Nachtblindheit Die Orientierung tappt im Dunkeln

Für tausende Pendler ist es eine tägliche Herausforderung, in der Dämmerung mit dem Auto heimzufahren. Das Problem: Ihre Augen kapitulieren vor der Dunkelheit – im Volksmund ist das als Nachtblindheit bekannt. Und die kommt oft schleichend.

Nachtblindheit (Foto)
Wird es Nacht, stehen Menschen mit einer Sehschwäche im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Bild: dpa

Dämmert es, stehen Menschen mit einer Sehschwäche im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Da ist die Zeit zwischen Herbst und Frühling wahrlich eine trübe, wenn man sowohl in der Früh als auch am späten Nachmittag im Dunkeln unterwegs ist. Konturen und Schatten verschwinden. Was bleibt, ist die fehlende Orientierung. Lampen und Scheinwerfer entgegen kommender Autos im Straßenverkehr können Betroffene zwar noch zuordnen, doch kurzsichtige Autofahrer sind besonders lichtempfindlich. Und alles andere ringsherum ist stockfinster.

Damit steigt das Risiko, einen Unfall auszulösen oder in einen verwickelt zu werden. Nach Schätzungen des Kuratoriums Gutes Sehen (KGS) würde jeder dritte Autofahrer einen erneuten Sehtest für den Führerschein nicht mehr bestehen.

Meist betrifft dies Menschen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Die Sehschwäche beginnt schleichend. Doch bei der Definition Nachtblindheit gibt es große Unterschiede. «Eine echte Nachtblindheit ist selten», erläutert Professor Horst Helbig, Direktor der Universitäts-Augenklinik in Regensburg. Viele der Patienten würden ihre fehlende Sehkraft mit dieser schwerwiegenden Augenkrankheit verwechseln. Doch gegen das meist altersbedingte, eingeschränkte Sehvermögen gebe es Hilfe – gegen die echte Nachtblindheit laut dem Experten so gut wie keine.

Das Prinzip von Stäbchen und Zapfen

Grund für das seltene Phänomen? «Wenn das Tageslicht schwindet, passen sich unsere Augen an die veränderten Lichtverhältnisse an», erklärt Dr. Georg Eckert, Pressesprecher des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA). Die Netzhaut der Augen besteht aus Lichtsinneszellen - den sogenannten Stäbchen und Zapfen. «Bei Dunkelheit übernehmen die lichtempfindlichen Stäbchen in der Netzhaut das Sehen, denn die für das Farbensehen zuständigen Zapfen funktionieren bei schwachem Licht nicht mehr», sagt Eckert.

Die Stäbchen hingegen nehmen keine Farben wahr, weshalb im Dämmerlicht alles grau in grau erscheint. «Damit überhaupt noch so viel Licht wie möglich ins Auge fällt, weitet sich zudem die Pupille. Das hat zur Folge, dass Sehfehler stärker auffallen», fügt Eckert hinzu. Bei der echten Nachtblindheit sind aber die Stäbchen defekt. Das heißt: völlige Dunkelheit.

«In diesen Fällen muss an eine erbliche Netzhauterkrankung als möglicher Auslöser der Funktionsstörung gedacht werden», ergänzt Professor Helbig. Überwiegend zeigt sich die in Form der Augenkrankheit Retinitis pigmentosaDabei sterben die Netzhautzellen schrittweise ab, das Sichtfeld wird zunehmend eingeschränkt. . Deren Fortschreiten kann bislang keine medizinisch anerkannte Therapie stoppen.

«In sehr seltenen Fällen kann aber auch ein Vitamin-A-Mangel vorliegen», verweist der Regensburger Experte auf eine weitere Ursache der Nachtblindheit. Jährlich verlieren weltweit mehr als fünf Millionen Menschen dadurch ihr Augenlicht. In Deutschland ist ein Mangel an dem Vitamin so gut wie ausgeschlossen. Eine Ausnahme stellen Patienten dar, die unter Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder SprueDie Unverträglichkeit von Gluten bei Erwachsenen. Bei Kindern heißt die Allergie gegen das Klebereiweiß Zöliakie. Gluten kommt im Getreide vor. leiden. Bei ihnen ist die Aufnahme des Vitamins gestört, das in den Stäbchen und Zapfen gebraucht wird.

Augenärzte verfügen über spezielle Untersuchungsverfahren, um zu prüfen, ob eine Nachtblindheit vorliegt: Sie können BVA-Sprecher Eckert zufolge messen, wie schnell sich das Auge an die Dunkelheit anpasst und das Kontrastsehen mit und ohne Blendung überprüfen.

Liegt kein Gendefekt vor, so können die Fachärzte dem nachlassenden Sehvermögen bei schlechten Lichtverhältnissen schnell entgegenwirken. Eine Brille oder Kontaktlinsen können laut Eckert hier sofort Abhilfe schaffen. Wenn bei einem Grauen Star die Linse getrübt ist und die Lichtstreuung im Auge zunimmt, kann es sein, dass Patienten sich schneller geblendet fühlen. Die KataraktoperationDie eigene Linse wird durch eine aus Kunststoff ersetzt. stellt das Sehvermögen wieder her.

ham/reu/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Virgo Blindschleiche
  • Kommentar 1
  • 21.01.2011 17:44

Hierzulande muss nur jeder mehr fressen, saufen,rauchen, prassen, schlämmen, gieren und huren, insbesondere fett, fettiger am fettesten werden und alles meiden, worin sich Vatamin A oder das dazugehörige Provitamin befinden, dann werden wir bald ein nachtblindes Volk sein, um unseren Fortbestand aus Importen zu kreieren.

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