Kariesbehandlung Lichtschwert gegen Zahnlöcher

Kariesinfiltration (Foto)
Die Kariesinfiltration stellt bei starkem Kariesbefall derzeit noch keine Alternative zum Bohrer dar. Bild: dpa

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Der Besuch beim Zahnarzt ist nicht für jeden Patienten angenehm. Um den Betroffenen die Therapie so schmerzfrei wie möglich zu gestalten, hoffen die Mediziner nun auf die Kariesinfiltration. Diese Behandlung soll den Bohrer in den Ruhestand schicken.

Eine repräsentative Umfrage der Apotheken Umschau fühlt Deutschland auf den Zahn: 69,9 Prozent aller Befragten haben eine oder mehrere Zahnfüllungen. Schon im Teenageralter wurde fast jeder Zweite wegen Karies behandelt - von den 20- bis 30-Jährigen sogar 70,1 Prozent. Besonders betroffen sind die 30- bis 49-Jährigen: Von ihnen haben vier von fünf Befragten mindestens eine Zahnfüllung. An der Umfrage nahmen knapp 2000 Männer und Frauen ab 14 Jahren teil.

Dass es um die Zahngesundheit der Deutschen nicht gut bestellt ist, hat mehrere Gründe: Einerseits mangelnde Zahnpflege, andererseits empfinden viele Patienten notwendige Eingriffe als blanken Stress. Die Behandlung wird deshalb oft bis zum bitteren Ende hinausgezögert.

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Bisher gab es zwei Wege, um Karies den Garaus zu machen. Entweder bestrichen die Fachärzte die poröse Stelle mit einem Präparat aus Fluorid, um das Loch dicht zu spachteln. Oder sie bohrten das von Karies befallene Gewebe weg.

Einsatz bei leichter und mittelschwerer Karies

Die sogenannte minimalinvasive TherapieBei der Behandlung soll so wenig Gewebe wie möglich entfernt werden. soll die Behandlung für den Patienten nun stressfreier und schmerzärmer machen. Denn egal, ob ein Zahn abgebrochen, von Bakterien angefressen oder vom Bohrer gelöchert ist: Zahnschmelz wächst nicht nach, wenn er einmal weg ist. Neueste Hoffnung ist deshalb die Kariesinfiltration, bei der der Zahnschmelz so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Bohrer bleibt unbenutzt.

Während der Behandlung raut der Zahnarzt zuerst die noch intakte Zahnoberfläche mit einem Säuregel auf (siehe dazu die Grafik). Anschließend wird zwischen die entstandenen feinen Poren ein Kunststoffharz gesetzt, das unter einer Wärmelampe ausgehärtet.

In der Theorie ist diese Methode perfekt - in der Praxis noch nicht. Derzeit wird sie nur bei leichter bis mittelschwerer Karies eingesetzt - vor allem bei Löchern im Zahnzwischenraum. Außerdem schrumpft der Kunststoff nach der Aushärtung. Das heißt: Es können sich haarfeine Risse in der Füllung bilden, in denen sich Kariesbakterien ausbreiten können. Dr. Hendrik Meyer-Lückel zufolge, einer der Erfinder der Kariesinfiltration und Privatdozent am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, sei diese Therapie im Vergleich zur Fluoridierung deutlich effizienter. Studien hätten gezeigt, dass es viermal häufiger zu einem Stillstand von Karies kommt.

Bei fortgeschrittenem Befall oder Schmerzen im Wurzelbereich kommt der Arzt um den Bohrer noch nicht herum. «Die Kariesinfiltration ergänzt das Bohren. Ersetzen kann sie es derzeit jedoch nicht», so Meyer-Lückel gegenüber der Apotheken-Umschau.

Das «Lichtschwert» wird noch getestet

Um den Bohrer langfristig durch einen Laser zu ersetzen, arbeiten Wissenschaftler der Universität Bonn an einem Prototypen. Derzeit wird dieses «Wunderlichtschwert» an Stoßzähnen von Mammuts getestet - dem ältesten Zahnschmelz, den die Forschung zu bieten hat. Elfenbein eignet sich aufgrund seiner zahnähnlichen Struktur besonders gut für die Experimente.

Das Projekt könnte für die Zahnheilkunde eine kleine Revolution bedeuten. «Wir können den Bohrer beispielsweise mit einem Diagnoselaser kombinieren», erklärt Projektleiter Professor Matthias Frentzen von der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und präventive Zahnheilkunde. «So können wir während der Behandlung analysieren, ob wir uns noch in einem Kariesherd befinden oder schon im gesunden Gewebe - und den Bohrer rechtzeitig stoppen.» Knapp sieben Millionen Euro stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung für das Projekt zur Verfügung, das bereits seit 2009 läuft.

rzf/reu/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ulrike
  • Kommentar 1
  • 07.02.2013 22:41

Zahnschmelz wächst sehr wohl wieder nach! Bei mir ist ein Loch, das ein Zahnarzt zum Schutze meiner frei liegenden Zahnhälse gebohrt hatte, weil diese Bereiche angeblich für Karies anfälliger seien, inzwischen fast wieder zugewachsen. Mir war die Füllung herausgefallen. An diesem Zahn befand sich kein Karies! Ich betrachte diese Vorgehensweise als Körperverletzung, da ein Zahnarzt absichtlich meinem Zahn einen Schaden zugefügt hat, in der Annahme hiermit Prophylaxe zu betreiben. Mein Körper hat diese Wunde mit körpereigener Zahnsubstanz geschlossen. ZAHNSCHMELZ WÄCHST WIEDER NACH!

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