Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki
Es scheint grotesk: Damit wir besser schlafen können, müssen Kühe nachts munter bleiben. Warum? Damit sie hormonreiche Milch produzieren, die anschließend zu einem Designer-Lebensmittel weiterverarbeitet wird. News.de klärt auf.
Sich Nacht für Nacht hin und her zu wälzen ist eine Pein. Die Augen werden nicht müde, der Körper nicht schlapp, die innere Uhr ist aus dem Takt. Schlafmangel - er ist nicht nur lästig, sondern auch sehr ungesund. Zu wenig Schlaf hat einen negativen Einfluss auf den Hormonhaushalt sowie das Herz-Kreislauf-System und treibt den Blutzucker in die Höhe. Deswegen greifen Menschen mit Schlafproblemen zu Medikamenten.
Neuester Trend ist die Einnahme von MelatoninHormon, dass müde macht. um schnell und gut zu schlafen. In den USA sind freiverkäufliche Kapseln mit künstlichem Melatonin die neue Wunderdroge, auch in Deutschland gibt es die Pillen schon. Auf der Grünen Woche in Berlin werden dem künstlichen Melatonin nun natürliche Schlafstoffe entgegengehalten.
Was ist Melatonin?
Melatonin ist ein Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers steuert. Es sorgt dafür, dass wir nachts schlafen können. Bei Dunkelheit wird es im Körper freigesetzt. Trifft dagegen Licht auf die Netzhaut des Auges, hemmt dies die Produktion von Melatonin - und macht uns wach. Aber auch mit zunehmenden Alter, durch Stress, Nachtarbeit oder schlechte Ernährung produziert der Körper weniger Melatonin, der Hormonspiegel sinkt. Oft sind schlaflose Nächte die Folge.
Die tägliche Dosis Hormone
Neben dem synthetischen Melatonin, ist eine Extradosis Schlafhormon inzwischen auch in natürlicher Form erhältlich: Nachtmilchkristalle sollen dem deutschen Verbraucher das Schlafhormon schmackhaft machen. Sie werden als Lebensmittel in Apotheken verkauft.
Die Kristalle sehen aus wie grob gemahlener Zucker. Auf der Grünen Woche hat diese die Firma Nachtmilchkristalle vorgestellt. Es handelt sich dabei um gefriergetrocknete, entfettete Milch, die aufgrund eines besonderen Viehfutters und eines speziellen Melkverfahrens «reich» an Melatonin sein soll. «Sie enthält bis zu 25 Prozent mehr Melatonin als herkömmliche Milch», sagt Kai Oppel, PR-Berater der Firma Nachtmilchkristalle GmbH.
Das Spezialfutter, das die etwa 1000 Kühe zu fressen bekommen, besteht aus Kräutern und Luzerne, die reich an Tryptophan sind. Dieser Eiweißbaustein ist für die Bildung von Melatonin sehr wichtig. Gemolken wird bei Rotlicht zwischen zwei und vier Uhr nachts, denn dann ist Dank des fehlenden Tageslichts der Melatoningehalt der Milch erhöht. Firmengründer Tony Gnann hat sich das spezielle Melkverfahren extra patentieren lassen.
Insgesamt habe das Unternehmen mehrere hunderttausend Euro in das neue Verfahren investiert, so Oppel. Der Produktionspreis je Liter liegt bei einem Euro. Eine Packung Nachtmilchkristalle mit 16 Portionen zu je neun Gramm kostet 24,80 Euro - für die Kunden offensichtlich ein annehmbarer Preis. Seit der Einführung im April 2009 erfreue sich das Produkt wachsender Beliebtheit, so Oppel. News.de gegenüber gab die Firma allerdings keine genauen Zahlen bekannt, nur so viel: Die Verkäufe hätten sich seit Oktober 2010 verdoppelt.
Welche Wirkung haben die Kristalle?
Pro Tag wird empfohlen, eine Portion in etwas Milch aufzulösen und vor dem Zubettgehen zu trinken. Das soll den Schlaf fördern und zu mehr Wohlbefinden und erhöhter Tagesaktivität führen. Außerdem könne man schneller ein- und besser durchschlafen. «Das bestätigte die Studie, welche die Nachtmilchkristalle GmbH bei der Innovationsberatung Weihenstephan in Auftrag gegeben hat», so Dr. Heiko Dustmann, Leiter der Wirksamkeitsstudie. Untersucht wurden 40 Personen, 20 davon erhielten die Kristalle, die restlichen 20 Teilnehmer bekamen Placebos. 73 Prozent der Versuchspersonen, die das Produkt verabreicht bekamen, bestätigten die Wirksamkeit nach einer Einnahme von zehn Tagen.
Allein die Tatsache, dass die Studie nur mit wenigen Versuchspersonen über eine relativ kurze Zeit durchgeführt wurde, ruft Kritiker auf den Plan. Professor Thomas Penzel, wissenschaftlicher Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Labors der Charité Berlin ist skeptisch. Um das Produkt wissenschaftlich beurteilen zu können, müsse er wissen, wie die Kristalle beschaffen sind «und wie viel Melatonin direkt ins Blut geht», so der Experte.
Aber auch Penzel hält die Idee, das Schlafhormon über die Nahrung aufzunehmen, für besonders spannend. «Bisher gab es Melatonin nur als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pillen», erklärt Penzel. «Und da ist man über die Wirksamkeit der Tabletten geteilter Meinung.» Im Rahmen einer weltweiten pharmakologischen Studie wurde an Piloten getestet, ob Melatonin als Wunderwaffe gegen den Jetlag helfen kann. Das Ergebnis: Bei 50 Prozent der Piloten schien es zu wirken, bei der anderen Hälfte der Vielflieger nicht. Jedoch wurde nicht eindeutig geklärt, ob die Ergänzungsmittel, die bei den Piloten gewirkt haben sollen, eher über den Placeboeffekt erfolgreich zum Ziel geführt haben. Penzel, der Herausgeber der deutschen Fachzeitschrift Somnologie ist, hatte die Pillen selbst geschluckt - ohne Wirkung.
Auch die relativ geringen Mengen an Melatonin in den Nachtmilchkristallen erhärten die Zweifel an der Wirksamkeit. Ein Päckchen Nachtmilchkristalle enthält gerade einmal zwischen 1800 und 2000 Pikogramm Melatonin, ein sehr geringer Wert. Synthetisch hergestellte Medikamente enthalten dagegen ein Vielfaches an dem Hormon - zwischen zwei und fünf Gramm. Dustmann widerspricht: «Es gibt Hinweise darauf, dass natürliches Melatonin vom Körper wesentlich besser verwertet wird, als Synthetisches - also das Künstliche.» Ob der Körper nach längerer Einnahme der Kristalle selbst wieder mehr Melatonin produziere, sei noch nicht untersucht. «Das ist eine spannende Frage und sollte Anlass für eine neue Studie sein», so Dustmann.
Gibt es Nebenwirkungen?
News.de gegenüber erklärte Dustmann, es gäbe keinerlei Nebenwirkungen und verwies auf großangelegte amerikanische Studienergebnisse: «Selbst bei den Präparaten mit künstlichem Melatonin sind keine Nebenwirkungen bekannt» und ergänzt: «Melatonin wird, wenn es der Körper nicht braucht, abgebaut. Das ist völlig bedenkenlos.» Eine Überdosis könne es demnach nicht geben. Dustmann gehe daher davon aus, dass das Risiko für Nebenwirkungen bei dem natürlichen Hormon aus der Milch noch viel geringer sei.
sua/ham/news.de
"Untersucht wurden 40 Personen, 20 davon erhielten die Kristalle, die restlichen 20 Teilnehmer bekamen Placebos. 73 Prozent der Versuchspersonen, die das Produkt verabreicht bekamen, bestätigten die Wirksamkeit nach einer Einnahme von zehn Tagen." Was soll denn das? 73% von 20 Personen? Also 14,6 Personen? Konnte mich dann nicht dazu bewegen, den Artikel fertig zu lesen.
jetzt antwortenKommentar meldenMit der möglichst intensiven Vorstellung,daß ein gutes Ge- wissen das beste Ruhekissen ist,stellt sich der Schlaf ein,vorausgesetzt,man nimmt die beiden ersten christlichen Gebote sehr ernst,auch wenn es manchmal schwer fällt. Als zusätzliches gutes Hilfsmittel empfehle ich das autogene Training.
jetzt antwortenKommentar meldenerst bse dann dioxin,jetzt milch von unausgeschlafenen kühen..........was kommt als nächstes?????????????????
jetzt antwortenKommentar meldenEs ist fantastisch www.thebodybeautyshop.de
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