder Vierte ist geimpft

Grippeimpfung (Foto)
Viele Erwachsene vernachlässigen das Thema Impfungen. Gegen Grippe lässt sich in diesem Winter nur jeder Dritte impfen. Bild: dapd

Die meisten Deutschen sehen die aktuelle Grippewelle eher gelassen: Zwei Drittel wollen sich nicht impfen lassen. Vor allem in Risikogruppen werde die Grippe jedoch unterschätzt, warnt das Robert Koch-Institut.

Nur jeder vierte Deutsche ist gegen Grippe geimpft. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor. 26 Prozent der 1029 repräsentativ Befragten haben sich die vorbeugende Spritze bereits geben lassen, sechs Prozent planen, dies in diesem Winter noch zu tun. Zwei Drittel der Menschen in Deutschland verzichten in diesem Winter ganz auf einen Impfschutz vor der Influenza.

Damit liegt die Impfquote nach Auskunft des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) in etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Die Ständige Impfkommission am RKI empfiehlt nicht jedem eine Grippeimpfung. Vor allem chronisch Kranken, Menschen über 60 Jahren, Schwangeren sowie medizinischem Personal rät die Kommission aber zur Immunisierung. «Hier ist das Risiko einer schweren oder gar tödlichen Erkrankung bei einer Infektion größer als bei der Allgemeinbevölkerung», erklärte RKI-Impfexperte Ole Wichmann. «In den Risikogruppen wird die Grippe unterschätzt», betonte er.

Die Rückkehr der Schweinegrippe hat nicht viele Menschen vorsorglich zum Arzt getrieben: Nur für jeden fünften (21 Prozent) Geimpften oder Impfwilligen in der Umfrage ist das Virus H1N1 ein Grund für die schützende Spritze. Der diesjährige Grippeimpfstoff deckt auch das Schweinegrippevirus H1N1 ab, das für rund drei Viertel aller aktuellen Influenzafälle verantwortlich ist.

Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte geht in seinen Empfehlungen zur Schweinegrippe weiter als die Impfkommission: Er rät, alle Kinder zu immunisieren. «Wir haben festgestellt, dass die Zahl der erkrankten Kinder in den Arztpraxen zunimmt», sagt Verbandspräsident Wolfram Hartmann. Kinder seien die Hauptüberträger von H1N1 und zugleich besonders gefährdet, weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.

Etwa zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten haben das Gefühl, gut über das Thema Schweingrippe informiert zu sein - 22 Prozent sehen bei sich noch Wissenslücken.

Die YouGov-Umfrage zeigt weiter, dass eine Mehrheit eine allgemeine Impfpflicht bei bestimmten Krankheiten - nicht unbedingt bei der Grippe - begrüßen würde. 61 Prozent der Befragten sind dafür, nur 30 Prozent lehnen eine Impfpflicht grundsätzlich ab. Groß ist die Zustimmung unter anderem im Osten Deutschlands, wo viele Menschen zu DDR-Zeiten bereits eine allgemeine Impfpflicht erlebt haben. Derzeit gibt es in Deutschland für die Bürger keine allgemeine Pflicht zur Impfung gegen irgendeine Krankheit.

Trotz der Zustimmung für eine Impfpflicht machen sich doch viele Menschen Sorgen über Nebenwirkungen des Impfens. 42 Prozent der Befragten fürchten sie, rund die Hälfte (53 Prozent) hat keine Angst davor. RKI-Experte Wichmannn zufolge ist zumindest der Grippeimpfstoff sehr gut verträglich. «Wir haben keine Bedenken, dass es wesentliche Nebenwirkungen gibt.»

rzf/sua/ivb/news.de/dpa
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