Erste Hilfe So sitzt jeder Handgriff

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Auch wenn es hier nur eine Übung ist: Im Notfall muss bei der Ersten Hilfe jeder Handgriff sitzen. Bild: dpa

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Bei der Ersten Hilfe kommt es auf die richtigen Handgriffe an, um Leben retten zu können. Doch viele haben sich im Laufe der Jahre verändert. News.de zeigt, was Sie machen dürfen und was nicht.

Reanimation

Gerade bei der Herzdruckmassage hat sich einiges getan – und wird sich weiter verändern. Sie gilt als wichtigste Maßnahme bei Herzstillstand. Je schneller sie einsetzt, desto besser. Denn: Wird das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt, gehen pro Minute zehn Prozent der Hirnleistung verloren.

Doch wie sieht die richtige Reanimation aus? Selbst Experten sind sich hierbei uneinig. Bis dato wurden Menschen bei Atemstillstand durch das Wechselspiel aus einer Mund zu Mund-Beatmung und einer Herzdruckmassage zurück ins Leben geholt. Jetzt lassen verschiedene wissenschaftliche Studien Zweifel aufkommen, dass die Kombination aus Drücken und Beatmen die beste sei. Gerade Forscher aus Schweden, den Vereinigten Staaten und Österreich sind der Meinung, dass die Herzdruckmassage ohne Beatmung allein ausreiche. Denn wenn ein Erwachsener ohnmächtig wird, sei meist das Herz schuld, so die Expertenmeinung. Bei der Herzdruckmassage allein lasse sich der Blutkreislauf soweit aufrechterhalten, dass die Zellen, auch die im Gehirn, mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden.

Erste Hilfe
Tipps für Lebensretter

Hintergrund ist die Hemmschwelle bei der Beatmung: Umfragen zufolge hätten 88 Prozent aller Befragten kein Problem, bei Freunden und Familienmitgliedern die Herzdruckmassage anzuwenden, 68 Prozent würden sich auch zutrauen, diese zu beatmen. Bei Fremden sieht das ganz anders aus: 74 Prozent würden zwar den Brustkorb drücken, jedoch nur 15 Prozent würden beatmen. Zu groß die Hemmschwelle, sich beispielsweise zu infizieren. Wer sich das aber zutraut, sollte weiterhin auf die Beatmung setzen.

Bereits vor fünf Jahren hat das European Resuscitation Council (ERC), ein international anerkanntes Expertengremium für Wiederbelebung, schon die Kriterien verändert: Die Pulskontrolle zu Beginn der Wiederbelebung sowie das zweimalige Beatmen vor der Druckmassage wurden gestrichen – auch die Abmessung, wo die Handflächen auf dem Brustkorb gelegt werden, wurden vereinfacht: Den Handballen im unteren Drittel des Brustkorbs auflegen und drücken.

Dieser sollte pro Minute 100 Mal gepresst werden. In diesem Fall sollte der Ersthelfer 30 Mal in Folge drücken – falls es sich der Helfer zutraut, kann er die bewusstlose Person weiterhin durch den Mund oder die Nase beatmen. Nach zwei Atemspenden beginnt die Herzdruckmassage aufs Neue. Bei zwei Ersthelfern sollte einer sich auf die Beatmung, der andere auf die Herzdruckmassage konzentrieren und sich abwechseln, da die Reanimation kräfteraubend ist. Wichtig zu wissen: Viele Helfer haben Bedenken, beim Drücken können die Rippen brechen. Zurecht, doch ohne gravierende Folgen. Denn die Rippen brechen am Ansatz, dadurch besteht auch keine Gefahr, dass ein gebrochener Knochen beispielsweise in die Lunge eindringen kann.

Blutung stillen

Hollywood-Filme machen es vor, wie es nicht sein darf, um eine Blutung zu stillen: Niemals darf trotz starker Blutung ein Körperteil abgebunden werden, beispielsweise am Bein oder Arm durch einen Gürtel oder eine Schnur. Zu groß ist die Gefahr, dass die abgebundene Gefäße nicht mehr mit Blut versorgt werden und dadurch absterben. Das einzige, was hierbei noch erlaubt ist, ist das Abdrücken der Schlagader. Zuerst soll die blutende Wunde durch einen Druckverband gestillt werden, die Extremität nach oben halten, und die Schlagader, beispielsweise seitlich innen unter dem Bizeps oder dem Oberschenkel eindrücken.

Atemnot durch Verschlucken

Der Klassiker im Restaurant: Wer gierig sein Essen herunter schlingt, dem bleibt schon einmal der Bissen im Halse stecken. Bis vor kurzem war der Würgegriff, der am Bauch des Hilfebedürftigen ansetzt, das Heimlich-Manöver, untersagt. Zu groß die Wahrscheinlichkeit, innere Organe zu quetschen. Jetzt nicht mehr: Dabei die Person im Stehen vom Rücken aus umarmen, die beide Arme um den Bauch legen und ruckartig zu sich ziehen. Dies aber höchstens fünf Mal in Folge machen – ansonsten ist die Gefahr von inneren Verletzungen einfach zu groß. Die andere Variante: Die Person mit Atemnot auf die Knie legen, den Oberkörper nach vorne beugen und mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter klopfen.

Unterkühlung

Gerade jetzt im Winter ist die Gefahr von einer Unterkühlung besonders gegeben. Wichtig: Sofort versuchen, die Person an einen wärmeren Ort zu bringen und gegebenenfalls dieser etwas Warmes zu trinken zu geben. Aber niemals Alkohol, denn dieser entzieht dem Körper zusätzlich Wasser und die Unterkühlung geht weiter. Ebenso sollte man nicht versuchen, die Person mit Reiben wieder auf Temperatur zu bringen. Genau das Gegenteil wäre der Fall: Durch die Reibung öffnen sich die Poren der Haut, zusätzliche Wärme tritt aus.

Vergiftung und Verätzung

Erbrechen, ja oder nein? Das ist bei einer Vergiftung, zum Beispiel durch Lebensmittel, notwendig. Wichtig ist es, dass ein Teil des Erbrochenen für den Notarzt aufgehoben wird, um das Gift zu identifizieren. Bei Verätzungen, beispielsweise durch säurehaltige Putzmittel, ist aber genau das Gegenteil wichtig: nicht erbrechen. Ansonsten würde die Säure ein zweites Mal die Luft- und Speiseröhre irreparabel verätzen.

Epilepsie

Bei einem epileptischen Anfall wäre es falsch zu versuchen, der Person etwas zwischen die Zähne zu stecken, um die Zunge zu schützen – geschweige denn den Betroffenen fest zu halten. Dieser entwickelt während der Attacke nie für möglich gehaltene Kräfte. Umso entscheidender ist es, die Umgebung zu sichern und alle Gegenstände aus dem Weg zu räumen, an denen man sich verletzen kann. Dauert der Anfall länger als eine Minute an, muss der Notarzt verständigt werden.

Schlaganfall

Bei Schlaganfall gibt es nur eine Lösung: Sofort 112 anrufen. Eindeutiges Anzeichen dafür ist beispielsweise eine einseitige Lähmung. Lagern Sie die Person erhöht, das heißt: Sitzen, am besten auf dem Boden. Kein Stuhl, da die Gefahr groß ist, dass der Betroffene das Gleichgewicht verliert und stürzt. Zwar ist in 80 Prozent aller Fälle ein verstopftes Blutgefäß die Ursache. Doch die anderen 20 Prozent sind keine Anfälle, sondern eine Hirnblutung. In den ersten drei Stunden ist es daher zu empfehlen, dass im Krankenhaus beim Betroffenen eine Computertomographie gemacht wird. Denn: Da in über zwei Drittel aller Fälle verstopfte Gefäße für die lebensbedrohliche Situation sorgen, spritzt der Art blutverdünnende Medikamente. Bei einer Hirnblutung hingegen würden sie den Zustand des Betroffenen verschlimmern.

Um einen ersten Überblick zu bekommen, wie die Erste Hilfe bei verschiedenen Verletzungen aussehe, hat die Apothelen-Umschau auf ihrer Homepage die wichtigsten Handgriffe zusammengestellt. Doch das Nachlesen ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs. Auf den Internetportalen der bekanntesten Rettungsorgansisationen kann man sich über die nächsten Kurstermine in Ihrer Stadt informieren.

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