Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki - 03.01.2011, 10.53 Uhr

Schönheits-OP: Der Schnitt im Schritt

Sie sind zu groß, missraten und verursachen Schmerzen: Schamlippen sind für manche Frauen ein medizinisches Problem. Auch der Ästhetik wegen wagen immer mehr Betroffene eine Korrektur. Doch Schönheits-OPs im Intimbereich bergen Risiken.

Frauen mit zu großen Schamlippen können von engen Bikini-Höschen nur träumen. Bild: istockphoto

Brüste mit Silikon vergrößern, Bauch- und Oberschenkelfett absaugen, Botox spritzen - in der plastischen Chirurgie gibt es kein Körperteil, an dem nicht geschnippelt und gespritzt wird. In jüngster Zeit geht es auch im Intimbereich zur Sache. Immer mehr Frauen lassen sich die Schamlippen - in der Fachsprache Labien genannt - verschönern. Die Nachfrage steigt. News.de hat mit Dr. Petra Berger, Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie, über die Gründe und Risiken gesprochen.

Frau Dr. Berger, weshalb unterziehen sich Frauen einer Schamlippenkorrektur?

Dr. Berger: Bei den meisten Frauen liegt ein medizinisches Problem vor. Viele haben schlichtweg zu große Schamlippen. Das kann junge Frauen ebenso betreffen, wie ältere, bei denen die Schamlippen mit zunehmenden Alter zu groß geworden sind. Diese Frauen möchten sich im Schambereich verjüngen.

Welche Unannehmlichkeiten haben die Frauen, wenn die Schamlippen zu groß sind?

Dr. Berger: Sie können keine enge Kleidung wie Bikinis oder Sporthosen tragen, sich nicht entspannt bewegen. Der Gang in die Sauna oder ins Fitnessstudio ist ihnen peinlich. Zudem können die Schamlippen so groß sein, dass sie beim Fahrradfahren scheuern und beim Sex mit dem Partner umschlagen und schmerzen.

Gibt es auch ästhetische Gründe?

Dr. Berger: Ja. Frauen, die ein ästhetisches Problem mit ihren Labien haben, sind sehr körperbewusst. Sie wollen, dass die inneren Schamlippen kleiner sind als die äußeren. Dieses Körperbild wird vor allem durch die Medien propagiert. Es kommt aber auch deshalb zum Tragen, weil sich immer mehr Frauen komplett im Schambereich rasieren. Durch die Intimrasur wird der Makel offensichtlich.

Es soll Frauen geben, die sich besseren Sex von der Korrektur versprechen. Stimmt das?

Dr. Berger: Ja, diese Frauen gibt es tatsächlich. Und es ist auch wirklich so, dass viele Frauen nach einer OP den Sex als besser empfinden.

Gibt es weitere Gründe, sich unters Messer zu legen?

Dr. Berger: Ja, einige Frauen haben durch die Geburt Risse und Verletzungen im Scheidenbereich erlitten. Oft haben diese Frauen einen Hautlappen, der schmerzt. Bevor man aber operiert, müssen die Patientinnen eine Schmerztherapie machen.

Wie viele Patientinnen haben Sie im Monat und was kostet eine OP?

Dr. Berger: Pro Sprechstunde habe ich etwa vier bis fünf Patienten in der Beratung. Zwölf Patientinnen operieren wir im Monat. Eine Schamlippenkorrektur kostet 2300 Euro.

Wie muss man sich eine OP in der Intimzone vorstellen?

Dr. Berger: Wir operieren ambulant bei lokaler Betäubung, Dämmerschlaf oder kurzer Vollnarkose. Bei der OP dürfen die inneren Schamlippen nicht zu kurz geraten, denn sie haben eine wichtige Funktion: Sie sind eine Schutzbarriere gegen Keime. Ich messe während der OP einen bis eineinhalb Zentimeter Länge nach und mache die Schnittlinien. Dann trenne ich das Überstehende ab, längs des anatomischen Randes. Ob mit dem Skalpell oder dem Laserskalpell, das überlasse ich der Patientin.

Wie sieht die Nachversorgung aus bzw. worauf müssen die Patientinnen achten?

Dr. Berger: Die Patientinnen können sofort nach der OP wieder auf die Toilette gehen und auch duschen. Sie dürfen jedoch eine Woche lang keine Seife verwenden. Während der Wundheilung tragen sie Einlagen, auf denen morgens und abends eine Jodsalbe aufgebracht wird. Zudem bekommen die Frauen Schmerzmittel und Antibiotika. Am OP-Tag müssen sie Bettruhe halten und dürfen nicht viel laufen. In den ersten drei Tagen hilft es, den Intimbereich mit Coolpacks zu kühlen. Nach etwa fünf Tagen sollte dann alles verheilt sein. Fäden müssen nicht gezogen werden, die lösen sich von selbst auf.

Welche Risiken gibt es?

Dr. Berger: Wenn die OP sachgemäß durchgeführt wird, gibt es in der Regel keine Komplikationen - die Risiken sind sehr gering. Bei falscher Vorgehensweise allerdings - wenn etwa zu nah im Bereich der Klitoris operiert wird - ist bei einer Wundheilungsstörung möglicherweise die Sensibilität eingeschränkt. Deswegen darf man in diesem Bereich nur sehr vorsichtig operieren. Es gibt Ärzte, die dies nicht berücksichtigen. Frauen können dadurch erhebliche Empfindungsstörungen entwickeln. Das geht soweit, dass sie kein Sexualleben mehr haben, weil ihnen der Verkehr mit dem Partner wehtut oder sie sich schämen.

Es kommt auch vor, dass das Resultat der Patientin anschließend nicht gefällt, weil die Schamlippen unterschiedlich groß sind. Auch Blutungen sind Risiken ebenso wie narbiges Gewebe und atypische Schmerzphänomene. Wenn die Schamlippen zu sehr gekürzt wurden, sind ständige Infektionen die Folge. Ich musste auch schon Schamlippen, die zu klein gerieten, mit umliegendem Gewebe rekonstruieren. Das ist aufwändig und kompliziert.

Gibt es Patientinnen, die Sie ablehnen?

Dr. Berger: Definitiv. Stellt sich bei der Anamnese heraus, dass eine Patientin ein psychisches Problem hat, dann entscheide ich gleich, nicht zu operieren. Extrem vorsichtig bin ich aus einem Grund: Es gibt Missbrauchsopfer, die schlechte Erfahrungen tief im Unterbewusstsein vergraben haben. Eine OP kann dazu führen, dass alles wieder hochkommt. Das äußert sich beispielsweise in einem gesteigerten Schmerzempfinden im Intimbereich, obwohl der medizinische Befund gut ist. Oder aber die Frau kann hinterher nicht mehr mit ihrem Partner schlafen.

Ich hatte auch schon Patientinnen, bei denen im Scheidenbereich alles perfekt ist. Diese Frauen schicke ich wieder nach Hause. Es bringt nichts, jemanden zu operieren, wenn es unnötig ist.

Dr. Petra Berger hat ihre Ausbildung zur Intim-Chirurgin bei plastischen Chirurgen im In- und Ausland gemacht - vor allem in den USA und Brasilien. 

sis/ivb/news.de

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